Vegan leben in München "Ich rauche, ich trinke, ich esse Chips"

Auch Sandra Forster sagt, sie habe kein ausgeprägtes Sendebewusstsein, wenn es darum geht, andere zum Veganismus zu bekehren, sie sieht sich auch nicht als "Gesundheitsapostel": "Ich rauche, ich trinke, ich esse Chips." Sie plädiert dafür, Veganern wie Nichtveganern ein attraktives Angebot zu machen, das war's.

Hier werden ihr wohl auch die Geschäftsführer des neuen Gratitude zustimmen. Alle vier sind keine Veganer, doch in der Ausrichtung ihres Restaurants sind sie noch radikaler als die Konkurrenz. Das Gratitude hat sich auf Rohkost spezialisiert, bei der Hälfte aller Gerichte werden die Lebensmittel nicht über 42 Grad erhitzt, denn nur so bleiben alle Vitamine, Spurenelemente und Enzyme erhalten.

Den gesundheitlichen Aspekt will Geschäftsführer Alexander Lasslop, 43, aber gar nicht so in den Vordergrund stellen, sondern den kulinarischen: "Die Freude am Essen steht bei Rohkost bislang nicht so im Vordergrund, das wollen wir ändern." Für jemanden, der am Wochenende gerne mal einen saftigen Burger isst und darin "kein Verbrechen" sieht, ist das eine bemerkenswerte Aussage.

Veganismus ist also sexy, doch ist er auch gesund? Eine rein vegane Ernährung hält die Deutsche Gesellschaft für Ernährung bei Schwangeren, Neugeborenen und Kleinkindern nach wie vor für problematisch. Der Ökotrophologe Markus Keller, Leiter des Instituts für alternative und nachhaltige Ernährung in Gießen, sieht das anders. Er rät werdenden Eltern nur, sich beraten zu lassen.

Allerdings sagt er auch, eine vegane Ernährung sei "nicht zwangsläufig gesünder als eine nicht-vegane". Wichtig sei, auf eine abwechslungsreiche Zusammenstellung und eine breite Lebensmittelauswahl zu achten. Insbesondere müsse man das Vitamin B12 ergänzen, da dieses in ausreichender Menge nur in tierischen Lebensmitteln vorkomme. Die Versorgung damit könne man etwa durch Tabletten, angereicherte Lebensmittel - oder eine B12-haltige Zahnpasta sicherstellen.

Auf all dies könne man aber auch verzichten, sagt Claudia Renner, die ihren Lebenswandel in dem Blog "Claudi goes vegan" dokumentiert. In einem Eintrag hat sie ein Rezept veröffentlicht, für das man Datteln, Vanille, Kakao und Erdnüsse verwendet. Titel: "Snickers in rohvegan!!!"

Fleischlos glücklich

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