Viertel-Stunde Smarte Wohnwelt

Hoch hinaus: eines der neuen Gebäude im "Schwabinger Tor".

(Foto: Johannes Simon)

Ein Gewusel aus Gewerblern und Künstlern, Anwohnern und Flaneuren in den Hochhaus-Schluchten: Ob das Angestrebte im Quartier Schwabinger Tor gelingt, muss sich noch zeigen.

Von Thomas Kronewiter

Die blau-gelbe Fassade des alten Metro-Markts, nein, die vermisst niemand rund um die Münchner Freiheit. Den Luftraum über dem längst plattgemachten Schwabinger Flachbau schon eher. Denn fast vier Jahre nach dem Abriss des Großmarkts sind die Hochhäuser unter dem Label "Schwabinger Tor" hoch hinaus gewachsen, dicht gestaffelt, hinter meist aufwendig gestalteten Fassaden. Ob das erhofft urbane Leben aber auch einkehrt östlich der Leopoldstraße, ob das erstrebte Gewusel aus Gewerblern und Künstlern, Anwohnern und Flaneuren in den Hochhaus-Schluchten Realität wird, muss sich noch weisen. Man wird es sehen, wenn von Herbst an die Wohnungen bezogen werden, wenn nach dem bereits vorhandenen französischen auch das angekündigte asiatische und das mediterrane Lokal eröffnen, wenn nach dem bereits ansässigen Supermarkt auch all die anderen Läden eröffnen, auf deren sinnvolle, dem Viertel und nicht bloß den Investoren nützliche Zusammensetzung halb Schwabing hofft.

Dass sich innerhalb eines knappen Jahrzehnts der Planung nicht bloß die Bebauung ändert, sondern auch Grundfesten des Verständnisses von Wohnen in der Stadt, das erleben Beobachter nirgendwo deutlicher als am Schwabinger Tor. Was dort nach 40 000 Lastwagen-Ladungen Erdaushub und ungezählten Tonnen angelieferten Betons versucht wird, wirft ein Schlaglicht auf das München des Jahres 2050.

Angefangen bei der Tiefgarage, die in Kooperation mit einem großen Münchner Automobilbauer ein Referenzprojekt für das autonome Fahren werden soll, über Wohnflure, die nicht bloß "Living A" und "Living B" heißen und deren Bewohner am Klingelschild herangescrollt werden wollen, bevor man klingeln kann, bis hin zur Schwabinger-Tor-App, die der "Sharing-Community" im Zusammenspiel mit der Hausverwaltung beim Ausleihen der Bohrmaschine ebenso hilft wie beim Mieten des Quartiers-eigenen Elektromobils. Und zu den Lebensmitteln, die man nach der Arbeit an einer Kühlbox einfach abholt. Diese smarte Wohnwelt - sie soll nicht jedem gefallen. Aber man muss dort ja auch nicht einziehen.