Von Angela Köckritz

Die Seuche kommt näher. Der Zoll hat bereits Personal aufgestockt und in drei Monaten 3000 Tonnen Lebensmittel konfisziert.

Eigenartig sind die Dinge, die Thomas Meister aus seiner Truhe zieht. Tote Ente im Plastikmantel, fette rotbraune Würste, gallertartiger Käse von säuerlichem Geruch. Thomas Meister ist Zollamtmann und Pressesprecher des Zollamtes am Flughafen München, die Gegenstände in der Tiefkühltruhe sind einige der Fundstücke, die Meister und seine Kollegen bei den Kontrollen der vergangenen Tagen aus dem Gepäck gefischt haben.

Zoll, ddp

Zimperlich dürfen die Zollbeamten bei ihrer Arbeit nicht sein. (© Foto: ddp)

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"Heute haben wir schon an die fünfzig Kilogramm gefunden, das meiste davon Fleisch und Käse aus der Türkei", sagt Meister. "Am Wochenende haben wir mehr als 100 Kilo sichergestellt." Die Zöllner frieren ihre Funde ein, am folgenden Tag kommt eine Spezialfirma, die alles entsorgt.

Seit Jahren schon durchsuchen die Zöllner das Gepäck nach Milch- und Fleischprodukten. Deren Einfuhr ist verboten, schließlich können sie die Maul- und Klauenseuche übertragen. Seit Oktober sind die Kontrollen noch strenger - aus Angst vor der Vogelgrippe. Meister hat zehn Kollegen dazu bekommen, insgesamt arbeiten inzwischen mehr als 400 Menschen beim Zollamt am Flughafen. "Wir suchen jetzt vor allem nach Geflügelprodukten, die meisten kommen aus China."

Meister hat dadurch einige chinesische Spezialitäten kennen lernen können: Vogelnester, Hühnerkrallen und Entenzungen. Für viele Chinesen ein Gedicht, für Meister nicht: "Vieles davon riecht sehr streng." Kontrolliert werden vor allem die Flugzeuge, die aus Asien, der Türkei, den GUS-Staaten, Rumänien und Bulgarien kommen. "Seit Oktober haben wir 3000Tonnen Käse, Fleisch und Geflügel sichergestellt."

Türkische Eier aus dem Fünf-Sterne-Hotel

Meister hetzt zum Terminal 2. Ein Flugzeug aus Delhi ist gelandet. Die Kollegen haben sich schon die blauen Einmalhandschuhe übergezogen - zum eigenen Schutz. "Im Verdachtsfall ziehen wir auch Schutzanzug und Mundschutz über", sagt Meister. "Etwa wenn ein Reisender hustet und erklärt, er sei vorher in einer Geflügelzucht in China gewesen." Manchmal wissen die Zöllner schon, welche Passagiere sie herausziehen müssen. In der Gepäckförderanlage befindet sich ein Röntgengerät, das Aufnahmen der Gepäckstücke liefert.

Die Koffer, in denen sich ein verdächtiger Inhalt befindet, werden markiert. Wie, das möchte Meister nicht verraten, "sonst macht ja morgen jeder dieses Signal ab." Am Ende der Halle müssen sich die Passagiere entscheiden. Nichts zu verzollen: grüner Kanal. Ansonsten: roter Kanal. "Die Leute gehen alle durch den grünen Kanal, egal was in ihrem Gepäck ist", sagt Meister. Also warten dort die Zöllner, picken die Passagiere heraus, deren Gepäck sie näher untersuchen wollen. Auf Waffen, Drogen und Lebensmittel.

Mit der Zeit entwickle man ein Gespür dafür, wen man herausziehen müsse, sagt Zollobersekretärin Beate Koob. Vor allem Asiaten führten oft Lebensmittel mit sich, "das ist einfach eine Mentalitätsfrage. Manchmal haben die den ganzen Koffer voller Lebensmittel, da liegen nur noch drei Kleider obendrauf." Die Reisenden wüssten oft gar nicht, wie gefährlich Lebensmittel im Gepäck sein könnten, sagt Meister.

"Viele türkische Mitbürger machen Urlaub bei ihrer Oma in der Türkei, die ihnen Geflügel schenkt. Die wissen gar nicht, dass dadurch Krankheiten übertragen werden können." Manche seien einfach zu unbedarft: "Da war die deutsche Touristin, die Eier aus ihrem türkischen Hotel mitnahm. Sie dachte, dass Eier in einem Fünf-Sterne-Hotel einfach sicher sein müssten." Meister muss weiter. Er ist müde. Alle waren sie heute da. Sat 1 ist gerade zur Tür heraus, Pro 7 wartet schon. Vogelgrippe auf allen Kanälen.

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(SZ vom 11. Januar 2006)