Die Münchner SPD will nicht, dass Popstars Bürger beleidigen. Eine Charta soll Künstler wie Bushido oder Rammstein aus der Stadt verbannen.
Wenn es um etwas wirklich Bedeutendes geht, ruft die Politik gerne eine "Charta" ins Leben - man denke an die Magna Charta (1215), die Charta der Vereinten Nationen (1945) oder die Charta der Grundrechte der Europäischen Union (2009).
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Sollte sich die Münchner SPD mit ihrer Charta gegen "Hassmusiker" durchsetzen, würden Bands wie Rammstein nicht mehr in München auftreten dürfen. (© Foto: Rumpf)
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Und deshalb, so dachten sich wohl die drei Münchner SPD-Stadträte Andreas Lotte, Christian Müller und Irene Schmitt, braucht es nun eine "Münchner Charta für die Musikszene". Sie fordern in einem förmlichen Antrag vom städtischen Kulturreferat, alle Veranstalter und Hallenbetreiber einzuladen, eine solche Charta zu entwickeln.
Es ist nämlich so, dass es in München das "Backstage" gibt, eine Konzerthalle, die immer mal wieder jamaikanische Reggae-Musiker auftreten lässt, die für homophobe Texte bekannt sind. Deshalb wollen die drei Stadträte jetzt eine Selbstverpflichtung von Veranstaltern und Musikern: "Künstler, die in München auftreten, sollen sich verpflichten, auf diskriminierende oder gewaltverherrlichende Darbietungen zu verzichten", heißt es in dem Antrag.
Es gehe nicht an, dass ein Sänger "Teile der Bevölkerung beschimpft, böswillig verächtlich macht oder verleumdet". In München kenne man eben noch Tabus, anders als CSU-Ministerpräsident Horst Seehofer, der Bushido, diesen "Hassmusiker" (die Anführungszeichen befinden sich tatsächlich auch so im Antragsschreiben), bei der jüngsten Bayerischen Filmpreisverleihung aufgefordert habe, einen Werbesong für die CSU zu texten.
Die Zeiten werden also nicht leichter für Hassprediger vom Schlage eines Bushido, sollte in München tatsächlich die Charta beschlossen werden. Immerhin ließe sich so das Überangebot an Popkonzerten in München von monatlich gut 200 auf ein verträgliches Maß senken. Praktisch sämtliche Hip-Hop-Stars blieben außerhalb der Stadtmauern, ebenso Rammstein, AC/DC, und überhaupt etwa die Hälfte aller Popmusik, die ja leider nicht nur aus Liebesliedern besteht.
Als nächsten Schritt wäre dann daran zu denken, die Fangesänge in Fußballstadien genauer unter die Lupe zu nehmen: Was da an Böswilligkeit, Verleumdungen und Verächtlichmachung zu hören ist, schreit ja geradezu nach einer weiteren Charta.
- Rammstein in München Blümchensex mit dem Flammenwerfer 24.11.2009
- AC/DC in München Meilenweit an der Hölle vorbei 28.03.2009
- Marilyn Manson in München Der Schock-Opa 25.11.2009
- Metallica in München Mehr als nur Schwermetall 07.05.2009
- Münchner Dokumentarfilmfestival Mehr Platz in der Hochkultur 05.05.2010
- Ausstellung in der White Box Kunst der Zukunft 03.05.2010
- Aus für Rohrer & Brammer Es stört der Dritte im Bunde 03.05.2010
(SZ vom 13.02.2010/wib)
Kanzlerin Merkel und die Macht
Die neueste Antwort
endlich wird mal was gegen dieses musikmachende Pack getan...
bitte auch gleich J.B.O. und K.I.Z verbieten... die Ironie in den Texten könnte die Bevölkerung zum nachdenken bringen und wäre gefährlich für die Demokratie...
Es ist immer wieder schön zu beobachten, dass soziale Probleme in Musik, Film, Fernsehn und neueren Medien gesucht wird aber nie bei den Menschen selber. Klärt auf statt zu verbieten...
Dazu noch ein Zitat vom Rammstein Keyboarder Flake zur Zensur des aktuellen Albums:
"Für wie dumm halten diese Leute eigentlich unsere Fans? Oder meinen sie im Ernst, irgendjemand sieht das als Aufruf, in den Baumarkt zu gehen, eine Rolle Stacheldraht zu kaufen und einer Frau durch den Harnkanal zu ziehen?"
Lieber Flake... die Antwort ist JA!
Warum nennen sie es nicht gleich "Musikcharta wider der entarteten Kunst" und organisieren gleich wie einst 1937 die passende Ausstellung dazu im Hofgarten?! Die drei SPD(!!)-Stadträte werden dann sicher gern auch die Rolle des "Volkbildungsministers" übernehmen und zuverlässig entscheiden welche Musik "entartet" ist und die Musikszene entsprechend "bereinigen".
Es ist einfach unglaublich und macht mich absolut sprachlos, wie wenig manche aus unserer Geschichte gelernt haben - gerade in München..
ein Hirnwindung weniger, so würde er auf allen Vierenlaufen.
Das durchschnittliche Stimmvolumen eines Rappers beträgt eine viertel Oktave. Deswegen sollte man das "Gerufe" eines Rappers nicht mit Gesang verwechseln. Das Unvermögen, Harmonien zu beherrschen wurde hier zur "Kunst" erklärt.
Siehe auch: http://www.stupidedia.org/stupi/Rapper
Endlich kümmert sich einmal jemand um dieses dringend zu klärende Thema. Danke!
Eine Bitte an die drei Stadträte habe ich noch. Vergesst das Volkslied nicht! Ich habe erschreckende Beispiele gefunden. Mit das schlimmste stammt textlich von einem gewissen W.A. Mozart (Auftrittsverbot!):
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Freunde, lasset uns beim Zechen
wacker eine Lanze brechen!
Es leb der Wein, die Liebste mein!
Drauf leer sein Gläschen jeder aus
Mit euch ist gar nichts anzufangen
da sitzt ihr still wie Hopfenstangen
Sie lebe hoch! So schreiet doch!
Sie lebe hoch! So schreiet doch,
so schreiet doch!
Seid ihr wie Stockfisch denn geworden stumm?
So schreit, so schreit, so schreit, ihr Esel,
doch, seid nicht so dumm!
Es lebe die Lieb und der Wein
Was könnt auf Erden schöneres sein?
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Verherrlichung von Drogen, ggf. Unzucht (je nach Interpretation) UND dazu noch beleidigend!
Es gibt also viel zu tun für die drei!
Gruesse
csuess
PS: Gut pariert, Herr Kotteder!
Hi, pira26,
will doch die SPD-München Musiker, wie Seehofers guten Kumpel Bushido, die Gewalt verherrlichen und das Publikum beschimpfen - was ja nun wirklich Bayerischer "Leitkultur" gegen den Strich bürstet und originär bayerische Gefühle verletzt -, auf den Index einer Charta setzen. Dabei setzt die SPD doch bezüglich Bushido das Wort Hassmusiker tatsächlich relativierend in Anführungsstriche - "Hassmusiker"! Das geht aber nun wirklich nicht, da muss man sich doch entschieden bekennen, oder?
Also, bitte mal an Ihre CSU-Zentrale, Herrn Staats-Ministerpräsidenten Seehofer persönlich, weiterreichen, mit Bitte um dringende Klärung!
Danke!
mfG - JaAber
:-)))