Veganes Restaurant Gratitude Roh und raffiniert

Veganes Essen - im Gratitude sieht es auch gut aus.

(Foto: oh)

Immer mehr Menschen haben immer weniger Lust auf Fleisch - sie ernähren sich vegetarisch oder gleich vegan. Aber wo bleibt der Genuss? Ein Besuch im Münchner Restaurant Gratitude.

Von Beate Wild

Es scheint, als habe das Gratitude genau zum richtigen Zeitpunkt eröffnet. Schweinepest, Rinderwahn, Gammelprodukte - und jetzt auch noch der Pferdefleisch-Skandal. Wer kann da noch guten Gewissens sein Schnitzel oder seine Lasagne essen? In der Türkenstraße gibt es seit ein paar Wochen einen Gegenentwurf zur bayerischen und fleischlastigen Kost: Veganes, Frisches und Hausgemachtes bietet das kleine Lokal, das sich dem guten und gesunden Essen verschrieben hat.

Salat, Gemüse, Fleischersatz - seit geraumer Zeit ist vegetarisches oder veganes Essen auch in Deutschland schwer im Kommen. Die Zahl der Vegetarier und Veganer hat in den vergangenen zwei Jahrzehnten weltweit stetig zugenommen. In Deutschland sollen laut Vegetarierbund aktuell etwa sieben Millionen Vegetarier leben, angeblich kommen jeden Tag 2000 neue Fleischverweigerer dazu. In Berlin stellt fleischlose Ernährung schon lange eine Alternative zu Currywurst und Pommes dar. Auch im kulinarisch eher konservativen München springen immer mehr Lokale auf den Trend auf. Neben dem inzwischen etablierten Max Pett am Sendlinger Tor gibt es kleine vegane Imbisse wie das Yam Vegan Deli in der Augustenstraße oder das Boonian in der Schrannenhalle - allem Anschein nach kommen sie gut an beim Publikum.

Doch schmeckt veganes Essen überhaupt? Oder ist das nur etwas für Körner-Gurus und konsequente Tierschützer, die zu viel Jonathan Safran Foer konsumiert haben? Im Gratitude stehen Gerichte auf der Karte, die "I am beautiful" (Salat mit Ofenkürbis), "I'm grounded" (Asiagemüse mit Reis) oder "Chili sin carne" (Weißer Bohneneintopf ohne Fleisch) heißen. Neben Salaten und warmen Hauptgerichten sind Smoothies, Suppen und Rohkost-Kuchen im Angebot. Den Milchkaffee trinkt man selbstverständlich mit Sojamilch. Alles ist frisch und originell zubereitet. Und das Beste: Es schmeckt!

Das Innere des Lokals ist hell und freundlich, die Gäste sitzen an kleinen Holztischen: eine Gruppe junger Hipster, eine Frauenclique, ein paar Pärchen. Geduldig erklärt die Kellnerin, was "Rawfood-Gerichte" sind: Unter Rohkost versteht man nicht nur Salat, sondern alle Lebensmittel, die nicht über 42 Grad erhitzt werden. Damit sollen wichtige Enzyme und Vitamine erhalten bleiben. Als Desserts stehen noch süße Leckereien wie schwarzes Sesam-Eis mit Rosencreme oder ein Raw Chocolate Chip Cookie zur Auswahl.

Der neue Vegetarismus hat nichts mehr von zwanghaftem Verzicht, der Genuss-Faktor darf nicht zu kurz kommen. Hollywood-Schauspieler leben vor, dass man ohne Fleisch gesünder und schlanker ist und nebenbei noch etwas für die Umwelt tut. Im Gratitude verkehren jedenfalls keine Ideologen, sondern normale Münchner, die mal etwas anderes ausprobieren und ohne Tierprodukte schlemmen wollen. Es muss ja nicht gerade Lasagne sein.

Helles, freundliches Ambiente und vegane Küche: das Gratitude in der Maxvorstadt.

(Foto: Axel Hechelmann)