Münchner Wähler nützen ihr Potential nicht aus - offenbar ist ihnen das Wahlsystem einfach zu kompliziert.
Entweder sind die Münchner sehr großzügig, oder die Erklärungen, wie das komplizierte Wahlsystem funktioniert, waren nicht gut genug. Jedenfalls haben die Wähler beim Ausfüllen der handtuchgroßen Stimmzettel für die Stadtratswahl jede Menge Stimmen verschenkt.
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Zwar hatte jeder Wähler 80 Stimmen - doch im Schnitt gab er nur 72 davon ab. Das heißt: Jede zehnte Stimme, die die tatsächlich zur Wahl gekommenen Münchner auf die Stadtratskandidaten hätten verteilen dürfen, haben sie ungenutzt verfallen lassen.
Das geht aus den vorläufigen Zahlen des Wahlamtes hervor. Danach haben in den 872 zum Mittwochnachmittag ausgezählten Stimmkreisen 456633 Münchner gültige Stimmzettel für die Stadtratswahl abgegeben. Zusammen hätten sie also rund 36,5 Millionen Stimmen auf die Kandidaten setzen dürfen. Tatsächlich kamen aber nur rund 32,8 Millionen Stimmen zusammen - statt 80 also nur 72 Stimmen pro Wähler.
Stimmen verschenkt haben ausgerechnet jene Wähler, die die Feinheiten des Kommunalwahlen ausnutzen wollten und ihre Stimmen auf einzelne Kandidaten gehäufelt haben. Denn wer sein Kreuzchen oben neben der Liste machte, was nach Auskunft des Kreisverwaltungsreferats drei Viertel der Wähler taten, war auf der sicheren Seite: Egal, ob er noch in den Kandidatenlisten Einzelstimmen vergab oder nicht - insgesamt hatte er damit sichergestellt, seine 80 Stimmen abgegeben zu haben.
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Die neueste Antwort
das ist immer noch besser als die Listen anzukreuzen, wenn man kein Vertrauen dazu hat.
Viele wählen nur diejenigen, die sie kennen (und das querbeet). Viele misstrauen der Partei, der sie ursprünglich ihr Kreuz gegeben haben. Ich habe zwar eine Liste angekreuzt, aber mindestens 30 Stimmen auf andere Parteien verteilt.
Als Schriftführer eines Wahlvorstandes (nicht in München) habe ich auch etliche Stimmzettel für die Stadtratswahl gesehen, wo viele Stimmen verschenkt wurden. Meistens wurde vor dem Namen eines Oberbürgermeisterkandidaten ein Kreuz gemacht, weiter nichts (d. h. 1 Stimme vergeben - 49 verschenkt). Ich glaube, dass die Leute den großen Zettel mit der Landtagswahl verwechseln, wo man ja nur ein Kreuz macht. Die Parteien sollten noch mehr auf die Bedeutung des Listenkreuzes hinweisen, außerdem wissen viele nicht dass man ein Listenkreuz auch vergeben darf wenn man einzelne Kandidaten häufelt (viele Fragen im Wahllokal)...
Vielleicht können viele nicht, oder nicht mehr bis 80 zählen(zu anstrengend) ?
Viele lesen auch nicht das Kleingedruckte in Verträgen.
Wer viel mit Menschen zu tun hat weiß daß viele nur das tun was man Ihnen sagt,
u. wenn man mal selbst rechnen soll wirds schwierig.
man muss nur ein Kreuz machen, und das machen dann 3.400 Münchner und Münchnerinnen falsch.
Das können doch nur absichtlich falsche Stimmen sein, die z.B. den Wahlzettel durchstreichen, weil ihnen kein Kandidat passt.
Sie haben recht, ich habe in meinem ersten Kommentar fälschlicherweise dem Panaschieren zu wenig Raum eingeräumt. Tatsächlich hatte ich mich letzten Sonntag auf die Suche nach 26,66 Gerechten begeben (und nicht genügend gefunden).* In dem Bestreben den Beitrag möglichst allgemein zu halten, weg von meiner Erfahrung, ist mir dann der von ihnen zu Recht kritisierte Fehler unterlaufen.
Trotzdem, das Problem im Ursprungsartikel bleibt. Neben der Suche nach persönlich für unterstützenswert befundenen Personen (gerade bei einer Kommunalwahl!), der Absicherung gegen eigenes Verzählen im Eifer des Gefechts und der schlichten Weigerung, eine vorgefertigte Liste zu übernehmen gibt es genügend Gründe, Stimmen übrig zu lassen, ohne dass man sich deswegen für dumm halten lassen muss. Dass den Parteien ein Listenkreuz lieber ist, und dass evtl. entstehende Effizienzverluste hochgespielt werden ist nachvollziehbar, aber nicht zwingend.
** Die Rangordnung unter den Parteien auf einem solchen Zettel bleibt erhalten, man vergibt lediglich bspw. statt 80 nur 72 Stimmen. Aus meiner Sicht ein akzeptabler Preis dafür, bei jeder einzelnen Stimme angeben zu können, warum sie vergeben wurde.
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