Altersauswahl aus dem Melderegister: Wie die Parteien an die Adressen für ihre Wahlwerbung kommen - und warum diese Praxis völlig legal ist.
Die Angst der CSU-Spitze, bei der Landtagswahl am Sonntag das angestrebte Ergebnis von "50 plus x" zu verfehlen, wird der Stadt Einnahmen von etwa 16.100 Euro bescheren. So viel dürfte die CSU-Landesleitung der Stadt für die Adressen jener Wahlberechtigten überweisen müssen, die älter als 65 Jahre sind und die dieser Tage einen Brief mit persönlicher Ansprache von Ministerpräsident Günther Beckstein erhielten. Wenn die CSU alle Adressen genutzt hat, ist es ihr gelungen, ein Viertel der Wahlberechtigten anzuschreiben - 214.837 von 885.617 Münchnerinnen und Münchnern.
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Die Stadt kassiert, weil sie für jede Adresse aus dem Melderegister, gestützt auf das Bayerische Gesetz über das Meldewesen, eine Gebühr von 7,5 Cent verlangt. Dieses Gesetz erlaubt es Parteien und Wählergruppen jeweils in einer Sechs-Monats-Frist vor Wahlen und Abstimmungen solche nach Altersklassen sortierte Adressenlisten anzufordern. Die Stadt achtet jedoch darauf, dass es bei wenigen Anfragen bleibt, denn sonst würden im Laufe der Zeit alle Münchner in den Adresskarteien von Parteien landen, von den Erstwählern bis zu den Rentnern.
"Gemeinsam haben wir Bayern zu einem großartigen Land gemacht", musste sich zum Beispiel auch die 87 Jahre alte Lieselotte K. per Brief von Beckstein vereinnahmen lassen, die sich darüber hinaus sehr wunderte, dass der CSU-Brief auch ihre weiteren vier Vornamen auflistete. Sie beschwerte sich bei der CSU-Landesleitung, deren Telefonnummer im Briefkopf genannt ist, wo man ihr allerdings versicherte, dass es völlig legal sei, die Adressen bei Städten und Gemeinden zu kaufen. Beim SPD-Landtagsabgeordneten Hans-Ulrich Pfaffmann meldeten sich gleich mehrere SPD-Mitglieder und argwöhnten, dass diese Art der CSU-Wahlwerbung nur durch einen Verstoß gegen das Datenschutzgesetz möglich wurde.
Kostenfreie Übermittlungssperre
Derzeit allerdings ist diese Praxis völlig legal. Solche Gruppenauskünfte gibt es nur bei öffentlichem Interesse, etwa im Dienst der Gesundheit. Die Stadt würde also einer Universität für eine Brustkrebs-Studie die Adressen aller Frauen eines bestimmten Alters zur Verfügung stellen, nicht aber einer Firma, die zum Beispiel ein Medikament anpreisen will.
Es ist allerdings möglich, die Wahlwerbung durch eine Übermittlungssperre abzustellen. Das Recht auf kostenfreie Übermittlungssperren gilt auch für Auskünfte an die öffentlich-rechtlichen Religionsgesellschaften, wobei sich das Widerspruchsrecht allerdings nicht auf jene Angaben erstreckt, die zum Beispiel die Kirche benötigt und von Gesetzes wegen erhält, um die Kirchensteuer geltend zu machen.
Die Formulare für das das Einrichten einer Übermittlungssperre gibt es im Internet-Auftritt des Kreisverwaltungsreferats (www.muenchen.de) unter der Rubrik "Wohnsitzänderung" oder im KVR-Bürgerbüro. So lässt sich auch sicherstellen, dass Parteien, Stadträte oder Abgeordnete keine Auskunft erhalten, wer ein Alters- oder Ehejubiläum feiert. Auch die Eintragung in Adressbuchverlage lässt sich so verhindern.
Gegen die Millionen von Beckstein-Postkarten, die - ohne persönliches Anschreiben - von der CSU bis zum Sonntag noch verschickt werden, hilft vermutlich ein einfacher "Werbung - Nein danke"-Aufkleber.
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(SZ vom 25.09.2008/af)
Frauen in Saudi-Arabien
Die neueste Antwort
"Nach dem letzten Umzug hat es keine vier Wochen nach der Meldung gedauert, bis wieder persönlich adressierte Post der üblichen Verdächtigen..."
Es ist doch bekannt, das einige Kommunen die Daten verkaufen um ihre Finanzen aufzubessern ...
Ich nutze nur noch das Handy und Anrufe mit unterdrückter Rufnummer werden gar nicht angenommen. Damit fallen Callcenter (und auch Meinungsumfragen von Forsa etc). bei mir schon einmal raus. Und wer glaubt seine Rufnummer unterdrücken zu müssen, der hat eben Pech ;-)
Berechtigte Kritik, die jedoch nicht nur die CSU trifft sondern ebenso jede andere Partei. Die sind alle nicht besser wenn es darum geht Wählerstimmen zu bekommen.
Was wollen Sie mir mit diesem Zitat sagen?
Die Wahlunterstützung von Herrn Ude ist nicht der erste Fall, dass er massiv in den Wahlkampf als Oberbürgermeister eingreift.
Auch bei der Benachrichtigung für den Bürgerentscheid zum Transrapid hat Herr Ude im Anschreiben einen Brief beigelegt, in dem er für die Meinung des Münchner Stadtrates wirbt.
Aber wie so oft, wurde auch hier in der Süddeutschen das Thema totgeschwiegen, da man dem Ex-Angestellten der SZ ja nichts bösen anhaben will.
Sich mit solcher Art von (manipulierten) Spielchen einer gewonnenen Wahl zu erfreuen spricht absolut für sich!
Die CSU scheint es bitter nötig zu haben!?
den Brief von Ude hatte ich auch im Briefkasten. Allerdings war der nicht persönlich adressiert, sondern an alle Münchnerinnen und Münchner. Postwurfsendung oder so.
Es wurde also "nur" Geld für die Zustellung ausgegeben, nicht für Adressen.
Nochwas zu den Werbesendungen (Lotterie etc.):
meistens ist da ein Antwortumschlag dabei. Ich reisse da immer den gesamten Inhalt der Sendung in kleine Stücke und packe das alles in den Rückumschlag. Und dann unfrankiert ab in den nächsten Briefkasten.
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