Wasserqualität Auf den Seen schwimmt ein Fettfilm

Bakterien, Algenblüte, Fettfilme von Sonnencremes: Die Münchner Badeseen müssen derzeit einiges aushalten. Warnungen sprechen die Behörden für die Isar aus.

Von Von Martin Thurau

Mehrmals schon hatten Analysen von Wasserproben aus dem Lerchenauer See in diesem Sommer die Hygienefachleute vom städtischen Gesundheitsreferat alarmiert. Die bakteriologische Belastung war zu hoch; die Grenzwerte, die die Bayerische Badewasserverordnung vorgibt, waren überschritten.

Die letzten Kontrollen in der vergangenen Woche hätten gezeigt, dass sich die laut Gesundheitsreferat "zeitweise deutlich schlechte Wasserqualität" wieder verbessert habe. Man müsse deshalb nicht mehr dringend vom Baden abraten. Dennoch könne die Keimbelastung "kurzfristig" wieder zunehmen. Alle zwei Wochen lassen die Münchner Behörden die Qualität von fünf Badegewässern untersuchen, bei zweien derzeit sogar wöchentlich.

Gemessen wird die Keimzahl von zwei Gruppen so genannter koliformer Bakterien. Sie zeigen die Belastung der Gewässer vor allem mit Fäkalien an. Den Daten von Ende Juli zufolge ist die Keimzahl im Feldmochinger See, im Langwieder See, im Luss-See und an der Regatta-Anlage so niedrig, dass sie als "bakteriologisch einwandfrei" gelten. Leicht erhöht sind einige der Werte beim Fasanerie-See und dem Regatta-See. Dort sind bei Proben die so genannten Leitwerte überschritten, die jedoch um das Zwanzigfache unter dem Grenzwert liegen.

Auch beim Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit in Oberschleißheim, das für die Untersuchung der Gewässergüte zuständig ist, herrscht nicht unbedingt Alarmstimmung. Messungen in der vergangenen Woche hätten ergeben, dass es aktuell "keine verstärkte Überschreitung" der einschlägigen Normwerte gebe, sagt Christiane Höller, die in Oberschleißheim das "Sachgebiet Hygiene" leitet.

Dass dies trotz des Ansturms und der Hitze so ist, erklärt sie mit der stärkeren Einstrahlung von ultraviolettem Licht, die das Wachstum der Bakterien eindämme. Außerdem sei in den vergangenen Wochen kein Regen gefallen, Einschwemmungen, die tierische Fäkalien enthalten können, etwa von landwirtschaftlichen Flächen, habe es deswegen nicht gegeben.

Ein paar Seen im Umland aber haben derzeit Probleme mit einer Blaualgenblüte. Für den Deixlfurter Weiher hatte das Starnberger Landratsamt vor gut einer Woche ein Badeverbot verhängt. Auch im Klostersee bei Ebersberg vermehren sich die Mikroorganismen stark, die allergische Reaktionen hervorrufen können. Ein Badeverbot haben die Behörden noch nicht ausgesprochen.

Das städtische Umweltreferat ermahnt die Badegäste indes, mit ihrem Verhalten selbst die Wassergüte erhalten zu helfen: Sie sollten Hunde auf den Liegewiesen nicht frei laufen lassen und Wasservögel nicht füttern. Auch empfehlen die Experten, sich mit wasserfester Sonnenmilch einzucremen. Dennoch sieht Christiane Höller einen Fettfilm, der mitunter auf der Wasseroberfläche der Seen treibt, eher als ästhetisches denn als hygienisches Problem. Die Stoffe könnten nicht das Wachstum von Fäkalbakterien anheizen.

Vor einem Bad in der Isar warnen die Hygieniker weiterhin. Auch wenn das Isarwasser vom Jahr 2005 an vor allem durch das Umrüsten von Klärwerken am Oberlauf des Flusse den Kriterien der Badewasser-Verordnung genügen soll: Noch ist die Isar offiziell kein Badegewässer, auch wenn Tausende im Sommer Fakten schaffen. Das, so betont Hubert Maiwald von der "Stadthygiene" des Gesundheitsreferates, gelte auch für die Nebenarme der Isar wie den Eisbach.