Von Martin Thurau

Die Argumente der Gegner eines Ringausbaus

(SZ vom 25.01.1996) - Sie halten den Ausbau des Mittleren Ringes für das Menetekel einer verfahrenen Verkehrspolitik, für ein Symbol der schleichenden Vergiftung der Münchner, für ihre langsame Vertreibung aus einer unwirtlichen, nur autogerechten Stadt. Eine Zahl tragen die Tunnel-Kritiker in der Debatte wie eine Monstranz vor sich her: Mehr als 20 Millionen Kilometer legen Fahrzeuge in München zurück - täglich.

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Seit Jahren klettert diese Marke unaufhaltsam. Den Trend zu brechen, halten sie für das Maß der Dinge; je nach politischer Herkunft betreiben sie dies jedoch mit unterschiedlicher Vehemenz.

Die drei Straßenröhren, so beklagen sie allerdings unisono, setzten falsche Signale und zementierten die falsche Politik.

Das sind ihre Argumente: Tunnel verlagern nur den Stau, bis zum nächsten Engpaß. Auch auf dem Ring selbst wird es möglicherweise eng.

Kritiker wie der grüne Ökopolitiker und Münchner Umweltschutzreferent Joachim Lorenz befürchten neue Dauerstaus beispielsweise im Bereich Chiemgaustraße, Innsbrucker Ring oder quer durch den Englischen Garten, 'wenn der durch zwei Tunnelbauten eingekeilt wird'.

Tunnel sorgen für zusätzlichen Verkehr

Tunnel sorgen für zusätzlichen Verkehr, vor allem auf den Zu- und Abfahrten. Der Ausbau des Ringes erhöht die Leistungsfähigkeit. Das wiederum bedeutet mehr Autos auf Straßen, die dafür nicht die Kapazitäten haben. 'Sie müssen die schwächsten Punkte im Netz betrachten', mahnt Lorenz.

Die Autofahrten beginnen nicht, noch enden sie auf dem Ring; er ist nur ein Verteilerkreisel. Pkw und Lkw, spottet der Stadtplaner Karl Klühspies, 'werden schließlich nicht mit dem Hubschrauber auf den Ring gesetzt'.

Bei den bislang gebauten Tunnels in München hat sich das Aufkommen im Umkreis überproportional erhöht, rechnet das Umweltschutzreferat vor.

Tunnel sorgen deshalb für insgesamt mehr Lärm und Schadstoffe. Im Münchner Norden trifft das, befürchten die Tunnelgegner, vor allem die Anwohner beispielsweise von dichtbesiedelten Routen: Belgrad-, Knorr-, Schleißheimer oder der nördlichen Leopoldstraße.

Manche der zusätzlich betroffenen Straßen haben den Charakter von Schluchten, was sich auf die Verteilung der Schadstoffe besonders verhängnisvoll auswirkt.

Tunnel setzen nur punktuell am Verkehrsnetz an. Nahezu im ganzen Stadtgebiet ist die Belastung mit teilweise krebserregenden Schadstoffen besorgniserregend hoch.

Eine erfolgreiche Therapie gegen den Verkehrsinfarkt jedenfalls werde die dreifache Gefäßerweiterung nicht sein.

An vielen radialen Ausfallstraßen bleiben neuralgische Punkte. Im Tunnel ist das Geld an falscher Stelle vergraben.

Die erforderlichen Bundeszuschüsse seien vom Bonner Ministerium hauptsächlich für den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs gedacht, weniger für den Straßenbau.

Langfristig biete jedoch nur ein üppig ausgebautes Netz von U- und S-Bahn sowie Tram Gewähr für den nötigen Abwärtstrend - bei gleichzeitigen Restriktionen für den Individualverkehr. Auch dafür habe die Stadt bereits die Gutachten in der Schublade.

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