Von Christian Rost

Bei der Jubiläumswiesn soll wieder "echtes Münchner Bier" fließen, so wollen es 30 Münchner Brau-Amateure. Nun entscheidet die Stadt.

Man könnte das ganze als Schnapsidee abtun, was da am Hobbybrauer-Stammtisch im "Zwingereck" ausgebrütet wurde. Doch im Laufe des Gesprächs mit Günther Baumann wird schnell klar, dass es der Neuhausener völlig ernst meint mit seinem Vorhaben: Baumann ist einer von Münchens Hobby- und Hausbrauern und möchte seine Kunst zusammen mit etwa 30 Braubrüdern auf dem diesjährigen Oktoberfest zeigen.

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Gepflegter Biergenuss ist eine Leidenschaft von Günther Baumann, das Oktoberfest "mit der ganzen Sauferei und Aggressivität" indes nicht unbedingt. Dennoch übergab er am 30. Dezember, kurz vor Bewerbungsschluss, der Münchner Tourismusamts-Chefin Gabriele Weishäupl sein Bewerbungsschreiben für die Wiesn.

"Wieder echte Münchner Braukunst"

Am Freitag trifft sich der städtische Arbeitskreis Jubiläumswiesn und entscheidet auch über Baumanns Antrag. Demnach soll auf dem Oktoberfest, das heuer zwar erst zum 177. Mal stattfindet, die Hochzeit des bayerischen Kronprinzen Ludwig mit Therese von Sachsen-Hildburghausen aber genau 200 Jahre her sein wird, "wieder echte Münchner Braukunst gezeigt werden", wie Baumann sagt.

Die meisten der auf der Wiesn vertretenen Großbrauereien seien strenggenommen ja gar keine richtigen Münchner Brauer mehr, meint der Initiator. Ganz im Gegensatz zu ihm und seinen Kollegen vom Hobbybrauer-Stammtisch. 20 Hektoliter Bier stellte allein Baumann in seiner Hobbybrauerei "Richelbräu" in Neuhausen im vorigen Jahr her - für die Hausgemeinschaft und für Straßenfeste.

Er schickt das alles gleich voraus, weil er weiß, dass die Stadt in Sachen Bier und Oktoberfest stets damit argumentiert, auf der Wiesn dürften nur Münchner Brauer vertreten sein. Der Wittelsbacher Prinz Luitpold von Bayern, der mit seiner Privatbrauerei Kaltenberg schon seit Jahren vergeblich auf die Theresienwiese drängt, weiß davon ein Lied zu singen.

Baumann hat also beantragt, auf dem südlichen Teil der Festwiese, wo die Stadt zum Jubiläum ohnehin eine Art Nostalgiewiesn mit Pferderennen und Marktschreiern plant, ein Bierkarussell aufstellen zu dürfen. Darauf sollen 0,3-Liter-Kostproben zum Preis von etwa zwei Euro aus Amateurbrauereien gereicht werden - "echtes Märzen", wie's auf der Wiesn Brauch ist, wollen die Hausbrauer anbieten.

Für die Qualität des selbsterzeugten Bieres verbürgt sich Baumann. Unter seinen Mitstreitern aus der Hobbybrauerszene befänden sich schließlich auch einige Profis - so ein amtierender Braumeister aus Kaltenberg und zwei pensionierte Brauer vom Augustiner. Die wollen den Oktoberfestgästen dann auch zeigen, wie vor 200 Jahren Bier hergestellt wurde, als es in München noch rund 60 Brauereien gab.

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(SZ vom 08.01.2010/hes)