Vandalismus, Gestank, hohe Kosten München will WCs privatisieren

Die Münchner werden für ihre Geschäfte auf öffentlichen Toiletten künftig zahlen müssen. Um Kosten zu sparen, will die Stadt ihre WC-Anlagen verkaufen. Gegen das dann fällige Entgelt von bis zu einem Euro für die Benutzung erheben Sozialverbände scharfe Einwände.

Von Von Jan Bielicki

Wegen klammer Stadtkassen sei es "nicht mehr vertretbar, die Vorhaltung von öffentlichen WC-Anlagen den Bürgerinnen und Bürgern kostenlos anzubieten", schreibt die den Grünen nahe stehende Kommunalreferentin Gabriele Friedrich in einer Vorlage, über die heute der Kommunalausschuss des Stadtrates abstimmt. Deswegen will Friederich die Anlagen los werden.

Das Kommunalreferat verhandelt bereits mit einer Firma über eine Übernahme der drei meistbenutzten Anlagen der Stadt: den Toiletten im U-Bahnhof Marienplatz, im Stachus-Untergeschoss und am Sendlinger Tor. Friderich hofft so, jährlich bis zu 100.000 Euro Unterhaltskosten einzusparen.

Dazu würde der private Betreiber die Toilettenräume sanieren und sauber halten - was Stadträte aller Parteien für dringend nötig halten: Obwohl Putzgeschwader sechs Mal am Tag durch die Klos unter dem Marienplatz wischen, "ist es da schon sehr versifft", sagt die grüne Stadträtin Sedef Özakin. Einen Grund für den üblen Zustand der Sanitärräume sieht die Referentin Friderich auch in "negativem Benutzerverhalten": Zunehmender Vandalismus lasse die Anlagen verkommen.

Privatanbieter soll WCs übernehmen

Dafür, die Toiletten in eigener Regie zu modernisieren und zu reinigen, fehlt der Stadt jedoch das Geld. Eine Sanierung aller 73 städtischen Anlagen würde laut einer Bestandsaufnahme des Kommunalreferats rund 6,3 Millionen Euro kosten. Dazu kämen jährlich bis zu 1,5 Millionen Euro für Unterhalt und Reinigung der Toiletten. Dabei hat die Stadt wegen des seit 2001 laufenden Sparprogramms bereits beschlossen, sechs städtische Toilettenhäuschen zuzusperren. Sie spart dadurch an jedem Standort 23.000 Euro.

Darum lässt Friderich derzeit prüfen, ob es möglich ist, alle städtischen WC-Anlagen in einem Gesamtpaket zu privatisieren. Die Übernahme könnte sich für einen privaten Betreiber jedoch nur rentieren, wenn er für die Benutzung Geld verlangen dürfte - nach Einschätzung des Referats "ca. 0,60 - 1,00 Euro".

Aber auch bei diesen Preisen könnte es schwierig werden, weniger frequentierte Toiletten wirtschaftlich zu unterhalten. Bereits in den neunziger Jahren scheiterten mehrere Versuche, einzelne Anlagen an private Unternehmer zu bringen. Auch die Deutsche Bahn hat von ihren rund 30 Kundentoiletten im S-Bahn-Bereich allein die Großanlagen im Hauptbahnhof und im Ostbahnhof einem privaten Großklo-Betreiber überlassen.

Werbung ermöglicht günstiges Bieseln

Die ÖDP-Stadträtin Mechtild von Walter aber auch die CSU wollen daher Sanierung und Unterhalt der Toiletten wie in anderen Städten einer Werbefirma überlassen und dieser im Gegenzug Werbeflächen an wichtigen Plätzen genehmigen. "So könnten wir das Biesel-Zehnerl niedrig halten", hofft der CSU-Stadtrat Helmut Pfundstein. Dieser Vorschlag stößt auf heftige Ablehnung aus dem Planungsreferat, das solchen "Werbewildwuchs eindämmen" will.

Einig sind sich alle Fraktionen darin, dass "wir den blamablen Zustand unserer Toiletten ändern müssen" (Pfundstein) - und dass "wir dazu private Angebote einholen müssen", wie die SPD-Planungssprecherin Constanze Lindner-Schädlich beipflichtet.

Allerdings stoßen die Privatisierungspläne bereits auf heftigen Protest: Das Vorhaben, die Toilettennutzer zahlen zu lassen, sei "eine Zumutung für alle sozial Schwachen in München", schimpft Viktor Münster. Der Geschäftsführer des Katholischen Männerfürsorgevereins fürchtet, dass gerade arme Münchner zum "wilden Urinieren und so in den Konflikt mit Ordnungshütern getrieben" werden. Wie bereits jetzt am Orleansplatz zu riechen: Seit die Toiletten im Ostbahnhof nur gegen Entgelt zugänglich sind, registriert die Stadt immer mehr Beschwerden von Anwohnern des Vorplatzes - es stinkt ihnen.