Mangelnde Hygiene, keine Toiletten, hässliche Planen: Hinter den Kulissen des Viktualienmarkts sind die Zustände oft nicht gerade paradiesisch.
Es ist in der Tat eine wahre Sinnenfreude, was Einheimischen und Touristen auf dem Viktualienmarkt an den Obst-, Gemüse- und Blumenständen, bei Metzgern und Bäckern oder bei den Feinkost- und Fischhändlern geboten wird. Doch weil hinter den Kulissen die Zustände nicht mehr ganz so paradiesisch sind, will die Stadt bis Sommer kommenden Jahres ein "Zukunftskonzept" für die vier ständigen Lebensmittelmärkte in München vorlegen.
Anzeige
Das zuständige Kommunalreferat schlägt Alarm: Der Viktualienmarkt, aber auch die bekannten und beliebten Märkte am Elisabethplatz, in Pasing und am Wiener Platz würden den Anforderungen an Hygiene, Warenpräsentation, Arbeits- und Gesundheitsschutz sowie an die Logistik nicht mehr gerecht.
Seit Jahren, sagen die SPD-Stadtratsmitglieder Ulrike Boesser und Alexander Reissl, gebe es zu Recht Beanstandungen, dass das Erscheinungsbild des Viktualienmarktes zum Beispiel durch die Zelt-, Schirm- und Planenkonstruktionen an den Außenbereichen der Stände stark beeinträchtigt werde. Sie setzten mit ihrem Antrag das Thema jetzt auf die Tagesordnung des Stadtrats. Oberbürgermeister Christian Ude fühlte sich schon vor längerem beim Gang über den Markt gar an "Zeltlager am Hindukusch" erinnert. Passiert ist bislang freilich wenig.
Die städtischen Kontrolleure versuchen immer wieder, die sogenannten Überbauten, die Obst und Gemüse vor Witterungseinflüssen schützen sollen, zurechtzustutzen. Stets sei versucht worden, die geschäftlichen Interessen mit den Hygieneanforderungen des Verbraucherschutzes und mit gestalterischen Ansprüchen in Einklang zu bringen.
Obwohl oft baurechtliche Vorschriften nicht mehr eingehalten werden, kann man die Planen und sonstigen Vorrichtungen nicht einfach beseitigen. Die Konflikte mit dem Hygienerecht drohten sich weiter zu verschärfen, heißt es im Kommunalreferat. Entsprechende Lagermöglichkeiten, die alle Vorschriften erfüllten, seien kaum vorhanden.
Die Kellerbereiche sind bezüglich des Brandschutzes untersucht worden. Planungen für Umbauten laufen seit mehreren Jahren, würden sich aber, so die Klage, schwierig gestalten. Denn neben den Flucht- und Rettungswegen solle auch eine möglichst große Zahl von Lager- und Sozialräumen für die Händler erhalten oder neu geschaffen werden.
Als besonderen Mangel sieht die Stadt, dass Toiletten fehlen. Dieses Defizit sei beim Viktualienmarkt mit seiner hohen touristischen Frequenz als "ausgesprochen problematisch" anzusehen.
Die Stadt arbeitet nun zwar an einem "Zukunftskonzept" für die vier ständigen Lebensmittelmärkte, die alle ähnliche bauliche Schwierigkeiten haben. Die SPD drängt nun darauf, dass dieses Konzept möglichst schnell vorgelegt wird. Wegen seiner zentralen Lage in der Altstadt sei die Sanierung des Viktualienmarkts mit Vorrang zu betreiben.
Wie aber nun die Marktstände künftig optisch ansprechend gestaltet oder gar umgestaltet werden können, ist noch nicht klar. Sicher ist, dass ein hoher baulicher Aufwand eine Verteuerung der Standkosten bedeutet. Zunächst hat die Stadt einen Fragenkatalog an die Händler verschickt und möchte diesen erst auswerten.
Quer durch alle politischen Fraktionen befürworten die Stadtratsmitglieder das Verschönerungskonzept. Das bekannte und beliebte Erscheinungsbild des Marktes müsse dabei erhalten bleiben. Zur Diskussion steht auch eine eventuelle Neuaufteilung der Standflächen.
- Thema
- Viktualienmarkt RSS
- Bäcker-Liesl Granteln für den Verkaufserfolg 03.09.2008
- Alternative Sehenswürdigkeiten Wo München noch urig ist 18.02.2009
- Café Nymphenburg-Sekt Die letzte Runde 29.03.2010
- Fasching in München Die meisten mögen's heiß 16.02.2010
- NullAchtNeun Das Raumschiff der Sumpfblüten 12.02.2010
- Wettbewerb der Händler Generalsanierung des Viktualienmarkts 08.02.2010
- Neues Konzept für München Der Schrannenhallen-Viktualienmarkt 27.01.2010
(SZ vom 20.11.2009/sonn)
Studie zur Beliebtheit der Deutschen
Die neueste Antwort
Herrn Ude scheint nicht klar zu sein, dass dieses "Zeltlager am Hindukusch" eben genau deshalb, weil es so ist, wie es ist, der Stadt München entscheident zu ihrem weltbekannten Charm verhilft, und damit auch mit zu dem Ruf Münchens als einer "Weltstadt mit Herz" beigetragen hat. Wenn ein OB das ändern will, zersört er das positive Bild seiner eigenen Stadt, und er muss sich dann auch sagen lassen, dass es ihm selbst offenbar an Herz fehle.
Gunter Berauer
Christian Ude paßt als Oberbürgermeister auch eher in ein "Zeltlager am Hindukusch"...
Ich kann mich noch an die Proteste der Standlbesitzer erinnern, als man ihnen den Umzug in die Schrannenhalle angeboten hat. Aber diese kulturlose raffgierige Spießerbande hat ja lieber Plastikplanen. Dahinter kann man sich dann so schön vor dem schlechten Wetter verstecken und die Kundschaft nass und kalt werden lassen. Was für eine hundsgemeine rückständige Händlermentalität!
Vorschriften, Bestimmungen, Verordnungen, Gesetze, dies alles ist zum Selbstzweck für unseren Verwaltungsapparat und seinen spießigen Beamten geworden.
Und wir Bürger zahlen diese Schikanen auch noch mit unseren Steuergeldern.
Tip für unseren OB Ude:
Ein Zeltlager am Hindukusch ist sicher eindrucksvoller als ständig Urlaub in Griechenland.
In der Türkenstrasse/Maxvorstadt soll den Händlern durch Stadtratsbeschluß verboten werden auf dem Bürgersteig vor Ihren Läden Ware zu präsentieren, weil sonst schaut es hier ja aus wie im orientalischen Basar. Klar, daß man da einschreiten muss.
Derweil ist der einzige Charme beim Einkaufen in der Türkenstraße genau dieses Flair.
Spießer am Werk
Das nun mittlerweile offenbar salonfähige Schickimicki-Image mit überteuerten und überdachten, gasbeheizten Fressständen zerstört schon seit Jahren das Ensemble des Viktualienmarktes. Allen voran war der Neubau der "Nordseehalle" ein großes städtebauliches Übel. Auch einer gewissen Profitgier ist es zu verdanken, dass man auch die Schrannenhalle wieder aufbaute. Auch hier sollte ein Chic-Treff mit VIP-Fresskoben, Absperrgittern und rotem Teppich entstehen bei der sich die Hippodrom- und Käfer-B-Prominenz die Nächte um die Ohren schlägt. Tagsüber ließ man den Touristenpöbel ein wenig mitmachen. Hierzu verstellte man die ohnehin schon durch eine schreckliche Glasfassade entstellte Schrannenhalle mit einem Verkaufstandbudenzauber der den üblichen Krimskrams an vorbeieilende, wie verirrt wirkende Menschen verkauft wurde.
Gleiches nimmt seit Jahren auf dem Viktualienmarkt zu - klamheimlich aber stetig - der Charakter eines Marktplatzes mit Marktbuden, wie sie einmalig in Deutschland sind geht dabei vor die Hunde und verkommt zu einer billigen Eventmeile (siehe Fasching um nur ein Bspl. zu nennen). An- und Zubauten werden von den Stadtoberen gnadenlos geduldet während andernorts in München schlichte Hinweise auf Geschäfte genehmigungspflichtig sind.
Der Viktualienmarkt kann es in puncto Qualität mittlerweile mit jeder Viktualienabteilung eines Supermarktes aufnehmen. Im Selbstversuch testete ich über viele Jahre die Qualität von völlig zu Unrecht überteuerten Waren wie Obst, Fleisch, Fisch und Gemüse. Diese lässt extrem zu Wünschen übrig.... Auch hier vermisst man einen kritischen Artikel. Man kaufe sich bei einem beliebigen Geflügelhändler nur einmal eine Weihnachtsgans oder eine Ente - egal ob Bio oder nicht - das Resultat ist gleiche wie wenn man bei Lidl oder Aldi ein Geflügel selbigen Kalibers zu einem Drittel des Preises ersteht. Im Durchschnitt verliert eine Weihnachtsgans, gekauft auf dem Viktualienmarkt, 980 Gramm Fett für das man auf besagtem Markt annähernd 10 bezahlt....
wer das nicht glaubt probierts selbst aus!
Eine strenge Qualitätskontrolle fehlt hier - Feigheit vor dem Feind/Händler?
Der Stadtbaukomission empfehle ich für die Zukunft ausreichend Parkbuchten für die Oberklassenpanzer Cyenne, Q7, X5 und Daimler zu schaffen so dass diese Viktualinemarktpremiumshopper nicht länger in zweiter und dritter Reihe parken - denn diese Spezies bekommt seltsamerweise auch in den seltensten Fällen vor Ort Strafzettel....
Paging