Von Berthold Neff

Für die Kandidaten Peter Gauweiler (CSU) und Christian Vorländer (SPD) zählt jede Erststimme. Auf den Listen sind sie nicht abgesichert.

Das ist also der Mann, der das Zeug zu allem hat, Ministerpräsident oder mehr. Zweitausend Menschen hat er vor ein paar Wochen im Löwenbräukeller zu Ovationen bewegt, nun fasziniert er die Leute dort unten im noblen Festsaal des Hotels Bayerischer Hof, die im Schnitt fast doppelt so alt sind wie er. Dieser Redner ist, so versichert Peter Gauweiler dem Publikum, "der beste Mann der CSU in Berlin". Karl-Theodor zu Guttenberg, 37 Jahre alt, widerspricht nicht und lobt seinerseits die "unerschütterliche Jugendlichkeit" seines Gastgebers.

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Christian Vorländer (SPD) im Straßenwahlkampf. (© Foto: Hess)

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Als Peter Gauweiler 37 Jahre alt war, hatte er genau genommen schon mehr geleistet als Guttenberg, der nach drei Monaten als CSU-Generalsekretär nun seit sieben Monaten Wirtschaftsminister ist. Gauweiler war, nachdem er mit 32 Jahren Kreisverwaltungsreferent geworden war, mit dem eisernen Besen durch die Stadt geeilt.

Der "schwarze Peter" katapultierte den Wirte-Napoleon Richard Süßmeier von der Wiesn und wurde, noch vor Ende seiner Amtszeit als Ordnungsreferent, von Franz Josef Strauß ins bayerische Kabinett geholt, als Staatssekretär im Innenministerium, zuständig für die Polizei. Als Strauß zwei Jahre später starb, verabschiedete sich Gauweiler als Einziger mit einem militärischen Salut an dessen Sarg - und mit der Karriere war es vorerst vorbei.

Gauweiler wurde später Umweltminister und wäre 1993 um ein Haar noch Münchner Oberbürgermeister geworden. Christian Ude gewann knapp, auch weil Gauweiler zunehmend mit Affären belastet war - unter anderem hatte er die Mandanten seiner Kanzlei während seiner Zeit im Kabinett für 10000 Mark im Monat verpachtet. Die Munition gegen Gauweiler kam damals aus den eigenen Reihen, und schließlich blieb Gauweiler nichts anderes übrig, als 1994 vom Ministeramt zurückzutreten.

Und so steht Peter Gauweiler jetzt am Fellererplatz in Solln und verteilt seine Prospekte, damit ihn die Menschen im Münchner Süden, die ihm 2005 mit 44 Prozent das beste Erststimmen-Ergebnis in ganz München bescherten, wieder in den Bundestag wählen. Die meisten Leute, die er beim Einkauf auf dem Wochenmarkt anspricht, kennen ihn, und sehr viele sagen, dass sie ihn wählen werden.

Ein Heimspiel für die CSU ist der Süden zwar nicht, zu dem proletarisch geprägte Stadtviertel wie Unter- und Obergiesing oder Sendling gehören. Gauweiler gelang es dennoch 2002 auf Anhieb, mit 44,4 Prozent der Stimmen zu siegen und dem SPD-Mann Christoph Moosbauer das Direktmandat zu nehmen, der es der CSU 1998 sensationell abgeknöpft hatte.

"Ich lasse mir die Hoffnung und den guten Mut nicht nehmen" Seit Moosbauers Sieg von 1998 ist die SPD hier stetig abgesackt. Moosbauer, der als SPD-Hoffnungsträger galt, aber nun in der Versenkung verschwunden ist, kam bei seiner Niederlage gegen Gauweiler noch auf 41,4 Prozent. Die SPD-Stadträtin Brigitte Meier, die demnächst zur Sozialreferentin gewählt werden soll, erreichte 2005 noch 37 Prozent. Ohne eine deutliche Steigerung wird es für den SPD-Kandidaten Christian Vorländer also nicht reichen.

Der 35 Jahre alte Anwalt mit dem modisch rasierten Glatzkopf, der nicht nur in Gerichtssälen als Strafverteidiger auftritt, sondern auch in der SAT-1-Serie "Richter Alexander Hold", gibt sich dennoch kämpferisch. "Ich lasse mir die Hoffnung und den guten Mut nicht nehmen", sagt er und fügt trotzig hinzu: "Es kann nur einen geben."

Gelänge es ihm, sich das Direktmandat zu sichern, hätte Gauweiler das Nachsehen, denn er ist auf der CSU-Liste ebenso wenig abgesichert wie Vorländer auf jener der SPD. Und so verteilt der SPD-Kandidat seinen Flyer samt roten Kugelschreibern an die Menschen, die am Samstagmorgen auf dem Wochenmarkt an der Brudermühlstraße einkaufen.

Auch er wird gelegentlich erkannt ("Sie kenn' ich doch aus dem Fernsehen!") und hat im Gespräch mit den Bürgern etwas durchaus Gewinnendes. Der Pastorensohn hört aufmerksam zu, geht auf die Argumente ein und erklärt seine seine Position: warum die SPD den Mindestlohn will, warum der Spitzensteuersatz erhöht werden soll, warum es beim Atomausstieg bleiben muss.

Eine junge Familie, die gleich um die Ecke wohnt, wartet lange am SPD-Stand, bis der Kandidat Zeit für sie hat, und will dann genau wissen, wie es die Roten mit den Kindergartenplätzen halten, ob sie die Atomkraftwerke abschalten werden und warum es keine Abwrackprämie für Kühlschränke gibt. Weil Vorländer das Kindergartenprogramm für den Süden nicht im Detail kennt, verspricht er den jungen Eltern, die Zahlen per E-Mail zuzuschicken.

Mit solchen Details hält sich ein Peter Gauweiler ungern auf. Die Frage, ob er den Ausbau der Schießanlage Forstenrieder Park unterstütze, die - so ein Bürger auf dem Wochenmarkt - "für den Süden die Hölle bedeutet", beantwortet er ausweichend dahingehend, er schließe sich der Position der örtlichen CSU an. Etwas knifflig wird es auch dann, als eine Frau sagt, sie habe bei der Europawahl nicht mehr CSU, sondern FDP gewählt, weil es sie maßlos geärgert habe, wie Ministerpräsident Horst Seehofer glaubte, der Familie Strauß etwas schuldig zu sein und unbedingt die Strauß-Tochter Monika Hohlmeier als Kandidatin durchboxte.

Peter Gauweiler, der stets in Treue zur Strauß-Familie gehalten hat, versucht zu beschwichtigen. Dass er Curt Niklas beauftragt hat, seinen Wahlkampf zu organisieren, sagt er lieber nicht. Der umstrittene Ex-CSU-Stadtrat soll mitgemischt haben in der Perlacher Affäre um Stimmenkauf und Wahlmanipulation, die letzten Endes zu Hohlmeiers Rücktritt als Kultusministerin führte.

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