Von Von Birgit Lutz-Temsch

Ein junger Familienvater hat versehentlich mit dem Auto seine Ehefrau und die neun Monate alte Tochter überrollt.

Tragisches Ende einer Einkaufsfahrt: Ein Familienvater hat am Mittwochnachmittag in Neuaubing seine Ehefrau und seine neun Monate alte Tochter mit dem Auto überrollt.

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Dabei erlitt das Baby so schwere Verletzungen, dass es am Abend in einer Klinik starb. Die Mutter des Kindes zog sich bei dem Unfall Rippenfrakturen und eine Beckenverletzung zu.

Gegen halb vier kehrte der 26-Jährige mit seiner 25-jährigen Ehefrau und der neun Monate alten Tochter nach Hause zurück. Am Ende der Streitbergstraße ließ der Mann seine Frau mit der Tochter aussteigen.

Drohende Gefahr nicht bemerkt

Die Frau überquerte den Wendehammer, blieb jedoch in der Mitte der Straße stehen, weil die Tochter zu schreien begann. Um das Mädchen zu beruhigen, ging die Frau in die Hocke.

Das registrierte der Vater allerdings nicht, der das Auto aus unbekannten Gründen wenden wollte. Die Frau bemerkte von der drohenden Gefahr nichts, weil sie dem Auto den Rücken zuwandte und ihre schreiende Tochter vermutlich das Motorgeräusch übertönte.

Der Mann stieß mit dem Wagen zurück und erfasste seine Frau mit dem linken Fahrzeugheck. Die 25-Jährige wurde durch den Aufprall zu Boden geschleudert und begrub das Mädchen, das sie in ihren Armen gehalten hatte, unter sich. Das Baby prallte dabei mit voller Wucht mit dem Hinterkopf auf die Fahrbahn.

Unter Auto eingequetscht

Weil der Vater den Vorfall nicht bemerkte, fuhr er noch ein Stück weiter. Mutter und Kind wurden dabei unter dem Auto eingequetscht. Erst ein herbeieilender Passant, der auf das Heck klopfte, machte den Mann auf das Geschehen aufmerksam.

Der Notarztwagen Nordwest und der Kindernotarzt versorgten die beiden schwer Verletzten an der Unfallstelle, ein Rettungshubschrauber brachte die Frau und das Mädchen in ein Krankenhaus.

Die Mutter erlitt neben Rippenfrakturen und einer Lungenquetschung eine schwere Beckenverletzung, das Mädchen ein Schädeltrauma mit Einblutungen im Gehirn. Das Kleinkind konnte am Unfallort zwar reanimiert werden. Am Abend erlag es aber seinen schweren Kopfverletzungen.

Unklarheit über Warnsystem

Wie die Polizei mitteilte, gibt es eine Unklarheit beim Unfallhergang: Das Auto verfügt über eine so genannte Park Distance Control, ein System, das beim Einparken Entfernungen misst und mit Pieptönen auf Hindernisse aufmerksam macht.

Ob das System in dem Moment versagt hat oder der Mann, weil er im Spiegel und hinter sich kein Hindernis entdecken konnte, trotz des Signals weiterfuhr, ist unklar.

Der tragische Unfall ist bereits der dritte innerhalb weniger Wochen, bei dem Kinder von den eigenen Vätern oder Bekannten überfahren wurden: Anfang April hatte in Ramersdorf ein Maurer beim Einparken seine vierjährige Tochter überrollt. Das Kind wurde unter einem Reifen seines Autos eingeklemmt und erlitt eine leichte Lungenquetschung.

Nur einen Tag später wurde eine Zweijährige von einem Traktor erfasst, als sie mit ihren Eltern eine befreundete Familie besuchte. Der Gastgeber wollte seinen Freunden einen Kleintraktor mit Elektroantrieb vorführen. Beim Rangieren erfasste er das Mädchen, das unbemerkt hinter den Traktor getreten war, und verletzte es schwer.

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(SZ vom 10.6.2005)