Von Von Klaus Ott

Die Staatsanwaltschaft hat gegen KarlHeinz Wildmoser junior Anklage wegen Bestechlichkeit beim Bau der neuen Fußballarena erhoben. Außerdem habe der ehemalige Stadionchef die Arena GmbH des FC Bayern und des TSV 1860 geschädigt und Steuern hinterzogen.

Wildmosers Schulfreund Stefan Dung, über den das Schmiergeld teilweise geflossen sein soll, wird der Beihilfe beschuldigt.

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Die Münchner Stadionaffäre, die weltweit Aufsehen erregt hat, wird juristisch nun zügig aufgearbeitet. Knapp sechs Monate nach der spektakulären Inhaftierung des jungen Wildmosers liegt die Anklageschrift gegen den ehemaligen Geschäftsführer der Allianz Arena GmbH und des TSV 1860 München vor.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Sohn des ehemaligen Löwen-Präsidenten Karl-Heinz Wildmoser Senior vor, er habe dem österreichischen Baukonzern Alpine Anfang 2002 geheime Insider-Informationen über das Stadionprojekt gegeben und nach dem Zuschlag für Alpine knapp 2,6 Millionen Euro Schmiergeld kassiert. Dazu seien etwas mehr als 200.000 Euro an den Mittelsmann Dung und einen weiteren Helfer geflossen.

Die Allianz Arena GmbH des FC Bayern und des TSV 1860 sei um diese 2,8 Millionen Euro geschädigt worden. Alpine habe das Bestechungsgeld in die Bausumme von 286 Millionen Euro einkalkuliert. Für diesen Betrag errichtet der Konzern die neue Fußballarena in Fröttmaning im Auftrag der beiden Bundesliga-Klubs, die dort von Sommer 2005 an spielen. In dem Stadion, das Platz für 66 000 Zuschauer bietet, wird im Juni 2006 die Fußball- Weltmeisterschaft eröffnet.

Ob die 85-seitige Anklage der Staatsanwaltschaft gegen Wildmoser jun. und Dung zugelassen wird, entscheidet die vierte Strafkammer des Landgerichts unter Vorsitz von Huberta Knöringer. Die erfahrene Richterin ist bereits seit einiger Zeit mit dem Fall befasst. Ende Juni lehnte Knöringer eine Haftbeschwerde der Kanzlei Bub, Gauweiler und Partner ab, die den jungen Wildmoser verteidigt.

Die Strafkammer befand, es bestehe ein dringender Tatverdacht gegen den ehemaligen Stadionchef. Um ihn aus der Untersuchungshaft zu entlassen, fehle es außerdem am nötigen Vertrauen. In Justizkreisen gilt es als sicher, dass das Landgericht die Anklage akzeptiert und noch im Herbst mit dem Verfahren beginnen will.

Als frühester Zeitpunkt für den Beginn des Prozesses, der sich über mehreren Wochen oder gar Monate hinziehen dürfte, wird Mitte November genannt. Für Knöringer wäre es das dritte Verfahren mit prominenten Angeklagten binnen weniger Jahre. Die Expertin für Wirtschafts-Straftaten hat bereits Tennis-Hero Boris Becker sowie die abgestürzten Börsenstars Thomas und Florian Haffa verurteilt.

Sollten sich die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft gegen Wildmoser junior bestätigen, müsste der frühere Stadion-Geschäftsführer mit einer mehrjährigen Haftstrafe rechnen.

Anfangs hatten die Strafverfolger auch Wildmoser senior in Verdacht, das Ermittlungsverfahren wurde später eingestellt. Sein Amt als Löwen-Präsident verlor der Wies'n-Wirt und Großgastronom (Donisl) aber. Die Zahlungen der Alpine, die von der Staatsanwaltschaft als Schmiergeld eingestuft werden, waren größtenteils bei der von den beiden Wildmosers gemeinsam betriebenen Firma Weißer Hirsch Immobilien (WHI) eingegangen.

Für einen Teil der Summen stellte die WHI, wie mehrere Beteiligte aussagten, "Scheinrechnungen" an den Immobilienmakler Dung aus, einen Schulfreund des Juniors. Dung wiederum kassierte bei Alpine für angebliche Maklerdienste und ein Projekt China Ningbo, das freilich nie existierte. So flossen etwa 1,25 Millionen Euro aus Österreich nach Deutschland.

Die übrigen 1,55 Millionen Euro wurden ebenfalls trickreich transferiert. Die WHI verkaufte im Juli 2003 eine Immobilie in Dresden für 2,22 Millionen Euro an eine Tochtergesellschaft der Alpine, die Acoton.

Eine weitere Firma mit Namen Stadtprojekt GmbH (Geschäftsführer: Wildmoser jun.) wiederum verpflichtete sich, das teilweise bebaute Grundstück bis spätestens März 2008 zurückzunehmen, für bescheidene 670.000 Euro. Die Differenz hätte der junge Wildmoser eingestrichen, wäre die Justiz nicht dazwischen gegangen.

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