Verschärfte Kontrollen Hochsicherheitszone Airport

Abtasten, Koffer aufmachen, Laptop hochfahren: Das Personal am Flughafen ist unerbittlich.

Von Dominik Hutter

(SZ vom 9.10.2001) - Langsam wird sie schon zum Alltag - die Hochsicherheitszone im Erdinger Moos. Seit den Terroranschlägen in den USA ist der Aufwand am Münchner Flughafen enorm angestiegen, und seit gestern noch ein bisschen mehr.

Britische Airlines werden nun ebenso behandelt wie seit dem 11.September schon die Nordamerika-Flüge: Gepäckkontrollen "zu 100 Prozent".

Auf Dauer, das ist dem Luftamt Südbayern klar, ist das personell nicht durchzuhalten. Kollegen mussten aus dem Urlaub zurückgerufen, die Einsatzreserve mobilisiert werden.

Intensiv-Betreuung

Demnächst will Rolf Oberndörfer, der Leiter der Luftsicherheitsstelle, bis zu 40 Leute neu einstellen. Denn bislang ist ungewiss, wie lange die "Intensiv-Betreuung" der Fluggäste anhalten wird. Möglicherweise führt kein Weg zurück zu den alten Standards.

Die Belastung ist deshalb so groß, weil inzwischen wieder Handarbeit gefragt ist an den hoch technisierten Zugangsschleusen. Abtasten und Koffer aufmachen, früher nur üblich bei metallbewehrten, "optisch verdächtigen" Fluggästen oder im Rahmen von Stichproben, ist obligatorisch geworden.

Immer wieder müssen Laptops hochgefahren und Kameras aktiviert werden. Der Geschäftsmann auf Socken gehört zum gewohnten Bild.

Kein Pardon mit Messern

Überhaupt kein Pardon mehr gibt es bei Messern und Scheren. Selbst kleine Taschenmesser und Nagelfeilen werden aus dem Handgepäck gefischt. "Das kommt aber ohnehin nicht mehr so häufig vor", hat Oberndörfer beobachtet. Die strengen Maßstäbe haben sich herumgesprochen. Früher, das muss das Luftamt zugeben, wäre etwa ein Keramikmesser, wie es für rund 130 Mark zu haben ist, allenfalls bei einer Stichprobe entdeckt worden. Und bei Teppichschneidern wurde durchaus einmal ein Auge zugedrückt. Das ist vorbei.

Jetzt laufen Nordamerika-Verbindungen und seit gestern auch die Flüge britischer Gesellschaften fast auf Modul-F-Niveau - über dieses Sicherheitsterminal wird gen Israel abgefertigt. Sogar abgetrennte Abflugbereiche wurden geschaffen: Modul B ist an großen Teilen des Tages ausschließlich für die USA und Kanada reserviert, im Südteil des Moduls D werden British Airways & Co "isoliert". Dort müssen auch Umsteiger ihr Handgepäck noch einmal durchleuchten lassen. Das bislang übliche Vertrauen in die Kontrollsysteme des Start-Flughafens gilt nicht mehr.

Passagiere zeigen Verständnis

Die Passagiere reagieren verständnisvoll - noch, wie man beim Luftamt annimmt. Eine Beamtin am Röntgenschirm registriert jetzt schon die ersten genervten Reaktionen. "Das ist schon wieder zu lange her".

Wie lange die Kontrollen dauern, hängt allerdings ganz wesentlich von den Passagieren ab. Handgepäck-Berge, die nur noch per Kofferkuli zu bewältigen sind, sind ein Dauer-Ärgernis auf allen Flughäfen.

Je mehr Handgepäck, desto mehr muss ausgepackt werden, mahnt Oberndörfer. Und das dauert dann. Lufthansa-Sprecherin Bettina Rittberger empfiehlt, mindestens eine halbe Stunde mehr einzuplanen als gewohnt. Für Nordamerika-Reisende gilt: Check-In zwei Stunden vor Abflug.

Röntgen vor dem Check-In

Stärker kontrolliert wird auch das aufgegebene Gepäck. Allerdings ist für eine gründliche Durchleuchtungs-Prozedur nach modernsten Gesichtspunkten kein Platz. Notdürftig wurden vor einiger Zeit Röntgen-Apparate vor den Check-In-Schaltern aufgestellt. Im neuen Terminal 2, das 2003 eröffnet werden soll, sind hinter den Check-In-Schaltern Räume für ein mehrstufiges, weitgehend automatisches Kontrollverfahren reserviert.

Ob Gepäck auch in Abwesenheit des Besitzers geöffnet werden darf, hält Franz Lutz vom Luftamt allerdings "rechtlich für eine interessante Frage".