Verkehr Neue Tiefgarage am Rindermarkt? Super, noch mehr Autos in der Innenstadt!

Geduldsprobe: Nicht nur in der Weihnachtszeit schieben sich die Autos Stoßstange an Stoßstange durch die verstopfte Innenstadt.

(Foto: Florian Peljak)

Was das Zentrum dringend braucht, sind weniger Fahrzeuge - und keine Abstellplätze für private Autos.

Kommentar von Andreas Schubert

Am Rindermarkt wollen sie eine neue Tiefgarage bauen! Jetzt mal kurz die Augen gerieben - ja, richtig gelesen: Am Rindermarkt wollen das Sporthaus Schuster und das Unternehmen Wöhr und Bauer tatsächlich eine öffentliche Tiefgarage bauen, als Ausgleich für das Parkhaus am Färbergraben, das abgerissen werden soll. Schön, schön: Das Ganze soll eine Art Mobilitäts-Hotspot werden, mit Fahrradparkplätzen und Ladestationen für Elektroautos. Aber das ist nichts als Augenwischerei. Letztlich bleibt die Tiefgarage, was sie ist: ein Abstellplatz für private Autos.

War da nicht irgendwas mit Stickoxiden und Feinstaub in Münchens Luft? Hat nicht Oberbürgermeister Dieter Reiter höchstselbst gesagt, er gehe davon aus, dass im Jahr 2030 keiner mehr mit Verbrennungsmotor Richtung Marienplatz fährt? Wird nicht gefühlt jede Woche irgendwo in der Stadt über die Mobilität der Zukunft diskutiert, die eben eine Minimierung des Autoverkehrs vorsieht? Ist nicht die Münchner Innenstadt sehr gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen?

Öffentliche Tiefgarage unter dem Rindermarkt geplant

Das Sporthaus Schuster und das Unternehmen W+B wollen Parkplätze in der Innenstadt ersetzen. Von den Plänen sollen nicht nur Autofahrer profitieren. Von Alfred Dürr mehr ...

Ist so! Da mutet die Idee, weiterhin Autos mitten ins Zentrum zu lotsen und dafür eigens ein neues Angebot zu schaffen, nachgerade absurd an. Die Autofahrer werden das Angebot dankend annehmen. Selbst ein modernes Parkleitsystem, das anzeigt, wann die Parkhäuser voll sind, wird sie nicht davon abhalten, dennoch ihr Glück zu versuchen und notfalls eben in der Einfahrt zu warten.

Das sieht man an Samstagen sehr gut am Parkhaus am Oberanger, vor dem sich regelmäßig eine Schlange bildet, an der vorbeizufahren sowohl für Radler als auch für Auto- und Busfahrer riskant ist. Längst nicht jeder Wartende kommt dabei auf die Idee, seinen Motor abzustellen. Und wer keine Lust hat, sich in die Autoschlange zu stellen, kurvt dann eben dumm herumsuchend durchs Zentrum. Das braucht man nicht auch noch am Rindermarkt. Der Verkehr zur dort bestehenden Tiefgarage belastet den Platz sowie den Oberanger als Hauptzufahrtsstraße ausreichend.

Was das Zentrum dringend braucht, sind weniger Autos, das wäre gut für Luft und Aufenthaltsqualität. Wir schreiben schließlich das Jahr 2017 und nicht, wie mancher Innenstadthändler glauben mag, 1970.