Vandalismus in Milbertshofen Kirchengemeinde verzweifelt

Sie werfen Kirchenbänke um und urinieren ins Weihwasserbecken: Jugendliche tyrannisieren die Kirche St. Georg in Milbertshofen. Bislang hat der Pfarrer auf eine Anzeige verzichtet. Doch jetzt braucht er Hilfe.

Von Thomas Kronewiter

Sie kratzen ihre Namen in die Kirchentüren, sie stören die Abendgottesdienste, sie zünden Papier an, werfen es in die Kirchenbänke und sie urinieren sogar ins Weihwasserbecken. Die Jugendlichen, über die sich jetzt der Milbertshofener Pfarrer Olivier Ndjimbi-Tshiende erregt hat, lassen die Kirchenverwaltung, Gottesdienst-Besucher und das Seelsorgeteam mittlerweile regelrecht verzweifeln.

Der Pfarrer von St. Georg, der bislang auf jede Anzeige verzichtet hat, weil man sich als eine kinderfreundliche Gemeinde versteht, hat jetzt den Bezirksausschuss Milbertshofen-Am Hart in einem Schreiben um Hilfe gebeten. Allein werde die Kirchengemeinde der Heranwachsenden nicht mehr Herr.

Die Gemeinde, deren Kirche den Milbertshofener Platz optisch beherrscht, hat bisher versucht, bei Jugendlichen, die namentlich bekannt waren, auf die Familien einzuwirken - die, berichtete Anton Peter von der Kirchenverwaltung den Lokalpolitikern, hätten aber "kein Interesse" gezeigt.

In oder vor einem Gotteshaus seien Vorfälle, wie sie der Pfarrer schildert, nicht tolerierbar, glaubt man in der Gemeinde von St. Georg. "In keiner Moschee, in keinem Tempel und in keiner Synagoge sind solche Handlungen erlaubt. Warum wird die Kirche Sankt Georg so behandelt?", fragte Pfarrer Ndjimbi-Tshiende im Brief an die Lokalpolitiker; er bekam von SPD, CSU und Grünen Rückendeckung - und den Rat, sich umgehend an die Polizei zu wenden.

SPD-Sprecher Alfred Hummel-Haslauer riet außerdem, das Jugendamt zu verständigen. Jutta Koller von den Grünen war ebenfalls der Ansicht, Streetworker sollten sich an Ort und Stelle der Jugendlichen annehmen. Die Bezirksausschuss-Vorsitzende Antonie Thomsen (SPD) bot Anton Peter von der Kirchenverwaltung spontan ihre Mitwirkung an, "sollten Sie eine Mahnwache planen".

Nur Claus Wunderlich (FDP) bezog eine andere Position. Die jungen Leute seien "die typischen Produkte des Sozialstaats", meinte er. "Sie haben sich das Bett selbst gemacht, nun liegen Sie auch drin."