Verhütungskosten für Hartz-IV-Empfänger Moralischer und finanzieller Aspekt

Jutta Koller, grüne Stadträtin, hat den Antrag unterzeichnet. "Wir können niemandem den Sex verbieten, nur weil er oder sie sich keine Verhütung leisten kann", sagt Koller. Ihr Antrag sieht vor, dass der Stadtrat mehr Geld an Pro Familia bezahlt. "Wir wollen den Verein stärken, ihm aber nicht die Arbeit abnehmen." Koller schätzt, dass das die Stadt etwa 30.000 Euro kosten würde.

Dass die Idee funktionieren kann, zeigen andere deutsche Kommunen. Berlin, das Land mit der höchsten Hartz-IV-Quote, zahlt Bedürftigen seit 2008 die Pille. Dort verteilt nicht Pro Familia, sondern das Gesundheitsamt das Geld an Bedürftige. Das kostete die Stadt jährlich 2,6 Millionen Euro. Dafür ist die Abtreibungsquote gesunken. Denn das ist das Paradoxe: Verhütung müssen Hartz-IV-Empfänger selbst zahlen, Abtreibungen zahlt das Bundesland. Ein Schwangerschaftsabbruch kostet etwa 500 Euro.

Zwar übernehmen die Krankenkassen diese Kosten zunächst. Sie holen sie sich aber für bedürftige Frauen von den Ländern zurück. Bayern hat im vergangenen Jahr die Kosten für knapp 10.000 Abtreibungen erstattet und dafür 4,2 Millionen Euro gezahlt. Das ist der höchste Wert seit 2005.

Der Antrag der Grünen zielt also auf einen moralischen und auf einen finanziellen Aspekt: Wenn die Kommune die Kosten für Verhütung übernimmt, erspart sie Frauen die Tortur einer Abtreibung und dem Land Kosten. Derzeit prüft das Sozialreferat, ob der Antrag in München umgesetzt werden kann.

Dunja Nahini braucht so lange nicht zu warten. Pro Familia hat ihr eine Hormonspirale bezahlt. Vor einer ungewollten Schwangerschaft muss Nahini keine Angst mehr haben.