Von Petra Hallmayer

Schorsch Kamerun inszeniert sein Globalisierungsstück "Down Understanding" an den Kammerspielen. Dabei gerät ein australischer Oktoberfestbesucher in den Fokus des Überwachungsstaats.

Nie zeigt sich München fremdenfreundlicher als beim herbstlichen Kollektivbesäufnis. Doch für einen Australier griechischer Herkunft wird das Oktoberfest zum Albtraum. Er verliert seine Papiere und findet sich in Polizeigewahrsam wieder. Plötzlich ist er ein suspekter Ausländer unter Terrorismusverdacht. Diese Geschichte dient in "Down Understanding - Mumien Monstren Migrationen" als Ausgangsbasis für eine Szenencollage über Globalisierung, Migration und Sicherheitshysterie.

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Bernd Moss als australischer Wiesn-Besucher, der in die Fänge des Überwachungsstaats gerät. (© Foto: Arno Declair / oh)

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"Die Durchlässigkeit der Grenzen, die die Globalisierung verspricht", so Schorsch Kamerun, "gilt bloß für Waren und einen kleinen Teil der Menschheit". In seinem zweiten Theaterprojekt in München will der Sänger der Undergroundband Die Goldenen Zitronen "die Widersprüche einer Gesellschaft beschreiben, ... die ihren Bürgern ein Maximum an Freiheit bietet und sie zugleich immer strenger überwacht, den Schutzraum des Privaten aufkündigt."

Angelegt ist die Inszenierung als Installation mit Musik, für die Kamerun viele Anregungen beim niederländischen Videokünstler Aernout Mik fand. Der erste Teil spielt hinter einer Glaswand in einem Kamera-überwachten "Transitraum". Dort treffen Sicherheitskräfte auf Menschen aus aller Welt. Junge Frauen aus Asien, zum Beispiel, die ihre eigenen Kinder verlassen, um fremde Kinder zu betreuen, damit deren Eltern arbeiten gehen können. Dokumentarische Texte wie Protokolle der Bespitzelung der Lidl-Mitarbeiter und Zitate aus einem Einbürgerungstest für Ausländer stehen neben übersetzten und neu gesampelten Liedern der Techno-Band Scooter.

Der zweite Teil führt hinauf in den Glasspitz des Neuen Hauses der Kammerspiele, wo ein griechisches Geburtstagsfest gefeiert wird, Kinder Theater spielen und über das Schicksal des Oktoberfestbesuchers vor Gericht verhandelt wird. In einem Kaleidoskop aus Wirklichkeitssplittern und Spielelementen will Kamerun versuchen zu spiegeln, was für ihn die Gegenwart prägt: "Ein Zustand zwischen beschleunigter Veränderung und Erstarrung, zwischen einer nie gekannten Fülle an Optionen und wachsender Angst."

Down Understanding, Fr., 6. Juni, 20 Uhr (Premiere), 11., 15. Juni, Kammerspiele Neues Haus, Falckenbergstraße 1.

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(SZ vom 05.06.2008)