Vollcorner Biomarktkette steigt in die Gastronomie ein

Willi Pfaff und Birgit Neumann von Vollcorner in ihrem neuen Restaurant Resihuber.

(Foto: Stephan Rumpf)
  • In Sendling eröffnet das Restaurant "Resihuber", in dem ausschließlich mit ökologisch erzeugten Zutaten gekocht wird.
  • Damit steigt die Bio-Einzelhandelskette Vollcorner in die Münchner Gastronomie ein.
  • Das Resihuber hat von acht Uhr morgens bis abends um 23 Uhr geöffnet, Sonntag und Montag sind Ruhetage.
Von Franz Kotteder

Jeden Händler juckt es wohl gelegentlich in den Fingern, mit all den schönen Dingen, die er so verkauft, mal selber etwas anzustellen. So ging es auch Willi Pfaff und Birgit Neumann. Ihre Bio-Einzelhandelskette Vollcorner steht vor allem für Lebensmittel, aber essen und trinken kann man nur in einer der 17 Filialen - die in der Großhaderner Würmtalstraße hat nämlich ein kleines Bistro dabei.

Da traf es sich gut, dass die neue Filiale am Sendlinger Resi-Huber-Platz in einem neuen Appartementhaus nur zu mieten war, wenn man die im Haus vorgesehene Gastronomie gleich mit übernahm. "Wir wollten schon länger ein Restaurant aufmachen", sagt Vollcorner-Geschäftsführer Pfaff, "es gibt ja nicht viele, die wirklich zu 100 Prozent mit Bio-Produkten kochen. Jetzt können wir zeigen, was da alles geht."

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Jetzt, das heißt: von Donnerstag dieser Woche an. Denn dann eröffnet das Resihuber, wie Pfaff und Neumann ihr Restaurant genannt haben. 50 Gäste finden in dem großen, im Halbsouterrain gelegenen Raum mit seinen weiten Rundbogenfenstern Platz, an Eichentischen und auf erstaunlich bequemen Stühlen aus Eschenholz. Draußen auf dem Resi-Huber-Platz können 30 weitere im Freien sitzen.

An den Wänden hängen Schwarz-Weiß-Fotografien, die stellen jene dar, die dafür sorgen, dass man auch was auf dem Teller hat: die Erzeuger der Lebensmittel aus der Region nämlich. Sie liefern die Zutaten für das schnelle Frühstück an der Theke ebenso wie die für das Dinner am Abend. Das Resihuber hat von acht Uhr morgens bis abends um 23 Uhr geöffnet, Sonntag und Montag sind allerdings Ruhetage.

"Wir sind Überzeugungstäter, nicht nur Geschäftsleute", begründet Pfaff das neue Engagement seiner Firma im Gastrosektor, "wir wollen zeigen, was mit biologischen Lebensmitteln alles möglich ist." Genau genommen obliegt diese Aufgabe den fünf Köchen. Zwei von ihnen kommen schon aus dem Bio-Bereich, auch Küchenchef Andreas Lübber ist auf Bio-Zutaten spezialisiert. Die Karte ist übersichtlich; es gibt jeweils drei bis fünf Vor-, Haupt- und Nachspeisen, dazu noch Brotzeiten zum Wein, denn dafür haben Pfaff und Neumann eine besondere Schwäche und auch einen eigenen Weinladen in Haidhausen.

Fleisch soll Beilage werden

Saisonales Gemüse steht im Vordergrund. "Wir sind gewiss kein vegetarisches Lokal", sagen Pfaff und Neumann, "aber wir wollen Fleisch schon auch ein bisschen mehr zur Beilage machen." Die Preise beginnen bei etwa sieben Euro für Vor- und Nachspeisen und gehen hinauf bis zu 18 Euro für die gebratene Chiemseerenke und 24 Euro für die Alpenlammkrone mit verschiedenen Karottenvariationen.

Die Namensgeberin von Platz und Restaurant ist übrigens auch im Letzteren vertreten: als großformatige Porträtfotografie. Die im Jahr 2000 verstorbene Sendlingerin war in der NS-Zeit als Gärtnerin im Kräutergarten des KZ Dachau angestellt und hat dort unter Lebensgefahr immer wieder Häftlingen geholfen. "Für uns ist das ein Statement in Zeiten des Populismus", sagt Willi Pfaff, "schließlich haben wir auch ein eigenes Flüchtlingsausbildungsprojekt laufen und sind ein Unternehmen, in dem 42 verschiedene Nationen ohne Probleme zusammenarbeiten".

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