Vietnamesisches Restaurant Cô Be In der Suppe liegt die Kraft

In Schwabing buhlen mehrere vietnamesische Restaurants auf engem Raum um die Gunst der Gäste. Das Cô Be in der Kurfürstenstraße hat sich vor allem durch die herzliche Atmosphäre und günstige Preise ein Stammpublikum erobert.

Von Felix Mostrich

Die Vietnamesen gelten als eine der am besten integrierten Einwanderergruppen in Deutschland. Doch als Lokalbetreiber, als Wirte, als kulinarische Botschafter ihres Landes haben sie sich zum Glück nicht so extrem an deutsche Erwartungen und Gewohnheiten angepasst wie die Chinesen der ersten Zuwanderergeneration, die Westdeutschland nach dem Krieg mit einem Netz gleichförmiger Einheitslokale und unkreativer Schnellküchen überzogen haben.

Inzwischen ist die Auswahl an vietnamesischen Lokalen in München so groß, dass man fast in allen Stadtteilen zu recht akzeptablen Preisen einkehren kann. In Schwabing, wo sich auf vergleichsweise engem Raum mehrere Vietnamesen Konkurrenz machen, hat sich das Cô Be, das einfache Standardgerichte in ordentlicher Qualität bietet und sich darüberhinaus ein paar kleine Extravaganzen leistet, ein treues Stammpublikum erobern können. Wobei die Herzlichkeit, mit der man dort bedient wird, der fast familiäre Tonfall, der im räumlich etwas beengten Lokal herrscht, sicher wesentlich zum Erfolg beiträgt.

Suppen spielen im Alltag der Vietnamesen eine sehr viel größere Rolle als bei uns. An ihnen kann man auch hierzulande in Gaststätten den Ehrgeiz des Küchenpersonals ermessen. Im Cô Be waren die klaren Suppen, in die je nach Rezept Fleisch oder Garnelen, Reis- oder Eiernudeln, Frühlingszwiebeln, Sojasprossen, Petersilie, Koriander, Basilikum oder andere Kräuter eingelegt werden, jeweils von so harmonisch rundem Geschmack, dass sich zusätzliche Gewürze erübrigten. Vor allem die hausgemachten Maultaschen (Wantan), die den Gegensatz von weicher Nudelhülle und beißfester feinwürziger Garnelen-Hühnerfleisch-Füllung auch in gebackener Form schön ausspielten, gingen mit der Rinderbrühe eine verführerische Symbiose ein (5,20 Euro).

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Bei den Vorspeisen (zwischen 4,20 und 5,90 Euro) haben sich die mit Garnelen und Morcheln gefüllten und dann gedämpften kleinen Laibchen aus Glasnudelteig - "klare Knödel" - oder die in würzige Betelblätter eingewickelten und dann gegrillten Rindfleischstreifen besonders nachhaltig eingeprägt. Aber auch das im Prinzip von den Japanern übernommene Frittieren von Riesengarnelen mit Tempura-Teig wurde hier anständig zelebriert. Zu all diesen Gängen gab es hausgemachte leichte Saucen.

Als Vorspeisen oder kleine Hauptgänge kann man auch die Salate empfehlen, in denen fertig zubereitetes Rind- oder Hühnerfleisch, Tintenfisch oder Garnelen, Papaya oder Lotusstängel je nach Geschmacksvorstellung mit Zwiebeln oder Frühlingszwiebeln, Karotten, Sellerie, Sojasprossen, gerösteten Erdnüssen und eigentlich immer mit viel frischem Koriander kalt serviert werden (sie kosten zwischen 5,50 und 7,50 Euro).

Aus der Reihe der Nudelgerichte haben wir gebratene Reisbandnudeln mit Krabben, frischem Gemüse und Koriander probiert (10,20), ein betont leichtes, schmackhaftes Alltagsgericht aus dem Wok, das auch noch Platz für eines der bescheidenen Desserts lässt - etwa für die gebackenen Bananen- oder Ananasstücke, die mit Honig, Mandelsplittern und Vanilleeis verfeinert werden (3,70).

In der Regel sind die Hauptgänge mit frischen Zutaten wie Frühlingszwiebeln, Koriander, Petersilie, Karotten, Basilikum oder süßsauer angemachtem Kraut bestückt. Es kann bei einigen der Fleischgerichte, die auf heißer Platte serviert werden, aber auch passieren, dass, von ein bisschen hinterher aufgestreutem grünem Dekor abgesehen, das beigelegte "Gemüse", wie ehedem bei den chinesischen Restaurants in Deutschland, großenteils aus Konserven stammt, also eine recht langweilige "Sättigungsbeilage" darstellt. Man tut also gut daran, jene Gerichte auszuwählen, bei denen die Beilagen auf der Speisekarte genau benannt sind.

Zu den originelleren Kreationen der Küche gehörte die geschmorte Makrele: Die Stücke vom Fisch lagen in einer deftig mit Pfeffer und Ingwer gewürzten, schwarzbraunen Karamellsauce, die kraftvoll im Geschmack war und nur noch entfernt an das Ausgangsmaterial Zucker erinnerte. Dazu wurde in einer Extraschale süß-sauer eingelegtes Kraut serviert (13,50).

Wie überall sonst in der ostasiatischen Küche spielen auch im Cô Be bei vielen Gerichten die unterschiedlichen Aggregatzustände der Bestandteile eine wichtige Rolle. Beim einzigen Schweinefleischgericht auf der Karte beispielsweise prägte sich das gegrillte Fleisch vor allem seiner Knusprigkeit wegen ein. Auch die Entenbrust in den einschlägigen Speisen überzeugte sowohl mit knuspriger Haut als auch mit ihrem ordentlich saftig gebliebenen Fleisch. Wenn die Entenbrüste dann noch auf frischem Pak-Choi angerichtet und mit Ingwersauce kombiniert sind (12,50), kann man als zahlender Gast wahrlich zufrieden sein.

Co Be, Kurfürstenstraße 47, Telefon: 089 /392 902 68, www.co-be-restaurant.de, Mo.-Sa. 11.30 Uhr bis 14.30 Uhr und 17.30 bis 23 Uhr, Sonntag von 17.30 bis 23 Uhr