Dann geht alles ganz schnell. Mehmet wird überstürzt in die Türkei abgeschoben. Ohne Eltern, nur seine 16-jährige Freundin Jasmin begleitet ihn. Er soll in das Dorf seiner Familie. Der 1000-Seelen-Ort heißt Büyük Yoncali und ist 120 Kilometer westlich von Istanbul. Kaum zwei Wochen in der Türkei, wendet sich für Mehmet plötzlich das Blatt. Der türkische Musiksender "Kral TV" entdeckt ihn als Marketing-Instrument und engagiert ihn als Moderator. Der Sender kann via Satellit in Deutschland empfangen werden. Bei Kral TV hofft man auf Marktanteile in Deutschland durch den berühmten Kleinkriminellen. Man zahlt ihm Unterkunft, einen Chauffeur und angeblich 4000 DM im Monat.

Anzeige

In Deutschland stößt die TV-Karriere von Mehmet auf Unmut. Doch das vermeintliche Glück hält für den jungen Türken nicht lange an. Im April 1999 wird bekannt, dass er auch in der Türkei Probleme hat. Er wird des Diebstahls bezichtigt, verliert seinen Job, kommt mit den Leuten nicht zurecht. Es wird ruhig um Mehmet, bis sein Bleiberecht in Deutschland drei Jahre später, am 16. Juli 2002, wieder verhandelt wird.

Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet, dass "der Schrecken von Neuperlach", wie Mehmet in den Medien genannt wird, wieder zurück nach Deutschland darf. Er kommt zurück, macht seinen Hauptschulabschluss. Zunächst scheint er ruhiger und vernünftiger geworden zu sein.

Doch im März 2005 der erneute Rückfall in die Gewalt. Nach einem Streit mit seinen Eltern, verprügelt er diese und droht ihnen, sie umzubringen. Auch vor diesem Vorfall hatte er sie regelmäßig bestohlen, getreten und bedroht. Die Eltern gehen zur Polizei. Mehmet, zu diesem Zeitpunkt 21 Jahre alt, wird verhaftet.

Das Jugendgericht München verurteilt ihn zu einer Freiheitsstrafe von 18 Monaten. Als ihm klar wird, dass die Strafe nicht zur Bewährung ausgesetzt wird, setzt er sich zum Jahreswechsel in die Türkei ab. Seither ist Muhlis A. in der Türkei untergetaucht. Die Türkei hat kein Interesse daran den heute 24-Jährigen an Deutschland auszuliefern. Auch die deutsche Staatsanwaltschaft bemüht sich darum nicht.

Sollte Mehmet jemals wieder nach Deutschland einreisen wollen, werde er sofort verhaftet, sagt die Justizbehörde. Nach Abbüßen seiner Haftstrafe erwarte ihn dann wieder die Abschiebung in die Türkei.

Sie sind jetzt auf Seite 3 von 3

  1. Der "Schrecken von Neuperlach"
  2. Der "Schrecken von Neuperlach"
  3. Sie lesen jetzt Der "Schrecken von Neuperlach"
Leser empfehlen 

(sueddeutsche.de/sonn/bgr)