SZ: Was treibt Sie an bei Ihren jahrelangen Bemühungen?

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Chaussy: In diesen 25 Jahren bin ich immer ungefähr drei Tage vor dem Jahrestag von Journalisten angerufen worden, die mal eben eine Telefonnummer von einem Opfer gebraucht haben. Das hat mich abgestoßen. Haben wir denn nichts anderes zu bieten als das Aufbrechen alter Wunden? Und in der Sache unternehmen wir nichts?

Außerdem widerstrebt es meinem Gerechtigkeitsempfinden, wie in Gundolf Köhler alles hineingestopft wurde. Ich konnte seine Rolle nicht klären. Die Behörden zeichnen ein Monster und unterschlagen entlastende Momente und Widersprüche. Das ist nicht in Ordnung.

SZ: Glauben Sie, dass die Ermittlungen noch einmal aufgenommen werden?

Chaussy: Immer weniger. Vor zwei Jahren bekam ich eine E-Mail von einer zur Tatzeit 14 Jahre alten Zeugin. Sie sagt, sie sei kurz vor der Detonation von einem Mann von der Sprengstelle weggezerrt worden, der ihr zu verstehen gab, dass hier gleich etwas passieren werde. Bei ihr hat die Polizei insinuiert, dass der Mann sie sexuell belästigen wollte. Wenn man damals nicht versucht hat, ihn anhand ihrer Beschreibung zu finden, wie soll man das jetzt machen?

SZ: Sie sagen, der Generalbundesanwalt hätte Sie einmal aufgefordert, ihm die Täter zu bringen.

Chaussy: Ja. Diese Bringschuld, die mir da auferlegt wird, verstimmt mich zutiefst. Ich soll die Täter bringen, jemand, der kein Staatsanwalt ist und sich dieses Amt auch nicht anzumaßen hat.

Ich kann nicht sagen, wie es war, ich will keine Hypothese in die Welt setzen, die ich genauso wenig belegen kann. Ich kann nur sagen, dass die Behörden das Herz haben sollten, zuzugeben, dass sie ein sehr unsicheres Ergebnis präsentiert haben. Und dass es ein öffentliches Interesse gibt, die Ermittlungen wieder aufzunehmen - das sind 13 Tote und mehr als 200 Verletzte.

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(SZ vom 24.9.2005)