Kulturförderung Profi-Musiker bekommen Geld für Proberäume - Hobbymusiker einen Container

Wenn es nach dem Kulturreferat geht, werden bald mehr Musiker bei der Suche nach Proberäumen unterstützt. Es gibt jedoch kritische Stimmen.

(Foto: Alessandra Schellnegger)
  • Die Mieten in München sind hoch - das ist bekannt. Proberäume für Musiker machen da keine Ausnahme.
  • Das Kulturreferat gibt nun 55 000 Euro zur Proberaum-Subvention, allerdings nur für Musiker mit staatlich anerkannten Abschlüssen.
  • Kritiker mahnen: Das schließt Studentenbands aus, oder auch Autodidakten, die von der Musik leben.
Von Vanessa Peschla

Die einen üben in ihrer Wohnung, die anderen in Tiefgaragen, aber besser wären natürlich professionelle Proberäume. Um Bands zu unterstützen, will das Kulturreferat nun Musiker mit einem Mietzuschuss für Proberäume subventionieren. Die Idee kommt in einer ersten Reaktion bei einigen Musikern allerdings nicht so gut an, weil die Förderkriterien so streng gefasst sind: Unter anderem müssen Musiker, die sich bewerben, einen staatlich anerkannten Musik-Abschluss vorweisen. Alle anderen Musikgruppen müssen zusehen, an andere Fördertöpfe zu kommen.

Der Mangel an bezahlbaren Proberäumen treibt das Kulturreferat schon länger um, mit dem "Förderprogramm Musikproberäume" will die Stadt nun gegensteuern. Die Bewerbungsfrist für das neue Programm läuft gerade, am 17. Februar ist Bewerbungsschluss. Ein Geldtopf von 55 000 Euro steht zur Verfügung, um Musikern zu helfen, für drei Jahre einen schalldichten Raum zu finanzieren, in den auch noch all das Equipment und die Musikinstrumente passen.

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Das Kulturreferat will den Zuschuss an der Größe der Räume ausrichten: Mietet eine Band einen Raum von bis zu 15 Quadratmetern, so erhält sie einen monatlichen Mietzuschuss von 72 Euro. Ist der betreffende Proberaum mehr als 60 Quadratmeter groß, gibt es 202 Euro als Finanzspritze. Heike Lies, im Kulturreferat zuständig für Musik und Musiktheater, rechnet vor, dass sich von dem Geld bis zu 20 kleinere oder sieben größere Räume fördern lassen.

Allerdings hat der Plan einige Haken. Um in das Förderprogramm aufgenommen zu werden, müssen Musiker einen aufwendigen Bewerbungsprozess durchlaufen und zahlreiche Kriterien erfüllen. Die Künstler müssen ihren Arbeitsschwerpunkt nachweislich in München haben, feste Ensembles müssen schon mindestens ein Jahr bestehen, was sie durch Belege von Konzerten oder andere Nachweise beweisen müssen - und der angemietete Proberaum soll sich im MVV-Gebiet befinden. Auf Unverständnis in Münchens Musikszene stößt aber ganz besonders das Kriterium, wonach ein Bewerber ein staatlich anerkanntes Abschlusszeugnis in Musik haben muss.

Das schließt Studentenbands schon einmal aus. Bernd Schweinar, Bayerischer Rockintendant und Leiter des Rock.Büro SÜD, bezeichnet die Bedingung, dass nur professionelle Musiker sich bewerben dürfen, als "unglücklich gewählt". Viele Musiker brächten sich ihr Können autodidaktisch bei - oder zumindest außerhalb staatlicher Institute - und verdienten dennoch ihren Lebensunterhalt mit Musik. Schweinars Einschätzung zufolge ist auch der Bedarf viel größer, als durch einen Fördertopf von 55 000 Euro zu decken ist.

Heike Lies entgegnet, dass Studenten meist ohnehin in der Universität üben dürften. Dass der Bedarf größer sei, als durch das Programm zu stemmen ist, davon geht auch das Kulturreferat aus. Es hat deshalb noch eine Jury benannt, die eine Auswahl aus den Bewerbern treffen soll. Sechs Fachleute aller zeitgenössischen Musikgenres und fünf Stadträte entscheiden am Ende nach künstlerischen Qualitätskriterien, wer gefördert wird, wie es heißt. Bewerber müssen deshalb auch Arbeitsproben einreichen.

Die Kritik daran, dass nur professionelle Musiker gefördert werden, will Heike Lies vom Kulturreferat allerdings nicht gelten lassen. Der Stadtrat habe bereits im Jahr 2015 das Programm "Platz für den Musikalischen Nachwuchs - Schaffung von Musikproberäumen" beschlossen, in dem auch andere Fördermöglichkeiten benannt sind. "Verschiedene Baustellen, verschiedene Programme", so Lies. Für Bands ohne staatlich ausgebildete Musiker sollen zwölf schalldichte Container beim Feierwerk und zusätzliche unter der Donnersbergerbrücke und an ähnlichen städtischen Freiflächen gebaut werden.

Die Planung sei in vollem Gange, Details seien jedoch noch nicht spruchreif. Die Container sollen 24 Stunden genutzt werden können. Sie sollen stündlich zu mieten sein, wodurch Bands nicht an Ruhezeiten gebunden seien und nur dann bezahlen müssten, wenn sie den Raum brauchen und nicht zum Beispiel auf Tour sind oder anderen Projekten nachgehen. Ein solches Modell sei gerade für Hobbymusiker geeignet, die keinen fortlaufenden Mietvertrag eingehen wollen.

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