Wegen Betrugs vor Gericht Mit Räuberpistolen auf Beutezug

Er gab sich als Kampfjet-Pilot, Agent des Mossad oder Manager eines Immobilienkonzerns aus: Ilhab M. hat jahrelang Frauen mit frei erfundenen Identitäten bezirzt - und dabei insgesamt 375.000 Euro ergaunert. Nun steht er vor Gericht.

Von Christian Rost

Ihab M. ist nicht gerade das, was man sich unter einem Adonis vorstellt. Doch sein Charme muss überwältigend sein. Das legt zumindest die Bilanz seines Erfolges bei Frauen nahe. Über fünf Jahre hinweg soll sich der in Jerusalem geborene Libanese das Vertrauen von Frauen erschlichen und sie finanziell ausgenommen haben.

Acht Opfer des 33-Jährigen zählt die Anklage der Münchner Staatsanwaltschaft auf, die ihm schweren Betrug in 59 Fällen vorwirft. Seit Mittwoch muss sich Ihab M. nun vor der achten Strafkammer am Landgericht München I verantworten. Und auch hier versucht der schwarzhaarige Mann mit dem olivfarbenen Teint zu punkten: mit einem Geständnis.

Von 2006 bis 2011 soll sich der einschlägig vorbestrafte M. als eine Art Heiratsschwindler insgesamt 375 000 Euro ergaunert haben. Laut Anklage suchte er sich seine Opfer im Alter von 30 bis 40 Jahren entweder über Internetportale wie "Kwick" oder "Couchsurfing". Oder er sprach sie direkt auf der Straße an wie im Fall von Karin T. (Name geändert), die er Anfang September 2011 am Marienplatz in München in ein Gespräch verwickelte.

Mit einer frei erfundenen Vita machte sich M. interessant. So gab er an, als Asset Manager bei einer Immobilienfirma mit Niederlassungen in Luxemburg, Mailand und Berlin zu arbeiten. Und nebenher fliege er Kampfjets und bilde Piloten aus. Vier Wochen nach dem ersten Treffen kam M. auf das Thema Geld zu sprechen und überzeugte Karin T., mit ihm in ein vielversprechendes Immobilienprojekt in Berlin zu investieren.

Die Frau händigte dem Angeklagten schließlich 230 000 Euro in bar aus - die 500-Euro-Scheine waren in zwei Umschlägen der Hausbank der Münchnerin verpackt. Von einem Teil des Geldes kaufte sich M. sofort einen Audi A5 für 54 000 Euro, ein iPad und ein Nokia-Handy. Den Rest des Geldes deponierte er bei einer Bekannten in Augsburg. In deren Wohnung unter der Matratze im Schlafzimmer stellte die Polizei die Scheine im November nach einer Anzeige der Münchnerin sicher und nahm M. fest.

Wie die Ermittlungen ergaben, hatte der Mann in den Jahren zuvor noch andere Frauen betrogen. Die Mitarbeiterin einer Botschaft in Berlin brachte er laut Anklage um 86 000 Euro. Ihr gaukelte er ebenfalls vor, Manager eines Immobilienkonzerns zu sein, tatsächlich jobbte er damals in der Firma lediglich nebenher als Kraftfahrer. Keine Geschichte erschien M. zu unglaubwürdig, um Frauen damit einzulullen zu können.

Er erfand spektakuläre Unfälle und bat um Unterstützung bei der Begleichung der Krankenhausrechnungen. Oder er gab sich als Agent des Mossad in schwieriger Mission aus, der Geld brauche, um seinen Bruder zu retten. In Stuttgart bezirzte er zwei ältere Damen und nahm ihnen nach und nach Zehntausende Euro ab. Seine Opfer brachte er nicht nur in einem Fall an den Rand des Ruins. Zwei Frauen schwängerte der Betrüger sogar, ehe er mit ihrem Geld verschwand.

Tatsächlich hatte der Mann einen schlecht gehenden Kunstgewerbeladen in Berlin. Die Taten räumte er vor Gericht ein, im Fall der beiden Schwäbinnen allerdings bestritt er den Betrug. Sie bestanden angeblich auf einem Kreditvertrag, ehe sie ihm das Geld aushändigten. Der Prozess wird fortgesetzt.