Weinbar Loreley Bar mit Bestlagen

Heimelige Wohnzimmer-Atmosphäre, ganz ohne überflüssigen Schnickschnack: Blick in die Weinbar Loreley in der Marienstraße 18.

(Foto: Stephan Rumpf)

600 Flaschenweine von 20 bis 3000 Euro, dazu 40 offene Weine, das "Achterl" ab vier Euro: Die Weinbar Loreley hat eine beachtliche Auswahl, da fährt man im Zweifelsfall besser mit dem Taxi nach Hause.

Von Astrid Becker

Bei ihr hätte man glatt eine Wette abschließen können. Die Dame in Schwarz sieht aus, als käme sie gerade von einer wichtigen Vernissage. Sie ist zwischen 40 und 50, ihr Begleiter schätzungsweise fünf Jahre älter. Sie bestaunt das Weinregal der neuen Bar Loreley in der Marienstraße, aufmerksam lässt sie den Blick über die nach Preisen sortierten Flaschen schweifen. Diese Frau sucht weder nach Weiß- noch nach Rotwein. Sie will Champagner - und nichts anderes.

Ihr Mann hingegen besteht auf einem Mineralwasser, er müsse ja noch Auto fahren, sagt er, und zuckt bedauernd mit den Schultern. Als ihm jedoch die Betreiber der Bar, Gregor Sturm und Oliver Knick, erzählen, dass sie die offenen Weine als "Achterl" ausschenken, schwenkt er doch um. Dann hätte er lieber einen Riesling, sagt er. Was mache schon ein kleines Achterl? Nix. Vom Mittelrhein oder von der Mosel - der Mann hat an diesem Tag zwischen zwei Anbaugebieten der wohl berühmtesten deutschen Rebsorte die Wahl. Er entscheidet sich für die Mosel, sechs Euro das Glas.

Mittelkategorie ist das hier, denn die offenen Weine gibt es nur in drei Preisklassen: für vier, sechs und neun Euro. Gut, das ist nicht geschenkt, aber dafür ist die Auswahl mit rund 40 Flaschen für den glasweisen Ausschank für Münchner Verhältnisse ungewöhnlich groß - und damit ist keineswegs nur die Quantität gemeint, sondern auch die Qualität.

Nur wirklich trinkbare Tropfen stehen hier, meist aus Frankreich, Deutschland und Österreich. Ein paar Spanier finden sich auch - aus dem Priorat zum Beispiel, einer Region in Katalonien, die für ihre sehr alkoholreichen und vorzüglichen Rotweine berühmt ist. Die Neue Welt mit ihren nach Sägespänen schmeckenden Holztönen findet man hier nicht - wobei Gregor Sturm auf eine entsprechende Anfrage hin das gar nicht kategorisch ausschließt. Schließlich gebe es dort ja auch andere, hervorragende Weine, sagt der 40-jährige, und betont damit, was für ihn zählt: Der Wein muss gut sein - und vor allem erstmal ihm selbst schmecken.

Weil man gerade so nett am Plaudern ist, erzählt er dann auch von seinem Schulfreund Stephan Geisel, dem jüngsten der drei Geisel-Brüder, denen unter anderem der Königshof gehört. Der Stephan sei nämlich schuld an allem. Mit ihm habe er - in der achten Klasse! - den ersten Wein getrunken und wegen ihm mit 17 Jahren bereits sein erstes Geld als Weinhändler verdient. "Mein Vater hat gesagt, du kennst doch diesen Hotelierssohn, kannst du von dem nicht mal einen Wein besorgen?"

Heute führt den Weinhandel der Vater weiter, der im wirklichen Leben eigentlich Architekt ist. Der Sohn, Gregor, ist ebenfalls Architekt, aber auch Bühnenbildner und deshalb hat er das Interieur der Bar auch selbst entworfen. Es wirkt ein wenig klassisch-zeitlos mit dem vielen hellen Holz, aber keineswegs rustikal, sondern eher retro-schick. Heimelige Wohnzimmer-Atmosphäre, ganz ohne überflüssigen Schnickschnack. Noch mangelt es an Stühlen und Barhockern, aber die werden eben erst in Bulgarien gefertigt.

Die Weinkarte, oder besser gesagt das Weinbuch, in dem rund 600 Flaschenweine der Bar von rund 20 bis 3000 Euro vorgestellt werden sollen, ist ebenfalls noch nicht vorhanden. Ebenso wenig wie der illuminierte Schriftzug Loreley, der über dem Tresen hängen soll. Aber was soll's, die Bar ist schließlich ganz neu - und der Wein schmeckt. Sogar so gut, dass der Rieslingtrinker schließlich aufs Taxi umsteigt. Er ist mit Sicherheit nicht der einzige an diesem Abend.