Vorstoß von BR-Chefdirigent Plan B für den Konzertsaal

Überraschende Wende in der Konzertsaal-Debatte: Der Chefdirigent des BR-Symphonieorchesters setzt nicht mehr auf die Museumsinsel als Standort - sondern auf den Finanzgarten.

Von Ulrich Schäfer

Angesichts der Widerstände beim Deutschen Museum hat sich der Chefdirigent des BR-Symphonieorchesters, Mariss Jansons, dafür ausgesprochen, den neuen Konzertsaal im Finanzgarten zu bauen - und damit nicht auf der Museumsinsel.

Chopin ist bereits da, aber nur als Bronzestatue: Steht im Finanzgarten irgendwann ein Konzertsaal?

(Foto: Catherina Hess)

Für ihn sei der Finanzgarten derzeit die "Nummer eins", sagte Jansons am Sonntag bei einer Podiumsdiskussion der FDP München mit Kunstminister Wolfgang Heubisch (FDP). Er habe den "Traum", dort einen Saal zu schaffen, "der allen Bayern gehört": einen Ort, an dem alle Orchester aus Bayern spielen können und Schüler und Jugendliche an die Musik herangeführt werden; wo es ein Musikmuseum gebe und mittags Lunch-Konzerte ohne Eintritt stattfinden. Jansons warb bei Heubisch dafür, auch für den Finanzgarten "vielleicht eine Machbarkeitsstudie zu machen".

Auch zahlreiche Zuhörer der zweistündigen Podiumsdiskussion sprachen sich dafür aus. Sie äußerten die Befürchtung, dass die Staatsregierung mit leeren Händen dastehe, wenn nach dem klaren Nein des Deutschen Museums auch die Machbarkeitsstudie zur Museumsinsel zu dem Ergebnis kommen sollte, dass sich Museum und Konzertsaal nicht verbinden lassen.

Heubisch erklärte daraufhin, er werde den Finanzgarten noch mal genauer prüfen lassen. Ob er dazu auch eine Machbarkeitsstudie in Auftrag geben wird, ließ er offen. Er sei aber "auf keinen Standort fixiert".

Damit erlebt die Debatte um den Bau eines neuen Konzertsaals eine neuerliche, überraschende Wende. Bislang hatte Heubisch allein auf die Museumsinsel gesetzt. Auch die von ihm eingesetzte Arbeitsgruppe mit Mitgliedern von Freistaat, Stadt, Bayerischem Rundfunk und Denkmalschutz hatte den Kongresssaal als besten Standort definiert und empfohlen, hierfür eine Machbarkeitsstudie in Auftrag zu geben.

Vor einigen Wochen hatte sich aber nach dem Chef des Deutschen Museums, Wolfgang Heckl, auch die große Mehrheit seines Kuratoriums gegen einen Konzertsaal auf der Museumsinsel ausgesprochen. Dem Gremium gehören zahlreiche einflussreiche Münchner an, etwa Wolfgang Porsche oder Camilo Dornier. Allerdings ist die Meinung unter den Museumsfreunden nicht einheitlich: So gelten der Verleger Hubert Burda und der ehemalige bayerische Finanzminister Kurt Faltlhauser als treibende Kräfte, die Saal und Museum verbinden wollen.

Faltlhauser hat aber inzwischen keine große Hoffnung mehr, dass sich die Mehrheit der Museumsfreunde umstimmen lässt. "Hier steht eine massive Phalanx, und die ist schwer zu überwinden", sagte der CSU-Politiker auf der FDP-Veranstaltung mit Heubisch und Jansons. In Richtung des Kunstministers sagte Faltlhauser: "Deshalb müssen Sie einen Plan B haben, und dieser Plan B kann nur der Finanzgarten sein."

Anders als Heubisch sieht Faltlhauser im Finanzgarten keine Probleme mit Baurecht oder Denkmalschutz: Es liege bereits ein Bebauungsplan für eine Tiefgarage vor; zudem gebe es, anders als von Heubisch dargestellt, in dem in Frage kommenden Bereich keine Bodendenkmäler. Denn der Saal würde ganz im Westen des Finanzgartens stehen - auf der dortigen Wiese und dem angrenzenden Parkplatz des Landwirtschaftsministeriums, nicht aber im Bereich des Hügels mit seinen alten Bäumen.

Auch Christian Flämig, einst Chefjustiziar beim Pharmakonzern Merck und nun Mitglied im Freundeskreis des BR-Symphonieorchesters, warb in einer Wortmeldung für den Finanzgarten. Dass das Kuratorium des Deutschen Museums mit Nein gestimmt habe, sei "nicht nur ein Rückschlag, sondern der Todesschlag" für den Standort auf der Museumsinsel.

Flämig bot dem Kunstminister an, dass die Konzertsaal- und Orchesterfreunde die Kosten für eine Machbarkeitsstudie in Höhe von 300.000 Euro privat aufbringen könnten. Dann müsse Heubisch nicht erneut den Landtag bemühen.