Verkehr Tierpark stoppt Pläne für neues Parkhaus

Die Idee war, dass auf dem Gelände des bestehenden Parkplatzes ein mehrstöckiges Parkhaus entstehen soll.

(Foto: Claus Schunk)
  • Die Wahrscheinlichkeit, dass der Tierpark ein neues Parkhaus an der Siebenbrunner Straße bekommt, ist gesunken.
  • Das Planungsreferat bewertet den geplanten Standort sehr kritisch, weil Teile des Areals unter besonderem Naturschutz stehen.
  • Bürgermeisterin Christine Stroble (SPD) will trotzdem an dem Bau festhalten und neue Standorte vorschlagen.
Von Dominik Hutter

Die Probleme beim geplanten Bau eines neuen Tierpark-Parkhauses sind offenbar größer als gedacht. Nach Auskunft von Bürgermeisterin Christine Stroble (SPD) rechnet das Planungsreferat aus Naturschutzgründen mit erheblichen Schwierigkeiten bei der Durchsetzung des Projekts. "Die Stellungnahme ist sehr kritisch ausgefallen", berichtet Strobl. Übernächste Woche werde sich der Aufsichtsrat mit der unerwartet komplizierten Sachlage beschäftigen. Bis dahin habe Zoo-Chef Rasem Baban die Planungen erst einmal ausgesetzt.

Die Pläne, auf dem Gelände der bestehenden Stellplätze an der Siebenbrunner Straße ein mehrstöckiges Parkhaus zu errichten, sind seit langem umstritten. Denn Teile des Areals sind nach europäischem Recht als FFH-Gebiet ausgewiesen. Die Rathaus-Grünen, aber auch die Münchner SPD, halten zudem aus prinzipiellen Erwägungen ein neues Parkhaus in Hellabrunn für nicht mehr zeitgemäß.

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Grünen-Stadträtin Katrin Habenschaden fühlt sich durch den temporären Planungsstopp in ihrer ablehnenden Haltung bestätigt. Ein FFH-Gebiet werde nicht zum Spaß ausgewiesen, sondern weil es dort schützenswerte Pflanzen und Tiere gibt. Zudem habe der Stadtrat erst kürzlich die Ziele des auch von den Grünen unterstützten Bürgerbegehrens für saubere Luft übernommen, das sich für eine Wende in der Verkehrspolitik engagiert hatte. "Wären unsere Warnungen früher ernst genommen worden, hätte man Planungskosten in erheblichem Umfang sparen können", so Habenschaden.

Endgültig vom Tisch ist das Parkhaus jedoch keineswegs, betont Strobl, die den Vorsitz im Aufsichtsrat innehat. Es sei wichtig, den Aufsichtsrat mit der neuen Situation zu konfrontieren - wie es dann weitergeht, sei offen. Nach Auskunft Strobls richten sich die Einwände des Planungsreferats nicht gegen ein Parkhaus an sich, sondern gegen den Standort. Genau das aber sei in Hellabrunn ein großes Problem: Denn der in den Isarauen gelegene Tierpark verfügt nur über eine begrenzte Zahl an Parkmöglichkeiten, die zu den Zoo-Stoßzeiten wie gerade erst an Ostern regelmäßig überfüllt sind.

Zwar hat die MVG eine neue Expressbuslinie zwischen Hauptbahnhof und Tierpark eingerichtet, und 70 Prozent aller Münchner kämen ohnehin per Fahrrad oder mit dem Nahverkehr. Ob aber auch eine große Zahl an auswärtigen Besuchern auf das neue Angebot umsteigt, ist ungewiss. Strobl geht davon aus, dass die Parkhaus-Pläne trotz der Schwierigkeiten weiter verfolgt werden.

Vom Planungsreferat aufgezeigte Alternativen werden im Rathaus offenbar sehr kritisch gesehen. Eine Überplanung der nahen Kleingartenanlage ist in den Augen Strobls völlig ausgeschlossen. Und auch ein Parkhaus am Candidplatz plus Shuttleservice gilt bislang nicht als der Weisheit letzter Schluss.

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