Wahlkampf in München Bier statt Mineralwasser

Werben für Europa: Hans-Dietrich Genscher (FDP) und Renate Künast (Grüne) machen Wahlkampf in München.

Von J. Bielicki u. B. Neff

Manchmal können Münchens Liberale ihre Wahlerfolge des vergangenen Jahres immer noch nicht fassen: "Wir sind in Bayern, und wir sind bei der FDP", ruft ihr Stadtvorsitzender Rainer Stinner am Donnerstagabend in den Saal des Hofbräukellers. Nahezu 400 Anhänger drängen sich dort, darunter FDP-Staatsminister und Landtagsabgeordnete. "Da sieht man, dass das Bayerische eben liberal sein kann", sagt Hans-Dietrich Genscher, "man muss es nur entdecken."

Dennoch gibt sich der 82-jährige FDP-Ehrenvorsitzende und langjährige Ex-Außenminister erst einmal "enttäuscht: Ich rede in München und ich bekomme ein Glas Mineralwasser gereicht." Er bekommt ein Bier, und setzt dann seine launige Wahlkampfrede über das "Wunder Europas" fort.

Harte Kritik übt Genscher an der "verfehlten Politik" des ehemaligen US-Präsidenten George W. Bush: "Neokonservative Vorstellungen amerikanischer Prägung", dazu "Zügellosigkeit", wie "wir sie aber auch in deutschen Führungsetagen erleben" hätten zu den "Entwicklungen geführt, wie wir sie heute ertragen müssen", erklärt der Liberale.

Er fordert Regeln für die internationalen Märkte, aber "mitspielen darf der Staat nicht". Besonders wendet sich Genscher gegen "falsche Überlegenheitsgefühle gegenüber anders Aussehenden, anders Sprechenden, anders Glaubenden: Bekämpfen wir die Diktatur der Vorurteile!"

Die Grünen trafen sich zum Abschluss ihres Europawahlkampfs im eher bescheidenen Rahmen. Nur etwa 120 Zuhörer wollten in der Freiheizhalle an der Donnersberger Brücke den Auftritt von Renate Künast erleben, der Grünen-Fraktionschefin im Bundestag.

Sie attackierte in ihrer Rede vor allem Bundeskanzlerin Angela Merkel. Diese habe mit dem Konjunkturpaketen die falschen Akzente gesetzt. Es wäre besser gewesen, statt die Abwrackprämie einzuführen, 6000 neue Lehrer einzustellen. Künast nannte die Europawahl ein wichtiges Signal für die Bundestagswahl im Herbst. Es gelte, die "schwarz-gelbe Gefahr" zu verhindern.