Architektur Schönere Unterkünfte für leichtere Integration

Dieses Gebäude hat die Caritas Vorarlberg zusammen mit Büro Geroldstrehle entwickelt. Es soll mehrfach gebaut werden.

(Foto: Initiative Wohnraum für Alle/Deutscher Werkbund)

Traglufthallen, Container, Gewerberäume: Viele Flüchtlingsunterkünfte sind keine lebenswerten Orte. Architekten suchen nach besseren Lösungen.

Von Inga Rahmsdorf

Es muss schnell gehen und es müssen viele Plätze geschaffen werden. Das sind meist die entscheidenden Kriterien, wenn Unterkünfte für Flüchtlinge geschaffen werden. Was dabei herauskommt, sind oft provisorische Bauten, anonyme Massenunterkünfte, Fremdkörper im städtebaulichen Bild. Leichtbauhallen auf Parkplätzen, eilig umgebaute Gewerberäume, aufgeblasene Traglufthallen oder aufeinander gestapelte Container. Konstrukte, die zunächst häufig als Provisorien gedacht sind, die wahrscheinlich aber Jahre oder Jahrzehnte stehen bleiben werden. Und Städte und Gemeinden deshalb langfristig prägen werden.

Dass auch andere Lösungen realisierbar sind, und dass letztlich auch die Wohnfrage einen entscheidenden Anteil daran haben wird, ob die Integration der vielen neuen Zuwanderer gelingen wird, damit wird sich in der kommenden Woche ein öffentliches Symposium befassen. Es ist ein Thema, mit dem sich die meisten Kommunen in Deutschland täglich auseinandersetzen müssen. Es bleibt ihnen aber kaum Zeit, über andere und neue Lösungen nachzudenken, zu sehr sind sie damit beschäftigt, noch Container aufzutreiben oder freie Grundstücke zu finden.

Entwürfe für ganz andere Flüchtlingsunterkünfte

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Unter dem Titel "Flucht nach vorne", laden der Bund Deutscher Architekten (BDA) und die Bundesstiftung Baukultur von Mittwoch, 9. März, bis Samstag, 12. März, zu Ausstellungen, Vorträgen und Workshops ein. Wichtig ist den Veranstaltern der interdisziplinäre Ansatz. Die Diskussionen sollen sich nicht nur an Architekten und Stadtplaner richten, sondern an alle. Bei der Werkstatt, die den ganzen Freitag über im Museum Fünf Kontinente stattfindet, reicht die Zusammensetzung auf dem Podium von Architekten, über Münchens Stadtbaurätin Elisabeth Merk, Vertretern der städtischen Wohnungsgesellschaft GWG, der Verwaltung, der Politik, bis hin zu Soziologen, Mitarbeitern vom Flüchtlingsrat und Mitgliedern der Sozialgenossenschaft Bellevue die Monaco.

"Unsere Baukultur steht auf dem Prüfstand"

Es sei eine brennende Frage der Gesellschaft, kluge und intelligente Konzepte zu finden, um Wohnraum für alle zu schaffen, sagt Karlheinz Beer, BDA-Landesvorsitzende Bayern. "Unsere Baukultur steht auf dem Prüfstand." Denn die Kommunen werden sich verändern und derzeit entscheide sich, ob in Deutschland Gebiete wie die französischen Banlieus entstehen werden. "Wir brauchen auch schnelle Bauten, aber sie sind keine Antwort darauf, wie sich die Städte langfristig entwickeln werden."

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Es breite sich derzeit eine fatalistische Stimmung aus, befürchtet Reiner Nagel, Vorstandsvorsitzender der Bundesstiftung Baukultur. Es gehe nur noch um Masse statt Klasse. Dabei würden sich gerade jetzt große städtebauliche Chancen bieten.

Doch die auch sinnvoll zu nutzen, das sei nur mit einer gesamtgesellschaftlichen Anstrengung möglich. Die Ideen und Ergebnisse, die bei dem Symposium diskutiert werden, sollen in den Baukulturbericht aufgenommen werden. Die Bundesstiftung Baukultur legt diesen Bericht alle zwei Jahre dem Bundeskabinett vor und gibt darin auch Handlungsempfehlungen für die Politik.

Es soll aber nicht nur um theoretische Konzepte und städtebauliche Visionen gehen, sondern auch um ganz konkrete und anschauliche Beispiele. Das ist der Kuratorin des Veranstaltung, Julia Hinderink, wichtig. So sollen auch Lösungen vorgestellt werden, die als Vorbild oder Ansatz dienen können, und die entweder schon umgesetzt worden sind oder derzeit geplant werden. Bei der Podiumsdiskussion wird daher auch das Projekt "VinziRast-mittendrin" aus Wien vorgestellt, das ursprünglich nur für Wohnungslose gedacht war, dann aber auch für Flüchtlinge erweitert wurde. Und auch die Münchner Initiative Bellevue di Monaco stellt ihr Flüchtlingsprojekt in der Müllerstraße vor.

"Wir machen das! Das ist unsere Antwort auf: Wir schaffen das."

Außerdem wurden vorab bei einer Ideenwerkstatt unter dem Titel "Wohnraum für alle" Konzepte gesammelt, die ganz unterschiedliche Lösungsansätze haben. Da gibt es das ehemalige Krankenhaus in Murnau, das nun für Kreative, Flüchtlinge und andere Mieter umgebaut wurde. Oder ein Projekt der Nachverdichtung, bei dem auf dem Dach eines Gebäudes der Universität Hannover Wohnräume geschaffen werden.

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Ähnliche Pläne gibt es auch in München, oben auf den Dächern von Parkgaragen und Baumärkten oder über Parkplätzen neuen Wohnraum zu schaffen. "Es ist unglaublich, wie viele gute Vorschläge wir erhalten haben", sagt Nicola Borgmann, Leiterin der Architekturgalerie München, wo die Entwürfe auch in einer Ausstellung zu sehen sein werden, die am Mittwoch, 9. März, eröffnet. "Wir machen das! Das ist unsere Antwort auf: Wir schaffen das."

Weitere Infos: www.bundesstiftung-baukultur.de/veranstaltungen/flucht-nach-vorne