Bitte abbauen!, forderten also die Beamten die Papamobil-Besatzung auf. Holzapfel verstand die Welt nicht mehr, denn gegen ihn wurde obendrein ein Strafverfahren eingeleitet. Während dieses ohne Aufhebens schnell eingestellt wurde, dauerte die weitere gerichtliche Aufarbeitung Jahre. Der Hotelier klagte vor dem Verwaltungsgericht, um die Polizeiaktion für rechtswidrig erklären zu lassen. Doch in erster Instanz gab die Justiz der Polizei Recht, die Richter ließen nicht einmal Berufung zu.

CSD-Wagen

"Homosexualität ist eine schwere Sünde" - Aussagen wie diese gaben der "Deutschen Eiche" Anlass zur Papst-Satire am Münchner CSD. (© Foto: Robert Haas)

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Das Recht auf die zweite Instanz musste sich Holzapfel zusammen mit seinem Hotel-Partner Josef Sattler erst erstreiten, auch vor dem VGH. So kam es, dass der 10. Senat über die Polizei zu Gericht saß - und über den Papst, wenn man so will. Denn die Fotos des geschminkten Pontifex, gekleidet in weißer Sutane, lagen vor ihnen auf dem Boden, jene Poster, die damals abgehängt werden mussten.

Der Vorsitzende Andreas Dohm, ein graumelierter, sorgfältig wägender Herr, ließ schnell durchblicken, dass er an dieser Art der Papstdarstellung nichts Gesetzwidriges erkennen könne. Das Ganze sei satirische Kritik, die sich im Kern mit der katholischen Lehre zur Homosexualität und zum generellen Kondomverbot auseinandersetze. Das sei ebenso vom Grundrecht auf Meinungsfreiheit gedeckt wie ihre "satirische Einkleidung", also die päpstliche Maskerade. Noch längst keine verbotene Schmähkritik sei das, und der Papst würde wahrlich nicht als Homosexueller diffamiert.

"Es ist schon schwierig für die Polizei", Entscheidungen in Eile zu treffen, räumte Dohm ein. "Aber die Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut." Egal, ob eine Meinung falsch oder richtig, gut oder schlecht sei. Da jubelten Holzapfel und seine Unterstützer auf den Besucherstühlen, die Landesanwältin und die Juristin des Polizeipräsidiums fügten sich in ihre Niederlage. Der bunte Papst lag derweil noch immer auf dem Boden. "Sie nehmen Ihre Plakate wieder mit?", fragte der Vorsitzende zum Abschied, sicherheitshalber. Als Wandschmuck im Gericht scheinen sie dann doch nicht zu taugen.

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  1. "Satirische Kritik"
  2. Sie lesen jetzt Geschminkter Pontifex
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(SZ vom 09.03.2010/lim)