Von Franz Kotteder

Die Münchner SPD will nicht, dass Popstars Bürger beleidigen. Eine Charta soll Künstler wie Bushido oder Rammstein aus der Stadt verbannen.

Wenn es um etwas wirklich Bedeutendes geht, ruft die Politik gerne eine "Charta" ins Leben - man denke an die Magna Charta (1215), die Charta der Vereinten Nationen (1945) oder die Charta der Grundrechte der Europäischen Union (2009).

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Sollte sich die Münchner SPD mit ihrer Charta gegen "Hassmusiker" durchsetzen, würden Bands wie Rammstein nicht mehr in München auftreten dürfen. (© Foto: Rumpf)

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Und deshalb, so dachten sich wohl die drei Münchner SPD-Stadträte Andreas Lotte, Christian Müller und Irene Schmitt, braucht es nun eine "Münchner Charta für die Musikszene". Sie fordern in einem förmlichen Antrag vom städtischen Kulturreferat, alle Veranstalter und Hallenbetreiber einzuladen, eine solche Charta zu entwickeln.

Es ist nämlich so, dass es in München das "Backstage" gibt, eine Konzerthalle, die immer mal wieder jamaikanische Reggae-Musiker auftreten lässt, die für homophobe Texte bekannt sind. Deshalb wollen die drei Stadträte jetzt eine Selbstverpflichtung von Veranstaltern und Musikern: "Künstler, die in München auftreten, sollen sich verpflichten, auf diskriminierende oder gewaltverherrlichende Darbietungen zu verzichten", heißt es in dem Antrag.

Es gehe nicht an, dass ein Sänger "Teile der Bevölkerung beschimpft, böswillig verächtlich macht oder verleumdet". In München kenne man eben noch Tabus, anders als CSU-Ministerpräsident Horst Seehofer, der Bushido, diesen "Hassmusiker" (die Anführungszeichen befinden sich tatsächlich auch so im Antragsschreiben), bei der jüngsten Bayerischen Filmpreisverleihung aufgefordert habe, einen Werbesong für die CSU zu texten.

Die Zeiten werden also nicht leichter für Hassprediger vom Schlage eines Bushido, sollte in München tatsächlich die Charta beschlossen werden. Immerhin ließe sich so das Überangebot an Popkonzerten in München von monatlich gut 200 auf ein verträgliches Maß senken. Praktisch sämtliche Hip-Hop-Stars blieben außerhalb der Stadtmauern, ebenso Rammstein, AC/DC, und überhaupt etwa die Hälfte aller Popmusik, die ja leider nicht nur aus Liebesliedern besteht.

Als nächsten Schritt wäre dann daran zu denken, die Fangesänge in Fußballstadien genauer unter die Lupe zu nehmen: Was da an Böswilligkeit, Verleumdungen und Verächtlichmachung zu hören ist, schreit ja geradezu nach einer weiteren Charta.

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(SZ vom 13.02.2010/wib)