Vorschlag aus dem Rathaus Nur auf Wunsch der Angehörigen

Marian Offman regt Kompromiss für Stolperstein-Verlegung an

Von Andreas Glas

Im Streit um die Verlegung von Stolpersteinen schlägt CSU-Stadtrat Marian Offman eine Kompromisslösung vor. Er plädiert dafür, die Stolpersteine grundsätzlich zu genehmigen, das Initiativrecht aber allein den Angehörigen der ermordeten Jüdinnen und Juden zu überlassen. Nur wenn es der ausdrückliche Wunsch der Angehörigen sei, dürfe ein Stein verlegt werden, sagte Offman der SZ. Er folgt damit weder dem Vorschlag des Kulturreferats, noch dem der Vorsitzenden der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG), Charlotte Knobloch. Während das Referat in Fällen, in denen es keine Angehörigen gibt, das Initiativrecht und die Entscheidung einem Beirat aus "Vertretern des öffentlichen Lebens" überlassen möchte, lehnt Knobloch die Steine kategorisch ab - mit dem Argument, dass auf dem Boden kein würdiges Gedenken stattfinden könne, wenn die Steine "bewusst oder leichtfertig mit Füßen getreten" würden.

"Persönlich würde ich niemals die Verlegung von Stolpersteinen für meine ermordeten Großeltern, Tanten und Onkel wollen", sagt Offman, der selbst Jude ist und dessen Familie zum Großteil von den Nazis ermordet wurde. Er sagt aber auch, dass er Angehörige kenne, die anderer Meinung seien. "Sie leiden unter dem Verbot und fühlen sich wieder gedemütigt", sagt Offman und wünscht sich daher einen Kompromiss, der "versöhnlich und angemessen" sei. Dies sei aber nur möglich, wenn das Urheberrecht des Künstlers Gunter Demnig eingeschränkt werde, der das Stolperstein-Projekt initiiert hat. Dass Demnig in anderen Städten Nazi-Begriffe wie "Gewohnheitsverbrecher" oder "Volksschädling" auf die Steine hatte gravieren lassen, habe ihm "Unbehagen bereitet", sagt Offman. Über die Beschriftung solle daher nur die Stadt entscheiden dürfen und nicht der Künstler. Offenbar droht Demnig aber mit seinen Anwälten, falls die Stadt ihm das Recht an der Beschriftung streitig macht.

Unterdessen hat sich Charlotte Knobloch erneut in die Debatte eingeschaltet - allerdings hinter verschlossenen Türen. Am Montag sprach sie mit Vertretern der SPD-Rathausfraktion, in den kommenden Tagen bittet sie die CSU-Fraktion zum Gespräch. Dass die IKG-Vorsitzende von ihrer ablehnenden Haltung abweicht, sei nicht zu erwarten, ist aus Fraktionskreisen zu hören. Dort heißt es außerdem, dass sich weiterhin keine Lösung im Stolperstein-Streit abzeichne. Fest steht nur, dass die Debatte Ende April im Ältestengremium des Stadtrats weitergeht.