Von Von Ekkehard Müller-Jentsch

Um seine eigenen Steuerschulden abzutragen, soll ein Münchner Nachlassverwalter Erben um mindestens 1,5 Millionen Euro gebracht haben.

Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus. Das sagt man so. Wenn ein Jurist das schwarze Schaf ist, scheint die Justiz auch eine Hack-Hemmung zu haben: Es dauerte vier Jahre seit Anklageerhebung und bedurfte eines Rüffels des Oberlandesgerichts, bis ein ehemals prominenter Münchner Notar als Angeklagter vor der 8. Strafkammer des Landgerichts erscheinen musste. Gestern war es soweit.

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Benno K., 75 Jahre alter Notar im Ruhestand, wird beschuldigt, in seiner Eigenschaft als Testamentsvollstrecker mindestens 1,5 Millionen Mark veruntreut zu haben. Laut Anklage befriedigte der promovierte Jurist mit dem Geld vor allem den Staat, indem er große Steuerschulden abtrug. Zudem hatte er sich mit einem Bauherrenmodell kräftig verspekuliert. Und mit dem Rest des Geldes, fast schon ein Witz, bezahlte er seine Anwälte in den diversen Auseinandersetzungen mit den geprellten Erben.

Angeblich schwierige Nachlassverwaltung

Die Fakten sind schnell erzählt: Eine reiche Frau aus dem Oberland hinterließ bei ihrem Tod 1982 vor allem wertvolle Grundstücke. Sie setzte Benno K. als Testamentsvollstrecker ein, um sicherzustellen, dass ihr Erbe unter den Nachfahren beider Familienzweige gerecht aufgeteilt werde und auch die Katholische Kirche, die Caritas und das Rote Kreuz in ihrem Sinne großzügig bedacht würden.

1988 erhielten die Verwandten zwar einiges Geld. Dann aber wurde ihnen vorgejammert, wie gestern Zeugen aussagten, dass die Nachlassverwaltung besonders schwierig sei - deshalb verlangte der Notar zehn statt fünf Prozent vom Gesamterbe als Honorar. Schriftlich wurde nichts vereinbart. Bis heute wissen die Erben nicht, was sie tatsächlich geerbt haben. Sieben Millionen? Neun Millionen? Dem Notar werfen sie vor, sich sogar mit 2,7 bis 3,5 Millionen Mark bedient zu haben.

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