Viktualienmarkt Die Schrannenhalle wird italienisch

Noch sieht es weihnachtlich aus: Im Frühjahr soll die Feinkostkette Eataly in die Schrannenhalle einziehen.

(Foto: Robert Haas)
  • Die Schrannenhalle wird umgebaut: Im Frühjahr soll dort die italienische Feinkostkette Eataly einziehen.
  • Das Unternehmen soll die gesamte Halle belegen. Das heißt: Allen bisherigen Mietern wird bis zum Jahresende gekündigt.
  • Oberbürgermeister Reiter hält das Konzept für einen "guten Kompromiss". Aber er betont auch: "Ich kann nur hoffen, dass die Schrannenhalle endlich funktioniert."
Von Peter Fahrenholz und Franz Kotteder

In der monatelangen Diskussion über die Zukunft der Schrannenhalle gibt es eine überraschende Wende. Hallenbetreiber Hans Hammer hat die Idee, dort einen Edeka-Supermarkt unterzubringen, fallen gelassen. Stattdessen wird die italienische Feinkostkette Eataly einziehen. Eataly wird damit in München seine erste Deutschland-Filiale eröffnen.

Das Unternehmen expandiert seit Jahren sehr erfolgreich und betreibt weltweit inzwischen 24 Häuser; der Jahresumsatz der Kette beträgt um die 400 Millionen Euro. Die Italiener werden die gesamte Schrannenhalle belegen. Das bedeutet, dass allen bisherigen Mietern bis zum Jahresende gekündigt wird. Weil alle Verträge eine dreimonatige Kündigungsfrist haben, wäre die Halle von Ende März an für den Umbau frei und könnte im Sommer neu eröffnet werden.

Eine Art Schlaraffenland der italienischen Küche

Das Konzept von Eataly hat der italienische Unternehmer Oscar Farinetti, der sein Vermögen mit der Elektrowarenkette Media World gemacht hat, 2007 erstmals in Turin verwirklicht. Es handelt sich um eine Art Schlaraffenland der italienischen Küche, eine Kombination aus Feinkostkaufhaus mit Restaurants und Kochschulen. Farinetti ist mit Carlo Petrini, dem Gründer der internationalen Slow-Food-Bewegung, befreundet und hat seine Kette nach dessen Prinzipien ausgerichtet. In den Häusern der Eataly-Kette gibt es deshalb hochwertige, meist regionale Spezialitäten von Pasta über Risotto bis hin zu Fleisch, Fisch, Obst und Gemüse, außerdem Küchengeräte sowie zu jeder Warengruppe die passenden Lokale und Manufakturen. So werden dort beispielsweise auch Nudeln frisch hergestellt oder es wird Bier extra gebraut.

Ähnliches plant Eataly auch für die knapp 5000 Quadratmeter der Schrannenhalle. In einem ersten Konzeptpapier ist die Rede von einem italienischen Spezialitätenmarkt mit etwa 2000 Produkten, einer Süßwarenabteilung mit 1500 Artikeln sowie einem Weinkeller mit 1200 verschiedenen italienischen Weinen und mehr als 100 Spirituosen. Hinzu kommen Fleisch-, Wurst- und Käseabteilungen mit Spezialitäten, die man sonst in Deutschland nicht so leicht bekommt.

Schrannenhalle Die italienische Option

Falls es mit dem Edeka in die Schrannenhalle nichts wird, gibt es noch eine andere Lösung: Der Pächter hat bereits mit den italienischen Erfindern eines erfolgreichen Gourmetmarktes verhandelt.

Hallenchef Hammer ist hocherfreut über die neue Lösung und bezeichnete Eataly als seinen "Wunschpartner". Er habe bereits im Jahr 2010 mit den Italienern gesprochen, aber damals sei Eataly gerade dabei gewesen, die Filiale in New York zu konzipieren und habe keine zusätzlichen Kapazitäten gehabt. An diese alten Kontakte hat Hammer im Frühjahr wieder angeknüpft. Zwischenzeitlich sah es aber so aus, als ob er sich mit Peter Simmel, der große Edeka-Märkte in der Region führt, einig werden würde, weil der bereit war, einen Zehnjahresvertrag abzuschließen.

Dann aber zeichnete sich ab, dass ein Supermarkt auf zu viel Widerstand stößt. Da waren zum einen die Viktualienmarkt-Händler, die in einer Edelvariante von Edeka eine unerwünschte Konkurrenz witterten, die ähnliche Produkte zu günstigeren Preisen hätte anbieten können. Entsprechend heftig zogen sie gegen das Vorhaben zu Felde. "Der Viktualienmarkt hat extrem allergisch reagiert", räumt Hammer ein. Hammer bot den Händlern sogar Geld an, um damit ein eigenes Gutachten zu finanzieren, das klären sollte, ob sich Markt und Supermarkt wirklich ins Gehege kommen würden. Doch auch das hätten die Händler abgelehnt. "Wir wollten uns nicht völlig gegen den Viktualienmarkt stellen", sagt Hammer. Deshalb habe man Alternativen entwickelt.