Die Münchner Pop-Sängerin Sharyhan Osman hat es bei Unser Star für Oslo unter die letzten zehn Kandidaten geschafft - ausgerechnet mit Whitney Houston.
Auf das richtige Lied kommt es an. Klar: Wer Unser Star für Oslo werden will, muss auch singen können. Wer Deutschland beim Eurovision Song Contest 2010 Ende Mai in Oslo vertreten will, braucht auch eine gute Ausstrahlung. Aber um beim Publikums-Voting vorne zu sein, muss der Song stimmen. Sharyhan Osman, 23-jährige Musikerin aus München, hat es am Dienstagabend bei der Fernseh-Show mit Oberjuror Stefan Raab unter die letzten zehn Kandidaten geschafft - mit einem Titel von Whitney Houston.
Eine etwas schüchterne Performance: Die Münchnerin Sharyhan Osman bei "Unser Star für Oslo". (© Foto: dpa)
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Ausgerechnet Whitney Houston, ausgerechnet I have nothing - ein Song, der weltweit bei Casting-Shows runtergenudelt wird, meist "ganz grausam" übrigens, wie Stefan Raab bei der Show anmerkte. Sharyhan hat sich dennoch für dieses Lied entschieden.
Noch Anfang des Jahres ist die 23-Jährige unsicher gewesen, welches Lied sie bei Stefan Raabs Grand-Prix-Talentsuche singen soll. Cornflake Girl von Tori Amos? One Two Three Four von Feist? Etwas Verträumtes von Jamie Cullum? Oder eben doch eine typische Castingshow-Nummer? Eine ganze Din-A4-Seite voll mit möglichen Titeln. Eine Entscheidung zu treffen? Unmöglich! Bis sie eines Nachts im Januar in einer Bankfiliale am Leonrodplatz Geld abheben wollte.
In der Wartezeit zwischen Geheimnummer und Geldausgabe hat sie wieder einmal über die anstehende Castingshow gegrübelt. "Welcher Song reißt mich wirklich mit?" Diese Frage sei ihr in diese Moment durch den Kopf gegangen, sagt Sharyhan. Dann hat sie spontan angefangen zu singen, den Whitney-Houston-Titel, ungehemmt und in voller Lautstärke - und sicherlich aufgezeichnet von einer Überwachungskamera.
Der Mitschnitt dieser Show kommt wohl nicht in Umlauf. Dafür gibt es Sharyhans Auftritt bei Stefan Raab im Internet zu sehen. Die Nahaufnahme ihres kurz abgeschnittenen Ponys etwa, weswegen Pro-7-Moderator Stefan Raab ihre Frisur mit dem Haarschnitt von Mr. Spock vergleicht.
Man kann Sharyhans etwas schüchterne Performance verfolgen, weswegen Jurorin Sarah Connor sie zu mehr Courage auf der Bühne aufmuntert. Man kann sich bei dieser schwierigen Nummer überzeugen, welch gute Stimme die Münchnerin hat, weswegen Juror Peter Maffay ihren "schönen, starken Gesang" lobt. Und man kann sich an Sharyhans beinahe kindlicher Freude erfreuen, weil sie vom Publikum in die nächste Runde gewählt wird.
Die Musikerin selbst hat mit diesem Erfolg überhaupt nicht gerechnet, gibt sie zu. "Die anderen waren so gut", sagt sie offen. Die anderen haben "so tolle authentische Nummern" gehabt. Sharyhan seufzt kurz, dann sagt sie etwas leiser, fast schon schüchtern: "Ich bin ja eigentlich auch so."
Mit diesem "so" meint die junge Sängerin Eigenständigkeit. Das hat einige Jahre gedauert, dafür hat sie einiges aufs Spiel gesetzt. Vor fünf Jahren, noch als Schülerin, bewirbt sie sich für die Casting-Show "Deutschland sucht den Superstar" und kommt immerhin unter die besten Zwölf - heute bereut sie diesen Auftritt. Später nimmt sie Leslie Mandoki (Red Rock Production), früher Sänger von Dschingis Khan und heute Musikproduzent, unter Vertrag. Immer wieder schauten A & R-Manager, die musikalischen Trendscouts des Labels und Booker, bei Mandoki vorbei und gaben Sharyhan Tipps, wie sie erfolgversprechender, charttauglicher werden könnte.
Ein Album wird produziert, aber nicht veröffentlicht - Sharyhan lässt die Zusammenarbeit auslaufen. Die 23-Jährige will sich nicht mehr dreinreden lassen, will eigenständig sein, will als Singer-/Songwriterin ihre eigenen Titel schreiben und spielen - mit diesem Programm spielt sie vergangenen Sommer beim Stadt-Land-Rock-Festival der Süddeutschen Zeitung.
Auch bei der Vorauswahl für "Unser Star für Oslo" hat Sharyhan, Halb-Ägypterin und Tochter einer Opernsängerin, einen eigenen Song gespielt: "I feel the Nile". Hier muss sie sich nicht verstellen, hier kann sie authentisch sein, weil "mir meine eigenen Songs am nähesten sind", sagt sie.
Am kommenden Dienstag bei der nächsten Runde (20.15 Uhr, ProSieben) will sie vielleicht ein eigenes Lied spielen. Das wäre mutig. Das wäre der richtige Song.
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(SZ vom 12.02.2010/sonn)
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Hauptsache, der Vertreter/die Vertreterin für Deutschland singt heuer nicht wieder was Amerikanisches. Denn im Gegensatz zu den Deutschen wissen die anderen Teilnehmerländer offenbar, dass es EUROVISION heißt. Da brauchte man sich für die Schmach nicht zu wundern. Und Europa hat schöne Musik zu bieten. Ansonsten soll doch der Wettbewerb erweitert werden. Wetten, dass dann die USA und nicht Deutschland mit einem amerikanisch geprägten Lied punkten?! Oder man macht daraus einen Wettbewerb der Sänger und nennt keine Länder? Oder man sieht das ganze entspannt und erkennt an, dass es Spaß an der Musik ist, dann sind 0 Punkte aber auch egal...
Ja, lieber DesertDust, immer diese Zugreisten, die sich als Münchner ausgeben, ts, ts.
Ist man jetzt "aus München" nur weil man dort wohnt? Osman stammt ursprünglich aus dem Landkreis Deggendorf. Aber München klingt natürlich wesentlich besser und ist sicher auch förderlicher für die Karriere...