Weihnachts-Macher Fischschuppen als Glücksbringer

Karpfenzüchterin Simone Wiesinger.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Es ist Karpfen-Saison bei Simone Wiesinger in Lochhausen

Von Ellen Draxel

Die Fische von der Ertl-Zucht sind so frisch, die zappeln noch, wenn man sie in den Kofferraum legt. Einen Weihnachtskarpfen aus Lochhausen sollte man deshalb tunlichst mindestens fünf Stunden liegen lassen, bevor man ihn zubereitet. Sonst kann es passieren, dass er aus der Pfanne hüpft. Chefin Simone Wiesinger (Foto: A. Schellnegger) erzählt bei dieser Gelegenheit gerne die Anekdote von einem Kunden, der einen bei ihr gekauften Fisch trotz Warnung sofort in die Röhre schob. "Im Backofen zappelte der Fisch dann so herum, dass die Ofentür aufging und er auf dem Boden landete." Das Festessen war beendet, bevor es begann.

Von Oktober bis März gibt es bei Familie Ertl/Wiesinger neben dem ganzjährigen Angebot an Forellen unter anderem Saibling, Lachs, Stör und Karpfen. Die Tiere schwimmen in großen Bassins und werden erst auf Kundenanfrage aus dem Wasser gekeschert. An die 1800 Karpfen verkauft der Hof in der Wintersaison, die meisten zu Weihnachten. "Zu uns kommen sehr viele Polen, Schlesier, Tschechen und Asiaten", sagt Wiesinger. In China essen die Menschen traditionell Karausche, eine karpfenähnliche Fischart, die es hier jedoch kaum gibt. In Polen wiederum ist es Brauch, den Karpfen an Weihnachten lebend zu erwerben, um ihn ein paar Tage in der Badewanne schwimmen zu lassen. Damit er seinen Modergeschmack verliert. "Die Kinder weinen dann oft, weil der Fisch irgendwann eben getötet werden muss", weiß die Chefin, selbst zweifache Mutter. Bei den Lochhausener Karpfen ist das Bad nicht nötig, die Karpfen schwimmen dort nicht im Morast, sondern auf Kiesgrund. "Dadurch schmecken sie sofort nussig-frisch". Zwischen einem und zweieinhalb Kilo wiegt so ein Karpfen, lebendig hat er eine grünlich-gelbe Farbe. Soll er als Karpfen blau serviert werden, legt man ihn in Essigsud ein. Karpfen sind außerdem Vegetarier, sie verzehren nur Getreide und Plankton. In Lochhausen bekommen sie Maisbruch. Die Fische von der Ertl-Zucht stammen ursprünglich aus Schwandorf, dort leben sie in seichten, warmen Teichen. Im September fährt ein Lastwagen mit Wassertanks in die Oberpfalz und holt die Karpfen nach München.

Weihnachtskarpfen gelten vielerorts als Glücksbringer. Der Sage nach soll eine Schuppe im Portemonnaie reichen Geldsegen bescheren. Übrig gebliebene Fischgräten rund um die Obstbäume drapiert, bringen einer schlesischen Sitte zufolge eine gute Ernte. Ein Pole hat Simone Wiesinger erzählt, seine Kinder würden alljährlich die Schwimmblase des Karpfens ins Feuer werfen - und wenn sie dann knalle, bringe das Glück. Die schönste Geschichte aber ist jene von einem chinesischen Paar, das seinen Karpfen in Lochhausen kauft und dann im benachbarten Gröbenbach aussetzt. Auf dass es lange leben möge.

Bis Heiligabend stellt die Stadtviertel-Redaktion täglich Menschen vor, die Weihnachtsstimmung verbreiten. In der Mittwochsausgabe lesen Sie: Nikolaus Anian Kindlinger.