"Ich muss diesen Mann finden": Ein Unbekannter hat ein Ehepaar aus der tödlichen Isarströmung gezogen - und ist seitdem spurlos verschwunden.
Ein Hund springt in die Isar, gerät in einen Strudel, droht zu ertrinken. Seine Besitzerin springt ihm nach, wird ebenfalls nach unten gezogen. Dann geht ihr Ehemann ins Wasser, auch ihm wird der Sog zum Verhängnis. Zwei Menschen drohen zu ertrinken. Da kommt ein Radlfahrer vorbei, springt in die Fluten, rettet das Ehepaar, steigt wieder auf sein Radl und verschwindet.
Held gesucht: Ein Münchner Ehepaar sucht nach dem Mann, der sie letzten Sonntag aus einem Strudel in der Isar gerettet hat. (© Foto: Haas)
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Die Geschichte klingt unglaublich, hat sich aber so zugetragen: Letzten Sonntag, in der Hirschau. "Ich muss diesen Mann finden", sagt Paul Naumann, "er hat unser Leben gerettet".
Paul Naumann heißt nicht Paul Naumann. Aber der 49-Jährige will nicht, dass die Eltern diese Geschichte erfahren, "sie würden sich zu sehr aufregen". Und was sich an dem Sonntagvormittag im nördlichen Teil des Englischen Gartens zugetragen hat, war mehr als aufregend: Der Münchner und seine 39-jährige Ehefrau radelten mit ihrem Hund durch die Isarauen und machten gegen 10 Uhr an einem kleinen Kiesstrand Halt.
Golden Retriever "Bennie" stürzte sich sofort ins Wasser, "so, wie er das immer macht", sagt Naumann. Doch an dieser Stelle strömt der Eisbach in die breite Isar. Das Wasser schießt eine kleine Stufe hinab, dahinter bildet sich ein regelrechter Knick im Wasser. Hier herrscht eine gefährliche Unterströmung.
Der Hund strampelt im Strudel um sein Leben, Elisabeth Naumann überlegt nicht lange, watet ins sieben Grad kalte Wasser. Doch auch sie gerät in den Sog, wenig später ihr Mann. Die Frau wird unter Wasser gerissen, sie will ihre Stiefel ausziehen, weil sie denkt, deren Gewicht zieht sie nach unten.
Ihr Mann hängt einen Meter weiter im Wasser, hat das Gefühl, von seinem Schal erwürgt zu werden. "Ich hab nur komische Sachen gedacht", erzählt er. Etwa: "Ich ertrinke hier, wie peinlich."
Was dann passiert, daran hat Elisabeth Naumann keine Erinnerung mehr, ihr Ehemann weiß nur noch, dass plötzlich ein Mann da war. Er zieht die Frau aus dem Strudel, gibt wohl Paul Naumann den entscheidenden Stoß nach vorne, raus aus dem Sog, hinein in die fließende Isar. "Wir hatten krampfhaft versucht, seitlich aus dem Strudel zu kommen, aber das war unmöglich." Etwa 40 Meter treiben Retter und das Ehepaar im Fluss, dann kann der Unbekannte das Paar an Land ziehen. Hund "Bennie" hatte sich zwischenzeitlich selbst gerettet.
Jetzt kommen Passanten, kümmern sich um das Ehepaar. Paul Naumann fragt den Unbekannten, wie er heißt. Der nuschelt irgendetwas und ist plötzlich weg. Er sei Mitte 30 gewesen, schlank, sportlich, dunkles, kurzes Haar, in Begleitung einer dunkelhaarigen Frau.
Elisabeth Naumann kam mit einem schweren Schock ins Krankenhaus, wurde nach einem gründlichen Check entlassen. Ihr Mann liegt mit Verdacht auf Lungenentzündung im Bett. Das Ehepaar redet ständig über das Geschehene, versucht, die Todesangst zu verarbeiten. Und Paul Naumann hat nur einen Wunsch: "Diesem Mann zu danken."
(SZ vom 28.11.2009)
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Sich helfen lassen ist manchmal auch nicht einfach. ;-)