Bei einem Motorrad-Stunt an "Pitt's Todeswand" hat sich ein Fahrer verletzt - die Kollegen nehmen es gelassen.
"Muskeln braucht man nicht", sagt Jagath Perera, 36 Jahre alt, Teamleiter bei "Pitt's Todeswand". Aber: "Ein starkes Herz!" Denn die Fahrt auf der steilen Holzwand bedeutet Stress für den Körper. Fahre man mit 40 Stundenkilometern, so wirke auf den Körper eine Fliehkraft von 3,5 g.
"Wir gehen ein großes Risiko ein, das tun wir nicht für zehn Zuschauer": Erst ab 50 Personen gibt es eine Show. (© Foto: Heddergott)
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Beschleunige man jedoch auf 65 bis 70 Stundenkilometer - "das Maximum. Danach ist Ende, dann kommt der Blackout" - so wirke auf den Körper ein Druck von 7 g. "Und mehr als 8 g kann ein Mensch nicht aushalten", sagt Perera. In anderen Worten: "Wir spielen mit unserem Leben. Wir sind keine billigen Artisten."
Die Steilwandfahrer in "Deutschlands größter Motorsportschau" sind eigentlich zu dritt in der Show. In den kommenden Tagen jedoch werden sie zu zweit auskommen müssen. Denn ihr Jüngster, der 23-jährige Amando Nock, hat am Montag "bei einem Überholrennen einen ganz kleinen Fahrfehler gemacht", sagt Perera. Als er die Richtung wechseln wollte, tat er dies zu schnell.
"Er hätte noch einen halben Meter geradeaus fahren müssen", sagt Perera. So aber fing das Vorderrad seiner 160 Kilo schweren Maschine an zu wackeln, die BMW stellte sich quer. Nock konnte es nicht mehr halten, stürzte ab und schlug mit dem Kopf an den Bolzen der Hinterachse. Auch Perera, der haarscharf hinter ihm war, stürzte. Da er aber vorher noch eine Vollbremsung schaffte, hatte er mehr Glück als sein Kollege und kam mit ein paar blauen Flecken davon.
Amando Nock, im Leben außerhalb der Wiesn Stuntman und Hochseilartist im Zirkus Krone - er entstammt der bekannten Artistenfamilie Nock -, der unter anderem in einer engen Stahlnetzkugel Motorrad fährt, hat sich bei dem Sturz die Nase und das Schultergelenk gebrochen und eine leichte Gehirnerschütterung davongetragen.
Wäre es nach ihm gegangen, wäre er trotzdem sofort wieder weitergefahren. Doch sein Chef befahl ihm, so lange im Krankenhaus zu bleiben, bis ihn die Ärzte entlassen. Möglicherweise ist er am Wochenende schon wieder dabei. "Wir sind hart im Nehmen", sagt Perera und zeigt auf seine Nase. Die ist schief, und auf einer Seite kriegt er keine Luft. Ebenfalls die Folge eines Unfalls, den er schon nach zwei Tagen ignorierte.
Das Schwerste an dem Auftritt ist übrigens nicht das, was am schwersten aussieht, verrät Perera. Wenn die Fahrer zum Beispiel freihändig fahren. Oder wenn sie auf nur einem Pedal stehen und die Maschine praktisch über ihnen fährt. "Das Schwierigste ist, in die Wand reinzugehen", sagt der Teamchef, der selbst seit zwölf Jahren Steilwandfahrer ist.
In die Wand reingehen, das heißt, nach oben kommen, wo die Fahrer mit ihren Motorrädern - einer Indian Scout und zwei BMW - praktisch im 90-Grad-Winkel zum Boden hängen: "Die Akrobatik ist dann leicht." Das "In-die-Wand-reingehen" sei deshalb so schwierig, "weil dann das Vorderrad schlägt, das ist ein komisches Gefühl", weiß Perera. Und das sei der Moment, in dem die meisten Fahrer Angst bekämen.
Erst vor wenigen Tagen hat sich ein junger Mann bei ihm vorgestellt. Einer, der durchaus kein Anfänger war, sondern einer, der schon Motorrad- und Autostunts gemacht hatte. "Aber als er in die Wand gehen sollte, hat er Angst bekommen." Daher konnte Perera ihn leider nicht engagieren. Der dritte im Bunde auf "Pitt's Todeswand" ist Henny Kroeze, 52, zehnfacher Speedway Meister aus Holland. "Vernünftige Fahrer zu finden, ist sehr schwer", sagt Perera: "Früher gab es viele. Heute gibt es auf der ganzen Welt vielleicht noch zehn wirklich gute."
Leider fühlt sich Perera heuer auf der Wiesn nicht richtig gewürdigt. Er habe einen wirklich schlechten Platz, gleich am Eingang St. Pauls Kirche anstatt mittendrin. Daher gebe es viel weniger Shows: "Wir gehen jedes Mal ein großes Risiko ein. Das macht man nicht für zehn Zuschauer." 50 sind das Minimum, knapp 300 passen rein.
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(SZ vom 24.09.2008/sonn)
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