Von Von Martin Thurau

Der Vorlesungsmarathon begann pünktlich um 10 Uhr, wer dabei sein wollte, musste Sitzfleisch mitbringen. 24 Stunden lang referierten Dozenten der Münchner Hochschulen in der Universität über dies und das, über römische Liebesdichtung und Kristallwachstum, um gegen die Kürzungsbeschlüsse der Staatsregierung zu protestieren: "Studiert, solange ihr noch könnt", mit dieser Aufforderung garnierten die Studenten das von ihnen organisierte Nonstop-Programm, eine Art rhetorischen Staffellaufs.

Mutmaßlich zur gleichen Zeit, als der Soziologe Stefan Hirschauer sich im Hörsaal in der Schellingstraße über das "Scheinlebendige" ausließ, verkündete Ministerpräsident Edmund Stoiber nach einem Marathon von Sitzungen endlich, wie sich die angekündigten Kürzungen auf die Ressorts verteilen.

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In den Augen der Studenten ging es dabei in etwa um die Frage, ob die Staatsregierung das bayerische Hochschulwesen gleich beerdigen oder nur ein wenig notoperieren würde. Am Dienstag war durchgesickert, dass die Universitäten mit Kürzungen von fünf statt der zunächst befürchteten zehn Prozent davonkämen.

Dabei blieb es denn auch. Vorangegangen war ein bislang einzigartiger Proteststurm, der Lehrende und Lernende wie sonst selten einte. Am vergangenen Donnerstag gingen in ganz Bayern Zehntausende Studenten auf die Straße, allein in München waren es nach Angaben der Veranstalter bis zu 40000, unter ihnen auch Professoren und Mitarbeiter. Vor dramatischen Folgen für Forschung und Lehre hatten die Münchner Hochschulchefs immer wieder gewarnt, einzelne Institute befürchten gar die Schließung. Zuletzt sprachen Wolfgang Herrmann, TU-Präsident und Vorsitzender der Rektorenkonferenz, und der Rektor der Universität (LMU), Bernd Huber, in der SZ von drohender "Brandrodung".

Offen allerdings ist auch jetzt, wie sich die Hochschulen mit den nun beschlossenen Kürzungen werden einrichten können. Die bisherigen Reaktionen der Münchner Hochschulchefs fallen reichlich unterschiedlich aus: Huber gab bereits die Losung aus, es werde "keinen Kahlschlag geben", die Rektorin der Fachhochschule (FH), Marion Schick, dagegen hält auch die korrigierten Streich-Vorgaben für inakzeptabel.

Wie auch immer der Streit ums liebe Geld und Stellenkürzungen ausgehen wird, wie sehr sich interne Kommissionen auch um Transparenz und Rationalität bemühen werden: Tiefe Einschnitte wird es trotzdem geben. Huber zum Beispiel sprach von einem Verlust von bis zu 200 Stellen an der LMU. Und Mitarbeiter der Jura-Fakultät an der LMU haben hochgerechnet, dass der wissenschaftliche Nachwuchs künftig halbiert werden könnte. Wie viel Druck derzeit auf dem Hochschulsektor lastet, zeigt womöglich auch eine Planungs-Episode, von der FH-Chefin Schick berichtet.

Sie sei vom Wirtschaftsministerium "im Benehmen" mit dem Wissenschaftsressort benachrichtigt worden, dass die beiden Ministerien an einem neuen Konzept für die so genannte Cluster-Bildung arbeiten, mit dem sich die regionale Zusammenarbeit zwischen Hochschulen und Industrie verbessern ließe. Die FH solle deshalb bitte ihre Forschungspotenziale in einem Konzeptpapier darstellen. Die Aufforderung, so Schick, kam am Donnerstag letzter Woche, Abgabetermin: am vergangenen Montag.

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