Virtuelle Währung Erster Bitcoin-Automat in München

Der erste Bitcoin-Automat in München steht an der Ludwig-Maximilians-Universität.

(Foto: Robert Haas)

300 Euro für einen Bitcoin: In München steht seit kurzem ein Automat, an dem normales Geld in die virtuelle Währung umgetauscht werden kann. In einigen Geschäften kann man damit schon bezahlen - sogar Cocktails.

Von Mirjam Hauck

Wer zu diesem besonderen Geldautomaten will, muss in die Uni gehen. Im sogenannten Entrepreneurship Center der Ludwig-Maximilians-Universität in der Giselastraße steht seit kurzem der erste Bitcoin-Automat Süddeutschlands. Hier können Euros gegen die digitale Währung Bitcoin getauscht werden.

Aufgestellt haben das Gerät die beiden jungen Unternehmensgründer Timo Bock und Vladimir Tosovic. "In Deutschland ist es bislang sehr schwierig, an Bitcoins zu kommen, aber wir glauben, dass dieser Währung die Zukunft gehört", erklärt Bock seine Mission. "Als das Internet erfunden wurde, konnte sich auch niemand vorstellen, dass es einmal so erfolgreiche Anwendungen wie Google und Facebook gibt." Genauso werde es dem Bitcoin-Netzwerk ergehen.

Täglich können 100 Euro in Bitcoins umgewandelt werden

Den Anfang soll der Automat machen. Er wird jetzt erst einmal zwei Monate stehen bleiben, täglich können 100 Euro in Bitcoins umgewandelt werden. Die zeitliche und finanzielle Begrenzung gibt es, weil das Projekt so von der Finanzaufsicht als nicht-kommerziell eingestuft wird. Dabei soll es aber nicht bleiben. Die Betreiber wollen in den nächsten zwei Monaten mit Banken sprechen und ein Finanzinstitut als Partner gewinnen, um den Automaten kommerziell betreiben zu können. Bereits von 10 000 Euro Umsatz an lohne sich der Automat, hat Volkswirt Bock ausgerechnet. Allerdings stünden die Banken, mit denen sie bislang gesprochen haben, Bitcoins eher skeptisch gegenüber. Da sei noch Überzeugungsarbeit notwendig.

Vertrauen wäre jetzt gut

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Bitcoins sind eine virtuelle Währung, die anders als eine staatliche Währung nicht von einer Zentralbank ausgegeben und kontrolliert wird. Entwickelt hat sie eine Person oder Gruppe unter dem Pseudonym Satoshi Nakamoto im Jahr 2008, als Reaktion auf die Finanzkrise. Die Produktion ist weltweit auf 21 Millionen Bitcoins begrenzt, bisher ist ungefähr die Hälfte im Umlauf. Um eine Bitcoin-Einheit herzustellen, muss am Computer ein komplizierter Code entschlüsselt werden, dafür ist eine hohe Rechenleistung notwendig. Dieser Prozess heißt "Mining", also Schürfen.

Andrang am Automaten hält sich noch in Grenzen

Timo Bock hat das Mining selbst ausprobiert, aber wieder aufgegeben: "Als Hobby ist das viel zu teuer. Man braucht dafür einen leistungsstarken Rechner und viel Strom." Da sei der Weg über den Geldautomaten deutlich einfacher. Allerdings schwankt der Bitcoin-Kurs sehr stark. War die digitale Währung zu ihrer Anfangszeit quasi praktisch wertlos, schoss der Kurs 2013 plötzlich auf über tausend Euro. Nach einigen Pleiten von Bitcoin-Börsen ließ das Vertrauen in die Währung wieder nach.

Zurzeit bekommt man für 300 Euro einen Bitcoin. Der Andrang am Automaten hält sich laut Timo Bock bislang noch in Grenzen. Aber die vergangenen Tage sei immer gegen die Mittagszeit ein Mann aufgetaucht. Er habe genau 100 Euro umgetauscht. Kunden wie dieser Unbekannte, die den Automaten mit Bargeld füttern, können die Bitcoins in einem virtuellen Geldbeutel, einem sogenannten Wallet, auf ihrem Smartphone speichern.

Und bei einigen Geschäften können sie damit auch bezahlen. So akzeptiert beispielsweise der Finanzdienstleiter Paypal Bitcoins. Aber auch in einigen Kneipen und Restaurants in München, zum Beispiel in der Sofabar "Niederlassung" am Gärtnerplatz, können Bitcoin-Enthusiasten ihre Drinks mit dem virtuellen Geld bezahlen. Und auch Gutes lässt sich mittlerweile damit tun. So nimmt die Umweltorganisation BUND Spenden in der Alternativ-Währung entgegen.