Universität München Senatschef verteidigt Schavan-Berufung

Die Berufung von Ex-Bundesbildungsministerin Annette Schavan in den Hochschulrat der Uni München hat für viel Unmut gesorgt. Der LMU-Senatsvorsitzende Hose äußert nun zwar Verständnis für die Kritik, er hält die Entscheidung aber für richtig. Auch die im Senat vertretenen Studenten sprechen sich für die Personalie aus.

Von Sebastian Krass

Der Senatsvorsitzende der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU), Martin Hose, hat Verständnis für die laut gewordene Kritik an der Berufung von Annette Schavan in den Hochschulrat geäußert. Er hält die Personalie aber "wegen der strategischen Dimension" weiterhin für richtig.

Der Deutsche Hochschulverband, die Berufsvertretung der deutschen Universitätslehrer, hatte von einem "Affront" gegenüber der Universität Düsseldorf gesprochen, die Schavan im Februar den Doktortitel entzogen hatte. Die LMU verstoße mit der Berufung Schavans, die nach dem Entzug des Titels vom Posten der Bundesbildungsministerin zurückgetreten war, gegen den "akademischen Comment". Er könne "verstehen, dass man diese Position bezieht", sagt Martin Hose, "sie war aber nicht handlungsleitend für die LMU".

Entscheidend sei gewesen, "dass es nur wenige gibt, die sich so fundiert mit Wissenschaftspolitik auf Bundesebene auskennen wie Frau Schavan". In den nächsten Jahren laufen mehrere große aus Bundesmitteln finanzierte Förderprogramme für die Universitäten aus, unter anderem die Exzellenzinitiative. Das Kalkül der LMU ist, dass Schavan, die weiter für die CDU im Bundestag sitzt, dabei hilft, die Uni bestmöglich für die Folgeprogramme zu positionieren. Bedenken wegen der Promotionsaffäre wurden dabei hintangestellt.

Der Senat hatte Ende September mit einem einstimmigen Votum den Vorschlag des Uni-Präsidenten Bernd Huber angenommen, Schavan und den Karlsruher Physik-Professor Hilbert von Löhneysen als neue zusätzliche Mitglieder in den Hochschulrat, das oberste Aufsichts- und Entscheidungsgremium, aufzunehmen. Dieses Votum war nicht das Ergebnis einer Abstimmung, es erging per Akklamation, wie der Senatsvorsitzende Hose erklärt. "Das ist ein normaler Weg bei der Bestellung oder Bestätigung von Gremien-Mitgliedern. Wenn nur ein Mitglied des Senats gesagt hätte, es würde lieber per Handzeichen oder geheim abstimmen, dann hätten wir das getan, das wäre gar kein Problem gewesen." Es soll vor der Akklamation im Senat auch keine Diskussion über die Personalie gegeben haben, wie aus dem Gremium zu hören ist.

Studenten kritisieren ihre Vertreter im Senat

Die Entscheidung hatte nicht nur extern Kritik ausgelöst. Auch zahlreiche LMU-Professoren, vor allem aus den Geistes-, Sprach- und Sozialwissenschaften, äußerten grundsätzliche Bedenken gegen die Berufung der Politikerin. Der Plagiatsverdacht gegen Schavan, die vor dem Verwaltungsgericht Düsseldorf gegen den Entzug des Doktortitels klagt, sei so gravierend, dass sie für eine solche Position untragbar sei. Hose, der Professor für griechische Philologie ist, sagt, er habe die öffentlich geäußerte Kritik zur Kenntnis genommen. Allerdings sei intern "nichts auf einem formalen Weg" an ihn herangetragen worden, deshalb sehe er "keinen Anlass", noch einmal über die Personalie Schavan zu diskutieren.

Die interne Kritik zielte auch darauf, dass das einstimmige Votum des Senats nicht das Stimmungsbild in der LMU wiedergebe. Martin Hose sagt, die Mitglieder des Senats seien "aus der Mitte der Universität heraus gewählt. Dann macht sich jeder Repräsentant ein Bild und entscheidet nach eigenem Wissen und Gewissen".

Die beiden studentischen Vertreter im Senat, Michelle Klein und Theodor Fall, mussten sich kürzlich beim Konvent der Fachschaften harsche Kritik von Kommilitonen gefallen lassen. Sie reagierten darauf mit einer öffentlichen Erklärung, in der es heißt, man habe "im Interesse der Studierenden" für Schavan gestimmt, da es in den nächsten Jahren auf Bundesebene auch um Fördermittel für die Lehre gehe. "Wir stehen zu der Entscheidung und vertreten sie auch", erklärt Klein.

Heikel ist nach wie vor auch die Frage, was passiert, wenn Schavan vor Gericht verliert. Martin Hose sagt, damit werde man sich erst beschäftigen, "wenn ein solcher Fall einträte". Allerdings ist inzwischen auch aus dem Senat zu hören, dass Schavan dann wohl nicht mehr zu halten ist. Schavan selbst lässt weiterhin erklären, sie wolle sich nicht zu ihrem neuen Posten äußern.