Vandalismus in München Polizei fasst Sprayer

Die Sprayer sprühten Parolen auf Häuser und Fahrzeuge in vielen Münchner Stadtteilen.

(Foto: Robert Haas)

"Tod den Yuppies": Diese Botschaft sprühten sie über Wochen auf Autos und Hauswände.

Von Ana Maria Michel und Thomas Schmidt

Sie sprühten Sprüche wie "Tod den Yuppies" an Häuserwände, beschmierten Autos und sogar Kirchen: Wochenlang zogen zwei Männer nachts durch München und richteten mit Sprühlackdosen einen Schaden von geschätzt einer Dreiviertelmillion Euro an. Als wäre ihnen dieser kriminelle Kick noch nicht genug, verhöhnten sie mit gesprühten Grußbotschaften auch noch das Fachdezernat 43 der Polizei, das für politisch motivierte, linke Kriminalität zuständig ist. Genau dessen Fahnder sind den Männern jetzt auf die Spur gekommen. Beamte nahmen einen 22-jährigen Wohnsitzlosen und einen 16 Jahre alten Gymnasiasten fest. Die Beschuldigten sitzen in Untersuchungshaft, der jüngere von beiden hat alle Taten gestanden.

Die Serie der Schmierereien begann am 8. September und wäre vielleicht noch wochenlang weitergegangen, wenn die Polizei die Sprayer nicht erwischt hätte. Insgesamt 344 Taten erfasste das K 43, das eigens eine Ermittlungsgruppe gegründet hatte, die "EG Lau". Zunächst vermuteten die Fahnder einen Zusammenhang mit den autonomen Hausbesetzern der "Für-Lau-Haus"-Gruppe, doch dieser Verdacht ließ sich nicht erhärten.

In die Falle getappt sind die Sprayer, weil sie sich von Überwachungskameras haben filmen lassen. Für eine eindeutige Identifizierung waren die Bilder zwar zu schlecht, aber sie führten die Ermittler auf die richtige Spur: Sie verglichen die Bilder mit besseren Aufnahmen aus U-Bahnhöfen in der Nähe der Tatorte - so erhielten sie scharfe Fotos von den Gesuchten. Den 22-Jährigen identifizierten die Polizisten sofort, denn er ist bereits polizeibekannt, unter anderem wegen Körperverletzung und Widerstands. Weil er keinen festen Wohnsitz hat, brauchte die Polizei ein Quäntchen Glück. Zufällig erkannte eine Streife den Mann wieder, als er am Donnerstagabend an einer Bushaltestelle saß und wartete. Seit seiner Festnahme schweigt er zu den Taten, doch auf seinem Rucksack stehen laut Polizei dieselben Parolen, die er an Wände gesprüht haben soll.

Der 16-Jährige war der Polizei noch nicht bekannt, die Fahnder sahen aber anhand der Videobänder, an welcher U-Bahn-Station er nach den Taten immer ausstieg. Also warfen Polizisten ein besonderes Auge auf den Bahnhof Fürstenried-West, wo sie den Gymnasiasten am Dienstag schließlich entdeckten und festnahmen. Eine leuchtend grüne Tasche, die er auch bei den Straftaten bei sich trug, verriet ihn. Laut Polizei stammt er aus einem gut situierten Elternhaus. Vater und Mutter seien sehr überrascht gewesen, als die Polizei gegen drei Uhr morgens an der Haustür klingelte.

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