Von Jan Bielicki

Münchner Wähler nützen ihr Potential nicht aus - offenbar ist ihnen das Wahlsystem einfach zu kompliziert.

Entweder sind die Münchner sehr großzügig, oder die Erklärungen, wie das komplizierte Wahlsystem funktioniert, waren nicht gut genug. Jedenfalls haben die Wähler beim Ausfüllen der handtuchgroßen Stimmzettel für die Stadtratswahl jede Menge Stimmen verschenkt.

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Zwar hatte jeder Wähler 80 Stimmen - doch im Schnitt gab er nur 72 davon ab. Das heißt: Jede zehnte Stimme, die die tatsächlich zur Wahl gekommenen Münchner auf die Stadtratskandidaten hätten verteilen dürfen, haben sie ungenutzt verfallen lassen.

Das geht aus den vorläufigen Zahlen des Wahlamtes hervor. Danach haben in den 872 zum Mittwochnachmittag ausgezählten Stimmkreisen 456633 Münchner gültige Stimmzettel für die Stadtratswahl abgegeben. Zusammen hätten sie also rund 36,5 Millionen Stimmen auf die Kandidaten setzen dürfen. Tatsächlich kamen aber nur rund 32,8 Millionen Stimmen zusammen - statt 80 also nur 72 Stimmen pro Wähler.

Stimmen verschenkt haben ausgerechnet jene Wähler, die die Feinheiten des Kommunalwahlen ausnutzen wollten und ihre Stimmen auf einzelne Kandidaten gehäufelt haben. Denn wer sein Kreuzchen oben neben der Liste machte, was nach Auskunft des Kreisverwaltungsreferats drei Viertel der Wähler taten, war auf der sicheren Seite: Egal, ob er noch in den Kandidatenlisten Einzelstimmen vergab oder nicht - insgesamt hatte er damit sichergestellt, seine 80 Stimmen abgegeben zu haben.

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