Vorwurf dubioser Lernmethoden Hefte der Lukas-Schule werden geprüft

Der Münchner Lukas-Schule werden von Eltern zweifelhafte Lerninhalte und Methoden vorgeworfen. Nun haben das Kultusministerium und die evangelische Landeskirche mit der Prüfung der Vorwürfe begonnen. Doch die Schulleitung wehrt sich in einem offenen Brief an die Eltern.

Von Tina Baier

Die Lukas Hauptschule in München-Laim.

Das Kultusministerium und die evangelische Landeskirche haben zur Prüfung der Vorwürfe gegen die Münchner Lukas-Schule erste Schritte eingeleitet. Der Schule werden von Eltern zweifelhafte Lerninhalte und Methoden vorgeworfen.

Bereits am Montag waren je zwei Vertreter von Staat und Kirche vor Ort, um sich einen ersten Eindruck zu verschaffen. Eckhard Landsberger, pädagogischer Direktor im Landeskirchenamt, hat sich dabei von den Lehrern auch Unterlagen zur Unterrichtsvorbereitung zeigen lassen und Hefte von Schülern eingesammelt.

"Die Einträge werden jetzt in Ruhe angeschaut", sagt Johannes Minkus, Sprecher des Landeskirchenamts. "Wir wollen uns ein gründliches Bild machen." Das Landeskirchenamt hat auch einen Brief verfasst, der an alle Eltern von Lukas-Schülern verteilt werden soll, mit der Bitte sich zu melden, falls es weitere Vorwürfe geben sollte. Landsberger will von den Eltern auch die Erlaubnis einholen, mit Schülern zu sprechen.

Vertreter der Landeskirche werden außerdem den Unterricht besuchen, um ein Gefühl für das Schulklima zu bekommen. Auch das österreichische Schloss Klaus, das von der Missionsgemeinschaft der Fackelträger betrieben wird, und in das Schüler und Schülerinnen der Lukas-Schule regelmäßig zusammen mit Lehrern ins Schullandheim fahren, werde Teil der Untersuchung sein, sagt Minkus. Die Untersuchung wird sich voraussichtlich bis nach den Herbstferien hinziehen.

Die Lukas-Schule hat derweil einen offenen Brief an Eltern und Medienvertreter versandt, in dem sie alle Vorwürfe erneut weit von sich weist. Die Eltern wurden zu Informationsabenden eingeladen. Eine der Mütter, die von der SZ in anonymer Form zitiert wurde, unterstellt die Schule mangelnde Gesprächsbereitschaft. Der zweite von der SZ geschilderte Fall wird von der Schule angezweifelt, er klinge "merkwürdig". Die darin zitierte Mutter hat nach SZ-Informationen jedoch bereits einen Termin mit Oberkirchenrat Detlev Bierbaum vereinbart.

Teil der kirchlichen Untersuchung wird auch sein, wie viel Prozent der Lehrer und Schüler in der Lukas-Schule nicht der Landeskirche angehören, sondern diversen Freikirchen. Dabei wird auch die Frage eine Rolle spielen, wie die Schule damit umgeht, wenn im Unterricht unterschiedlich religiöse Ansichten von Kindern aus freikirchlichen Familien und solchen, die aus liberaleren Elternhäusern stammen, aufeinanderprallen.

Das Ergebnis dieser Untersuchung ist auch deshalb interessant, weil die Lukas-Schule finanziell vom Staat unterstützt wird. Grund- und Hauptschule bekommen einen Sachkostenzuschuss von 1700 Euro pro Jahr und Schüler sowie für jeden Lehrer einen "Lehrpersonalkostenzuschuss" von 80 Prozent des Gehalts eines staatlichen Lehrers. Die Realschule hat nach Angaben aus dem Kultusministerium vergangenes Jahr einen Zuschuss von 696 000 Euro bekommen, das Gymnasium, das erst im Aufbau ist, hat 15 400 Euro erhalten.