Verkehr Allacher Tunnel: Autos sollen auf Standstreifen fahren, damit es keine Staus gibt

Auf drei Fahrspuren rauscht der Verkehr derzeit durch den Allacher Tunnel. Besonders zu den Hauptverkehrszeiten allerdings stehen die Autos auch oft.

(Foto: Stephan Rumpf)
  • Im Allacher Tunnel kommt es oft zu langen Staus.
  • Die Standspur könnte freigegeben werden, um Linderung zu verschaffen.
  • Doch auf lange Sicht hilft wohl nur eine dritte Röhre, um das Verkehrsaufkommen zu bewältigen.
Von Marco Völklein

Die Planer des Freistaats überlegen, bei längeren Staus oder hohem Verkehrsaufkommen im Allacher Tunnel den Seitenstreifen temporär freizugeben. Gutachter hätten die grundsätzliche Machbarkeit einer solchen Lösung bestätigt, sagt Wolfgang Wüst, Präsident der Autobahndirektion Südbayern. Konkrete Pläne allerdings liegen noch nicht vor. "Das ist kein Projekt, das wir morgen gleich umsetzen", sagt Wüst. In zwei, drei oder vier Jahren könnte es aber durchaus Realität werden.

Laut ADAC wäre das der bundesweit erste Autobahntunnel, in dem eine solche Freigabe ermöglicht würde. Ähnliche Überlegungen gibt es noch für einen Autobahntunnel im Raum Stuttgart. "Sinnvoll" wäre die Sache ohnehin, sagt ADAC-Sprecher Andreas Hölzel. Mit den temporären Freigaben würden unfallträchtige Staus aufgelöst, der Verkehr würde verflüssigt.

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Immer wieder lange Staus

Der Allacher Tunnel mit seinen drei Spuren pro Fahrtrichtung gilt "als das Nadelöhr auf dem Autobahnring", wie Wüst sagt. Immer wieder bilden sich lange Staus. An einem durchschnittlichen Tag passieren etwa 118 000 Autos die beiden Röhren. Nötig wäre laut Wüst dringend eine dritte Röhre, die wohl südlich an den bestehenden Tunnel angestückelt werden könnte. Eine entsprechende Aufweitung der A 99 zwischen dem Autobahndreieck Allach und der Anschlussstelle Ludwigsfeld hat der Freistaat bereits für den Bundesverkehrswegeplan beim Bund angemeldet.

Noch vor Ostern, so hört man es aus Parlamentskreisen in Berlin, soll dieser Plan nun vorgelegt werden. Mit ihm bestimmt der Bund, welche Straßen in Deutschland in den nächsten zwei Jahrzehnten aus- oder neu gebaut werden sollen - und mit welcher Priorität. "Erst dann", sagt Wüst, "ist klar, welche Projekte wir hier angehen können."

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Ein halbes Dutzend Autobahnrojekte

Denn neben der Erweiterung des etwa einen Kilometer langen Allacher Tunnels hat der Freistaat allein in und um München etwas mehr als ein halbes Dutzend Autobahnprojekte angemeldet - unter anderem den achtstreifigen Ausbau der A 92 zwischen dem Kreuz Neufahrn und dem Abzweig zum Flughafen, die Erweiterung auf acht Fahrstreifen auf der A 8 zwischen dem Kreuz München-Süd und Holzkirchen oder den Ausbau der A 94 im Münchner Osten zwischen Steinhausen und Feldkirchen-West sowie zwischen dem Kreuz München-Ost und Markt Schwaben.

Wüst hofft, dass möglichst viele Münchner Projekte am Ende als ganz besonders dringlicher Bedarf eingestuft werden - denn nur dann fließt angesichts der Masse an Projekten nach Einschätzung von Beobachtern auch wirklich Geld. Die A 99 aber, und insbesondere der Allacher Tunnel, "müsste aus unserer Sicht eine sehr hohe Priorität bekommen", sagt Wüst. Eben weil es dort ganz besonders eng zugeht.