Von Kata Kottra

"Das Fax steht nicht mehr still": Der amerikanische Vorwahlkampf erreicht auch Deutschland, denn bei den Vorwahlen der Demokratischen Partei können US-Bürger im Ausland für ihre Favoriten stimmen.

Sechs Millionen Amerikaner leben fernab ihrer Heimat, das sind sechs Millionen potentielle Wähler bei den amerikanischen Präsidentschaftswahlen. Zum ersten Mal in der Geschichte der Demokraten finden Global Primaries - globale Vorwahlen - statt. Bereits bei den Vorwahlen darf jeder Amerikaner im Ausland seine Stimme per Brief, Fax oder E-Mail den Präsidentschaftskandidaten Barack Obama oder Hillary Clinton geben.

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Oder er kommt gleich persönlich bei den Democrats Abroad, der Auslandsorganisation der Demokratischen Partei vorbei. Allein in Deutschland haben diese acht Voting Centers - Wahllokale - eingerichtet, in denen von Mittwoch bis Sonntag abgestimmt werden kann.

Am Super Tuesday machen Berlin und München den Anfang. Der Andrang ist schon kurz nach Öffnung des Wahllokals am Dienstagabend enorm. Nicht nur das Interesse von seiten der Wähler, auch das der Medien ist riesig. Sogar der amerikanische Fernsehsender NBC interessiert sich für die Landsleute in München.

Diese werden von den Wahlhelfern der Democrats Abroad empfangen. Für die Registrierung geht es zum amerikanischen Ehepaar John und Kathleen Henke, beide haben Cowboyhüte auf. "We love Fasching", rechtfertigt John die Verkleidung.

Mit seiner Frau lebt er bereits seit zwölf Jahren in Deutschland, dennoch ist das Paar der amerikanischen Heimat verbunden geblieben. Die beiden werden für Hillary Clinton stimmen: "Die Clintons haben das letzte Mal einen guten Job gemacht, sie werden es wieder tun", erklärt John. "Nur wird es dieses Mal keine Skandale geben, Hillary wird auf ihren Mann aufpassen".

Der Wunsch nach einem Wechsel ist groß bei den US-Bürgern im Ausland. Ob die Auslands-Demokraten sich aber eher für den charismatischen schwarzen Kandidaten Barack Obama oder für die ehemalige First Lady Hillary Clinton aussprechen werden, ist ungewiss.

"Es ist ein Luxus, sich zwischen diesen beiden Kandidaten entscheiden zu können, nachdem jahrelang nur solche Idioten als Kandidaten nominiert waren", meint Lucy Craig, die seit 36 Jahren in Deutschland lebt.

Obwohl sie "innerlich für Obama" sei, gab sie schließlich der erfahrenen Hillary Clinton ihre Stimme. Aber für wen sich die demokratischen Wähler auch entscheiden - ihre Begeisterung ist generell groß.

Bei Shari Temple, der stellvertretenden Vorsitzenden der Auslands-Demokraten in Deutschland, häufen sich die Anfragen und die eingesandten Stimmzettel. "Das Fax steht gar nicht mehr still".

US-Demokraten im Ausland als "51. Bundesstaat"

Viele Auslands-Amerikaner haben erst kurzfristig erfahren, dass sie an den Vorwahlen teilnehmen können. Aber seit deutlich geworden ist, dass ihre Stimmen nicht nur bei den Vorwahlen, sondern auch bei den Präsidentschaftswahlen im November entscheidend sein könnten, richtet sich auch die Aufmerksamkeit der amerikanischen Medien auf die US-Wähler im Ausland.

Bei den Demokraten stellen sie 22 Delegierte beim Parteitag und bilden somit quasi den "51. Bundesstaat". Kommt es zu einem Patt zwischen Barack Obama und Hillary Clinton, könnten ihre Stimmen entscheidend sein. Bei den Republikanern ist es anders: Dort werden die im Ausland abgegebenen Stimmen einzelnen Staaten zugeordnet, erst nach einer komplizierten Registrierung kann per Briefwahl gewählt werden.

Mitglieder-Boom bei Auslands-Demokraten

Die Direktwahl hat jedenfalls zu einem Boom für die Demokraten geführt: "Die Mitgliederzahlen haben sich in den letzten Wochen verdoppelt", so Shari Temple. Deutschlandweit hätten sich inzwischen Tausende Amerikaner bei den Demokraten registrieren lassen, allein in München sollen es bereits um die 500 sein.

Bis zu den Präsidentschaftswahlen im November bleibt aber noch einiges zu tun, meint Sarah Heim, mit 23 Jahren die Vorsitzende der Young Democrats Abroad: Besonders unter den amerikanischen Studenten und Au-pairs will sie bis zum Herbst noch um Wähler für die Demokraten werben.

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(sueddeutsche.de/grc)