Weltweit größtes mobiles Riesenrad München dreht ein großes Ding

Hat München nun auch eine Winter-Wiesn? Am Frankfurter Ring steht die neue Attraktion der Stadt: das weltweit größte mobile Riesenrad. Was es mit dem eindrucksvollen Fahrgeschäft auf sich hat.

Von Christian Mayer

Im Münchner Norden leuchtet nachts ein rätselhaftes Objekt, es beschäftigt die Phantasie vieler Bewohner und Pendler: Ist denn bald Kirmes am Frankfurter Ring? Oder wird das Frühlingsfest von der Theresienwiese nach Freimann verlegt, auf das Gelände der Traditionsfirma Maurer Söhne GmbH? Achtzig Meter ragt das neue Riesenrad in die Höhe, eine spektakuläre Bereicherung für das Stadtbild - und ein großes Geheimnis. Denn für wen das filigrane Riesengerät bestimmt ist, wurde vom Unternehmen bisher nicht verraten, der Kunde wünscht Diskretion.

Nun lüftet sich der Schleier, verstecken lässt sich das Ding ja sowieso nicht, das in den vergangenen Wochen Speiche für Speiche, Kabine für Kabine zusammengeschraubt wurde. "Der Abnehmer kommt aus Mexiko, dorthin werden wir unser Produkt liefern, wenn es wieder in seine Einzelteile zerlegt ist. Wer der Kunde aber ist, dürfen wir noch nicht verraten", sagt Jeroen Nijpels, Manager bei der Maurer German Wheels GmbH.

Für die Produktion des weltweit größten mobilen Riesenrads hat das Münchner Unternehmen eigens eine Tochterfirma gegründet; sie soll nun das neue Produkt auf dem Weltmarkt etablieren. Geplant sei auch ein Eintrag im Guinness-Buch der Rekorde, sagt der Manager.

Auf den Prototyp, der derzeit im Münchner Norden zu sehen ist, sollen weitere Riesenräder folgen, hofft Nijpels. "Unser Ziel ist es, drei bis vier Stück pro Jahr in Serie zu produzieren." Das ist im buchstäblichen Sinne Schwerstarbeit: 750 Tonnen wiegt allein der Rahmen aus Stahl mit den 54 Gondeln, das Fundament aus Gusseisen, das als Gegengewicht zum Rad benötigt wird, ist ebenfalls 750 Tonnen schwer.

Bis zu 432 Menschen können künftig im Münchner Riesenrad ihre Runden drehen, und eine Garantie gibt es auch dazu: Der deutsche TÜV ist gerade dabei, das Objekt eingehend zu prüfen und freizugeben, darauf legt der Erstkunde aus Mexiko ausdrücklich wert. Für das Großprojekt hat sich die Firma übrigens erfahrene Partner gesucht: Die auf Skilifte spezialisierte Schweizer Firma CWA baut die Gondeln, Siemens liefert die elektronische Steuerung.

Für Maurer könnte die Produktion am Münchner Stammsitz ein wichtiger Umsatzbringer werden, allerdings will man erst mal abwarten, wie sich der Verkauf entwickelt. Auch über den Preis will die Firma nichts Näheres verraten, aber die Rede ist von einem zweistelligen Millionenbetrag pro Stück - das lässt Raum für Spekulationen. Dass auf die Kunden noch erhebliche Lieferkosten zukommen, liegt auf der Hand, besonders bei komplizierten Übersee-Transporten. Russland, China, Indien, Brasilien, Südafrika: Solche Länder entwickeln neue Freizeitpark, hier gibt es einen wachsenden Markt.

Besonders stolz ist man bei Maurer auf das Transportsystem: Im Prinzip ist es möglich, das Fahrgeschäft für einen längeren Zeitraum an einem bestimmten Ort aufzustellen und dann samt Sockel wieder abzumontieren und zu verlagern - anders als etwa beim berühmten London Eye in England, dem größten Riesenrad Europas (135 Meter), das zur festen Touristenattraktion geworden ist. "Für ein normales Volksfest ist unser Produkt aber eindeutig zu komplex und zu teuer", sagt Nijpels.