Unglück im bayerischen Fünfseenland Tödlicher Tauchgang im Starnberger See

Einsatzkräfte suchen in Allmannshausen am Starnberger See von einem Boot aus nach einem vermissten Taucher.

(Foto: dpa)

Das Gebiet zählt bundesweit zu den beliebtesten Tauchrevieren - und zu den gefährlichsten: Nun sind an der berüchtigten "Allmannshauser Steilwand" im Starnberger See wieder zwei Taucher gestorben - obwohl sie Profis waren. Ein dritter Mann wurde schwer verletzt.

Von Wolfgang Prochaska und Wolfgang Krause

Zu einem der schwersten Tauchunfälle seit vielen Jahren ist es am Sonntagmorgen an der "Allmannshauser Steilwand" im Starnberger See gekommen. Bei dem Unglück starben zwei Männer, ein 67-jähriger und ein 47-jähriger. Ein dritter Taucher wurde schwer verletzt und mit dem Hubschrauber in ein Krankenhaus geflogen werden. Das Team stammt aus dem Landkreis Fürstenfeldbruck. Alle drei waren als Rettungstaucher ausgebildet.

Spaziergänger hörten um 8.10 Uhr Hilfeschreie, rannten zum See und zogen zwei Männer aus dem Wasser. Trotz Reanimationsmaßnahmen durch Rettungskräfte aus Wolfratshausen starb einer der Taucher noch am Unglücksort. Der zweite Mann, der schwer verletzt geborgen werden konnte, wurde per Hubschrauber in eine Klinik geflogen.

Nach dem dritten Mann suchten sieben Rettungstaucher den ganzen Tag lang das Seegebiet ab. Erst am Abend konnte seine Leiche geborgen werden, ein Taucher der Bereitschaftspolizei hatte den Mann in einer Tiefe von rund 53 Metern geortet.

Wie das Unglück passierte, ist noch offen. Feststeht laut Kripo Fürstenfeldbruck nur, dass es in einer Tiefe von 56 Metern zu Problemen kam, die einen sofortigen Notaufstieg notwendig machten.

Mehr als 20 Jahre Erfahrung

Nach dem Unfall sperrte die Polizei das Tauchgebiet ab.

(Foto: Georgine Treybal)

Die drei Verunglückten gehörten zur etwa 30-köpfigen Gruppe von Rettungstauchern der Wasserwacht Fürstenfeldbruck, die unter dem Dach des Bayerischen Roten Kreuzes organisiert ist. Sie waren also gut ausgebildet.

Der Brucker BRK-Geschäftsführer Rainer Bertram zeigte sich am Sonntag geschockt über die Nachricht von dem Unfall: "Jeder der Taucher hatte mehr als 20 Jahre Erfahrung und stand im laufenden Training und Fortbildung." Der Ausflug zum Starnberger See sei privater Natur gewesen. "Das hatte mit der Wasserwacht nichts zu tun", betonte er.

Durch die strengeren Vorschriften hatte es im vergangenen Jahr keinen tödlichen Unfall an der Allmannshauser Kante mehr gegeben und man sah sich bei Polizei, Landratsamt und Wasserwacht auf dem richtigen Weg. "Es muss eine Verkettung unglücklicher Umstände zu dem Unfall geführt haben", meinte ein Polizeisprecher. Anders sei dies bei diesen erfahrenen Tauchern nicht vorstellbar.

Beliebt und gefährlich

Da erst seit einer Woche wieder an dieser Stelle getaucht werden darf - über die Wintermonate herrscht Tauchverbot - erwartet man bei der Polizei die kommenden Monate mit unguten Gefühlen: "Es ist ein Auftakt, der uns Sorge bereitet."

Das Revier im Starnberger See zählt bundesweit zu den beliebtesten, aber auch gefährlichsten Tauchgebieten. An manchen Tagen sind bis zu 80 Sporttaucher gleichzeitig im Wasser.

Immer wieder werden Sportler erwischt, die gegen die neuen Vorschriften verstoßen. Unter anderem darf nicht mehr nachts und allein getaucht werden. Es drohen Strafen zwischen fünf und 50.000 Euro. Seit 1994 sind an dieser Stelle 15 Taucher verunglückt. Ihre Zahl hat sich nun auf 17 erhöht.