Es sind interessante Gedanken, die da im Justizpalast ausgesprochen werden, auch über die Rolle der Massenmedien und deren Verantwortung für riskante Tendenzen in der Gesellschaft. Die "Ausgrenzungsgesellschaft", die Freisleder konstatiert, förderten seiner Meinung nach auch Sendungen, die "Superstar" oder "Topmodel" suchen. Schlimm sei es, wie die Kandidaten dort "fertiggemacht werden", und das oft nur wegen eines kleinen körperlichen oder stimmlichen Makels. So werde das Fernsehen zum Vorbild für Mobbing in der Schule.
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Könnte eine Nachrichtensperre helfen?
Kommt es dann zu einer Aggressionsexplosion eines Gedemütigten, setzten die Medien oft noch eins drauf mit ihrer Art der Berichterstattung. Könnte da womöglich, fragt Jugendpsychiater Freisleder, eine "Nachrichtensperre" helfen, um die Zahl der Nachahmungstäter oder Trittbrettfahrer zu reduzieren? Mit diesem Gedanken macht er es den Medienvertretern, die mit am Expertentisch sitzen, ungewollt einfach: "Das können Sie vergessen", sagt der Vertreter eines Boulevardblattes, die Kollegen nicken: Totschweigen geht nicht. Doch die Frage, ob denn die Art der Berichterstattung immer angemessen ist, geht unter. Stattdessen verweisen die Anwesenden auf die Fernsehbilder, die ja viel gefährlicher seien als Printberichte und Fotos. Ein TV-Journalist aber fehlt in der Runde, so ist das Thema schnell erledigt.
Ebenso zu kurz kommt die Verantwortung der Schulen. Zwar spricht Gallwitz vom "Schlachtfeld Schule", weil dort Mobbing gedeihe. Doch niemand am Tisch stellt die Frage in Richtung der an Prävention interessierten Ministerin, ob denn der Staat seiner Verantwortung nachkomme, wenn er wegen Lehrermangels unzählige Unterrichtsstunden ausfallen lässt und schulfremde Fachexperten in die Klassen schickt. Wird ein Forstwirt von heute auf morgen zum Pädagogen, nur weil er vor einer Klasse steht? Welche Wertschätzung vermittelt der Staat damit seinen Kindern? Unbequeme Fragen, die ungestellt bleiben.
"Wie viele Opfer soll es noch geben?"
Weitgehend Konsens herrscht bei der Forderung, eine zentrale Waffendatei einzuführen, den Zugang zu Gewehren und Revolvern zu erschweren und gewaltverherrlichende Videospiele zu verbieten. Schön und gut, sagt Christiane Alt, aber: "Wir diskutieren das jetzt seit sieben Jahren." Sie leitet das Gutenberg-Gymnasium in Erfurt, in dem 2002 ein Amokläufer 16 Menschen tötete. "Handelt endlich", fordert sie von der Politik. Dem Aktionismus nach einem "Massenmord" müssten auch Taten folgen. "Wie viele Opfer soll es noch geben?"
Niemand aber, dämpft Gallwitz die Erwartungen, dürfe von schärferen Waffengesetzen Wunder erwarten. "Nichts ist so schlimm unter Jugendlichen wie soziale Ausgrenzung", untermauert er seine These vom Risikofaktor "Mof" und appelliert an alle: Statt schusssichere Türen einzubauen, sollte jeder mal mit einem reden, der im Schulhof immer am Rand steht. Ein Mensch mit Freund ist vielleicht der beste Schutz für alle.
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(SZ vom 08.07.2009/pfau)
Müll am Fluss
Die neueste Antwort
Es ist schwierig mit Ihnen. Ich habe nicht DIE Gesellschaft bzw. überhaupt Jemandem die Schuld gegeben. Das ist Ihr Part. Es geht nicht um Schuld. Es geht um Schutz für ALLE, Ehrlichkeit und Mut. Auch den Mut ehrlich in sein eigenes kleines Idyll zu sehen und festzustellen, dass es doch nicht so idyllisch ist.
Heil durch die Pubertät zu kommen, ist sicher nicht nur Glück, aber Sie haben Glück, wenn Ihre Kinder diese schwierige Zeit einigermaßen heil überstehen.
Um auf meinen eigentlichen Ansatz zurückzukommen: Lasst uns den Jugendlichen das Gefühl vermitteln, wie Ernst wir sie, ihre Belange nehmen, ihnen von Geburt an mit Respekt
begegnen ohne sie als Kompensationsprojekt zu missbrauchen.
Dann haben wir eine gute Chance, dass unsere Kinder sich nicht in die Sprachlosigkeit
hineinwühlen.
Amokläufer sind (gottseidank!) absolute Einzelfälle. Daher ist es nicht richtig, der kompletten Gesellschaft die Schuld daran zuzuweisen.
Sie haben allerdings Recht, wenn es um das "Mitreden von Kindern bei der Prävention" geht. Zumindest meine Kinder sind da eingebunden, ferner nehmen wir uns für unsere Kinder stets genügend Zeit, ihnen ein intaktes Familienleben zu bieten. Leider machen das immer weniger Eltern, die Karriere ist oft wichtiger und die Kinder werden zu Tagesmüttern usw. abgeschoben. Der Stress, dem die Kinder im verkürzten Abitur ausgesetzt werden, tut ein übriges, soziale Gefüge zu schwächen. Hier ist (im Bezug auf die Schuldauer) der Gesetzgeber gefragt, zum wesentlichen Teil aber die Eltern.
ABER auch vor Jahrzehnten, also zu Zeiten einer wahrscheinlich sozial intakteren Generation, gab es Amokläufe! Und schauen Sie mal, wie "berühmt" der feige, widerliche Mörder von Winnenden wurde!!! Und genau DAS wollen die Typen: endlich mal im Mittelpunkt stehen!
Warum so aufgebracht? Klingt sehr nach Stammtisch und zeigt mir,
dass ich nicht ganz so Unrecht habe. Lässt man die Jugendlichen in der PRÄVENTION mitreden, würde es weniger körperlich und seelisch Verstümmelte und deren Angehörige geben, um die Sie sich dann kümmern müssen.
Es geht nicht darum, Entschuldigungen zu suchen und die Opfer zu übersehen.
Alles in einer Diskussion auf einmal abzuarbeiten, ist unlauter.
unzulässige Verallgemeinerungen!
Ferner blasen Sie wieder ins gleiche Horn wie so viele: Amokläufer, Kinderschänder, Kanibalen, Kofferbomber, Flugzeugentführer usw. sind im Grunde keine feigen Dreckschw... Sondern Helden. Leute wie Sie betreiben erheblichen Aufwand, diese EINZELFÄLLE zu verstehen, ihr Verhalten zu erklären und der Öffentlichkeit weiss zu machen, dass diese "Opfer" nicht anders handeln konnten und die Gesellschaft an den Morden schuld sein soll.
Sorgen Sie sich lieber um die Verstümmelten (seelisch wie körperlich), die eine solche Tat überleben durften und um die Hinterbliebenen der Ermordeten! DAS sind die Opfer. Vielleicht kapieren Sie es auch noch irgendwann.
Und was hat diese Gesprächsrunde nun gezeigt, außer, daß man recht konzeptlos an die Sache herangeht und den Schwanz einzieht, wenn eine Maßnahme auch nur im Entfertesten Kosten generieren könnte.
Paging