Verurteilter Sänger aufgetreten Neonazi-Konzert in Obermenzing

Die Rechtsextremisten-WG in Obermenzing sorgt erneut für Ärger: Nun ist dort der verurteilte Sänger einer Neonazi-Band aufgetreten. Die Polizei beantwortete Fragen zu dem rechten Treffen allerdings nur oberflächlich.

Von Bernd Kastner

Die rechtsextremen Aktivitäten in der sogenannten Nazi-WG in Obermenzing reißen nicht ab. Nach SZ-Informationen fand in dem an drei Rechtsextremisten vermieteten Einfamilienhaus vergangene Woche ein Liederabend mit dem bundesweit bekannten Sänger der Neonazi-Band "Lunikoff-Verschwörung" statt. Mehrere Dutzend Rechte besuchten das Konzert. In der kommenden Woche ist dort ein Halloween-Spektakel der besonderen Art geplant: ein keltisches "Sahmhain-Fest der Toten und der Anderswelt".

Eigentlich sollte das Konzert am Dienstag vergangener Woche in einem Zelt im Garten des Anwesens stattfinden, doch weil es kalt war und regnete, zogen sich die Rechtsextremen in den Keller zurück. Der hat sich im vergangenen Jahr als Treffpunkt der bayerischen Neonaziszene etabliert.

Markus Schäfert, Sprecher des bayerischen Verfassungsschutzes, bestätigte entsprechende SZ-Informationen. Ihm zufolge waren 30 bis 40 Gäste anwesend. Der Sänger Michael R. war früher Leadsänger der Neonazi-Band "Landser" und wurde 2005 wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung, nämlich der Band, verurteilt. Etwa drei Jahre saß er ein.

Die Polizei beantwortete die SZ-Fragen zum Nazi-Treffen nur oberflächlich. Zwar arbeitete das Präsidium fast zwei Tage lang an einer Stellungnahme, erwähnt aber nicht einmal, dass es sich um ein Konzert handelte. Laut Präsidium seien auch nur 25 Rechte da gewesen. Nach SZ-Informationen beschlagnahmte die Polizei bei einem der Gäste ein Messer, der Mann wurde wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz angezeigt. Auch das erwähnt das Präsidium nicht.

"Schnellstmöglich beenden"

Am kommenden Donnerstagabend ist am Rand von Obermenzing erneut ein Stelldichein von Rechtsextremen zu erwarten. Dann lädt die WG auch die Nachbarschaft zum "Samhain-Fest", wie es auf Flugblättern heißt. Für die jüngsten Gäste gebe es Kinderschminken.

Ein solches vermeintliches Nachbarschaftsfest hatte es bereits im Sommer gegeben, gekommen sind statt Nachbarn aber nur Nazi-Gegner, die gegen das "braune Haus" protestierten. Zuletzt standen keine Gegner auf der Straße, weil sie nichts von dem Konzert wussten.

Die Sicherheitsbehörden stehen dem Treiben weitgehend machtlos gegenüber. Laut Verfassungsschutz-Sprecher Schäfer versorgt seine Behörde den Anwalt der Vermieterin immer wieder mit Informationen, damit dieser gegen die Mieter vor Gericht vorgehen könne. Bislang aber hat die sehr betagte Eigentümerin noch keine Klage eingereicht. Nun hat Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) sie in einem Brief eindringlich gebeten, das Mietverhältnis "schnellstmöglich zu beenden", das Trio zumindest nicht länger als die ursprünglich vereinbarten zwei Jahre im Haus zu lasen. Der (gekündigte) Mietvertrag läuft bis Ende 2014.